Keine Aufträge, 330 Millionen Bewertung: Die Wette auf Mini-Atomkraft von Steady Energy
Steady Energy will per Aktientausch mit 3North Partners an die Helsinki-Börse. Die EIB gibt 40 Mio. Euro; genehmigt von Ex-Kanzler Karl Nehammer, dessen Heimat Atomkraft per Gesetz verbietet.
Tommi Nyman, Mitgründer und Chef von Steady Energy, hat einen Zeitplan vorgelegt, der Finnland bis 2029 zum Bauherrn eines neuartigen Reaktortyps machen soll. Sein Unternehmen kombiniert sich mit der Investmentgesellschaft 3North Partners (3NP), die per Aktientausch alle Anteile übernimmt.
Danach steht der Börsengang am Nasdaq First North Growth Market Finland an, dem Helsinkier Segment für Wachstumsfirmen, demnach. Strukturell ist das eher ein Reverse-Merger-Listing mit angehängter Kapitalrunde als ein klassischer Börsengang.
Woher das Geld kommt
Institutionelle Investoren haben bereits 69,8 Mio. Euro zugesagt, darunter die finnischen Pensionskassen Elo, Ilmarinen und Varma sowie der Energiekonzern Fortum und der polnische Ölkonzern Orlen über seinen VC-Arm. Für Privatanleger sind bis zu 500.000 neue Aktien zu je 10 Euro vorgesehen, was maximal 5 Mio. Euro einbringen soll, demnach.
Hinzu kommt ein zinsfreies Wandeldarlehen der Europäischen Investitionsbank über bis zu 40 Mio. Euro, auszahlbar in zwei Tranchen. Die EIB kann ihre Forderung später in Aktien der börsennotierten Firma umwandeln: kein Zuschuss, sondern ein Instrument mit Rückzahlungs- und Beteiligungsoption.
Nehammers Rolle bei der EIB
Bemerkenswert ist, wer die Finanzierung verkündete: EIB-Vizepräsident Karl Nehammer, ehemaliger Bundeskanzler jenes Landes, dessen Atomsperrgesetz von 1978 die Inbetriebnahme von Kernspaltungsanlagen verbietet. Nehammer sprach laut EIB davon, Europas vielversprechendste SMR-Pioniere unterstützen zu wollen, kleine modulare Reaktoren könnten neben erneuerbaren Energien stabile, CO2-arme Energie liefern.
Das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft sieht das anders: Eine breite kommerzielle SMR-Nutzung sei frühestens in den 2040er-Jahren realistisch, die Technologie zudem deutlich teurer als erneuerbare Alternativen. Der Nationalrat hatte sich zuvor einstimmig gegen den Bau solcher Reaktoren ausgesprochen.
Große Ziele, keine Aufträge
Der LDR-50-Reaktor liefert ausschließlich Wärme für Fernwärmenetze, nicht Strom, bei 50 Megawatt thermischer Leistung. Weil Turbinen und Generatoren entfallen, soll die Anlage einfacher und günstiger genehmigungsfähig sein. Steady Energy visiert bis 2035 mehr als 500 Mio. Euro Umsatz an, bis 2040 eine Milliarde, bei einer operativen Marge von 35 bis 40 Prozent.
Diese Zahlen stützen sich auf ein Management-Szenario mit 70 Reaktoren zwischen 2033 und 2045. Verbindliche Aufträge gibt es bislang keine, erste Vorverträge sollen 2027 oder 2028 folgen. Zum Vergleich: Das Grazer SMR-Unternehmen Emerald Horizon ist bereits seit Sommer an der Wiener Börse notiert und mit rund 1,2 Mrd. Euro bewertet, deutlich höher als Steady Energys implizierte 330 Millionen.
Business Punk Check
Die EIB finanziert erstmals ein SMR-Start-up, genehmigt von einem Österreicher, dessen eigenes Land Kernkraft per Gesetz verbietet. Das ist keine Ironie des Schicksals, sondern institutionelle Realpolitik: Die EU-Kommission plant SMR-Kapazitäten von bis zu 53 Gigawatt bis 2050, während Wien mit Verweis auf Kosten und Zeithorizont dagegenhält.
Steady Energy hat keine einzige verbindliche Bestellung, aber eine Umsatzprognose von einer Milliarde Euro und einen Börsenwert von 330 Millionen. Ob institutionelle Investoren wie Fortum und Elo hier auf Substanz oder auf einen politisch gewollten Trend setzen, entscheidet sich frühestens 2028, wenn die ersten Vorverträge fällig wären.
Auf einen Blick
- Steady Energy verschmilzt mit 3North Partners und plant den Börsengang am Nasdaq First North Growth Market Finland.
- Die Europäische Investitionsbank stellt ein Wandeldarlehen über bis zu 40 Mio. Euro bereit, ihr erstes Investment in SMR-Technologie überhaupt.
- EIB-Vizepräsident Karl Nehammer, früherer österreichischer Bundeskanzler, verkündete die Finanzierung, obwohl Österreichs Atomsperrgesetz Kernkraftwerke im eigenen Land verbietet.
- Institutionelle Investoren haben 69,8 Mio. Euro zugesagt, verbindliche Kundenaufträge für den Reaktor LDR-50 gibt es bislang nicht.
Quellen: Trendingtopics, Eib, KI-unterstützt