Green & Generation Tofu-Krise: Der Veggie-Boom überfordert die Hersteller

Tofu-Krise: Der Veggie-Boom überfordert die Hersteller

Deutschlands Supermärkte kämpfen mit leeren Tofu-Regalen. Maschinenschäden und Fachkräftemangel legen die Produktion lahm – während die Nachfrage um über elf Prozent steigt.

Wer bei Edeka oder Rewe nach Tofu greift, fasst derzeit oft ins Leere. Die Regale klaffen, die Liefermengen sind seit Wochen reduziert. Während der Markt der Lebensmittel Zeitung zufolge boomt und im März ein Plus von 11,2 Prozent verzeichnete, kommen die Hersteller nicht hinterher. Das Umsatzvolumen der Branche liegt bei 135 Millionen Euro – doch davon kommt wenig im Regal an.

Maschinenschaden legt Marktführer lahm

Beim Freiburger Marktführer Taifun brach Ende 2025 ein zentrales Aggregat zusammen. Die Folge: Der Betrieb stand still, die Lager blieben leer. Vertriebsleiter Julian Vorberg-Heck gibt zu, man laufe der Nachfrage noch immer hinterher. Beliebte Produkte wie Tofu-Würste und der 400-Gramm-Naturtofu wurden vorübergehend aus dem Sortiment genommen. Die technischen Probleme seien zwar behoben, doch bis Herbst plant Taifun erst eine Kapazitätserweiterung um rund 50 Prozent.

Fachkräftemangel verschärft die Krise

Auch der zweitgrößte Anbieter Berief kann die Nachfrage nur begrenzt bedienen. Geschäftsführer Bernd Eßer nennt die Personalbeschaffung als zentrale Herausforderung. Ohne qualifizierte Mitarbeiter lassen sich die Kapazitäten nicht erhöhen – ein Problem, das beide Hersteller teilen. Die Branche kämpft an zwei Fronten: technische Pannen und fehlende Fachkräfte bremsen die Produktion, während die Nachfrage ungebremst steigt.

Tofu als Mangelware

Der Boom bei pflanzlichen Proteinen trifft auf eine Branche, die nicht liefern kann. Tofu, einst asiatisches Grundnahrungsmittel, ist in Europa zum begehrten Trendprodukt aufgestiegen – und derzeit schmerzlich vermisst. Die Hersteller setzen auf den Herbst, bis dahin bleibt Tofu das, was er eigentlich ersetzen sollte: ein rares Luxusgut.

Business Punk Check

Die Tofu-Krise entlarvt die Schwächen einer Branche, die vom Boom überrollt wurde. Während Marktforscher Wachstumsraten von über elf Prozent feiern, offenbart sich die Realität in leeren Regalen. Ein Maschinenschaden reicht, um den Marktführer lahmzulegen – das ist kein Pech, sondern mangelnde Resilienz. Der Fachkräftemangel verschärft das Problem. Beide Hersteller suchen händeringend nach qualifiziertem Personal, doch die Branche bietet offenbar keine attraktiven Bedingungen.

Wer im Boom nicht in Mitarbeiter investiert, zahlt jetzt den Preis. Die angekündigte Kapazitätserweiterung bis Herbst klingt nach Schadensbegrenzung, nicht nach strategischer Weitsicht. Für Verbraucher bedeutet das: Tofu bleibt Mangelware. Wer flexibel ist, weicht auf Alternativen aus. Wer auf Tofu besteht, muss Geduld mitbringen – oder zu überteuerten Importprodukten greifen. Die Branche hat ihre Hausaufgaben zum Teil nicht gemacht. Jetzt zahlen die Kunden die Zeche.

Häufig gestellte Fragen

Warum sind die Tofu-Regale bei Edeka und Rewe leer?

Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht hinterher. Beim Marktführer Taifun führte ein Maschinenschaden Ende 2025 zu Produktionsausfällen, während gleichzeitig die Nachfrage um über elf Prozent stieg. Auch der zweitgrößte Anbieter Berief kann den Bedarf nicht decken, da beide Unternehmen unter massivem Fachkräftemangel leiden.

Wann entspannt sich die Tofu-Versorgung wieder?

Taifun plant bis Herbst 2026 eine Kapazitätserweiterung um rund 50 Prozent. Bis dahin bleibt die Versorgung angespannt. Die technischen Probleme sind zwar behoben, doch ohne zusätzliches Personal lassen sich die Kapazitäten nicht schnell genug hochfahren. Verbraucher müssen sich also noch mehrere Monate auf leere Regale einstellen.

Welche Tofu-Produkte sind besonders betroffen?

Taifun hat vorübergehend beliebte Produkte wie Tofu-Würste und den 400-Gramm-Naturtofu aus dem Sortiment genommen. Diese Produkte erfordern besonders viel Produktionskapazität, die derzeit nicht verfügbar ist. Andere Tofu-Varianten sind ebenfalls nur eingeschränkt verfügbar, da die Gesamtproduktion reduziert ist.

Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf die Tofu-Branche aus?

Beide Marktführer – Taifun und Berief – berichten von erheblichen Schwierigkeiten bei der Personalsuche. Ohne qualifizierte Mitarbeiter lassen sich die Produktionskapazitäten nicht erhöhen, selbst wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Der Fachkräftemangel wird damit zum entscheidenden Flaschenhals für die gesamte Branche.

Lohnt sich der Umstieg auf alternative pflanzliche Proteine?

Wer nicht auf Tofu warten will, findet Alternativen wie Tempeh, Seitan oder Hülsenfrüchte. Diese Produkte sind derzeit besser verfügbar und bieten ähnliche Nährwerte. Allerdings fehlt ihnen die geschmackliche Neutralität von Tofu, die ihn zum kulinarischen Chamäleon macht. Für viele Rezepte bleibt Tofu daher erste Wahl – wenn man ihn denn bekommt.

Quellen: T Online, Zeit, Chip

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