Green & Generation Reverse Flynn-Effekt: Warum wir messbar dümmer werden

Reverse Flynn-Effekt: Warum wir messbar dümmer werden

KI-unterstützt · redaktionell geprüft

IQ-Werte steigen seit 100 Jahren – bis jetzt. Eine Studie mit 400.000 Probanden zeigt: Logisches Denken nimmt ab, räumliches Vorstellungsvermögen zu. Schuld könnten Smartphones sein.

Ein Jahrhundert lang schien die Menschheit klüger zu werden. Der Flynn-Effekt beschrieb, wie IQ-Werte seit den 1930er Jahren kontinuierlich stiegen – etwa drei Punkte pro Dekade.

Was Urgroßeltern als genial galt, wäre heute bestenfalls überdurchschnittlich. Doch diese Entwicklung hat sich umgekehrt. Sozialwissenschaftlerin Elizabeth Dworak von der Northwestern University analysierte knapp 400.000 kognitive Testdaten aus den Jahren 2006 bis 2018 – und entdeckte einen beunruhigenden Trend.

Wenn Mathe plötzlich nicht mehr stimmt

Dworak nutzte Daten des SAPA-Projekts, einer Online-Plattform mit über einer Million Teilnehmern. Die Probanden absolvierten den ICAR-Test, der vier kognitive Bereiche misst: Matrizendenken für Mustererkennung, Zahlen- und Buchstabenreihen für logisches Denken, verbales Verständnis und räumliche Rotation. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscherin.

Sie verbrachte Wochen damit, ihren Code zu überprüfen, überzeugt von einem Fehler. Ihr Betreuer bestätigte jedoch: Die Mathematik stimmte. Die Gesamtwerte sanken über alle Altersgruppen, Bildungsniveaus und Geschlechter hinweg. Am stärksten betroffen: 18- bis 22-Jährige und Menschen mit niedrigerem Bildungsstand.

Nicht alles wird schlechter

Die Detailanalyse offenbart ein differenziertes Bild. Matrizendenken und logische Sequenzen verschlechterten sich deutlich – Kernkompetenzen für abstraktes Problemlösen. Verbales Verständnis blieb weitgehend stabil.

Doch ein Bereich entwickelte sich gegen den Trend: Räumliches Vorstellungsvermögen verbesserte sich messbar über alle Altersgruppen. Eine mögliche Erklärung liefern Videospiele, die genau diese Fähigkeit trainieren. Auch standardisierte Tests wie SAT und ACT zeigen seit einem Jahrzehnt sinkende Durchschnittswerte – lange bevor generative KI verfügbar war.

Der Smartphone-Verdacht

Der Zeitpunkt des Rückgangs fällt mit dem Aufstieg der Smartphones zusammen. James Marriott von der Times of London sieht darin den Hauptverdächtigen. Gedruckte Texte zwingen zu logischer Argumentation, so seine These. Wer ein Buch schreibt, muss Gedanken strukturieren und Beweise liefern.

TikTok und YouTube erlauben dagegen bloße Behauptungen ohne Begründung. Print privilegiere eine rationale, informationsdichte Denkweise, die intellektuell fordert. Dworaks Studie kann die Ursachen nicht abschließend klären – die Querschnittsdaten zeigen Bevölkerungstrends, aber keine kausalen Zusammenhänge.

Business Punk Check

Die Studie entlarvt eine unbequeme Wahrheit: Technologischer Fortschritt macht uns nicht automatisch klüger. Der Rückgang logischer Denkfähigkeiten trifft genau jene Generation, die mit Smartphones aufwuchs. Während räumliches Denken durch Gaming steigt, erodiert die Fähigkeit zu strukturierter Argumentation. Das hat direkte Business-Konsequenzen: Wer komplexe Strategien entwickeln oder Datenanalysen durchführen muss, braucht genau jene kognitiven Fähigkeiten, die abnehmen.

Die provokante These: Unsere digitalen Tools optimieren uns für Konsum, nicht für Kreation. Unternehmen sollten Weiterbildung neu denken – nicht mehr Skills vermitteln, sondern kognitive Grundlagen wiederherstellen. Wer heute in kritisches Denken investiert, verschafft sich morgen einen Wettbewerbsvorteil. Der Reverse Flynn-Effekt ist kein akademisches Problem, sondern eine wirtschaftliche Zeitbombe. Early Adopters setzen auf analoge Denkräume: Meetings ohne Devices, Deep Work statt Multitasking, Bücher statt Feeds.

Quellen: Sciencealert, Wikipedia, Wdr, Wdr, Uni-wuerzburg, Wikipedia, Wissenschaftswelle, Wikipedia, Wissenschaftswelle

Das könnte dich auch interessieren