Deutschland nur Mittelmaß: Wo die Rente besser funktioniert
Deutschlands Rentenzuschuss klettert bis 2040 auf über 150 Mrd. Euro. Der Rentensystem-Vergleich zeigt: Wer spart, riskiert Altersarmut. Wer absichert, zahlt mit Steuergeld.
Deutschland steckte 2025 deutlich über 100 Mrd. Euro Steuergeld in die Rentenkasse. Bis 2040 dürfte dieser Zuschuss laut Focus auf über 150 Mrd. Euro steigen, umgerechnet sechs bis sieben Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist keine ferne Zukunftsprognose, das ist eine Rechnung, die schon jetzt Haushaltsspielräume für Bildung, Infrastruktur oder Start-up-Förderung auffrisst. Ein wesentlicher Grund liegt in der Demografie. Die EU rechnet damit, dass ihre Bevölkerung von derzeit 451 Millionen auf etwa 432 Millionen Menschen im Jahr 2070 schrumpft, während der Anteil der über 65-Jährigen weiter wächst.
Bereits heute ist in vielen europäischen Ländern rund ein Viertel der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. In Deutschland und vielen anderen EU-Staaten finanzieren aktuell nur wenig mehr als zwei Beitragszahler einen Rentner. Für Unternehmen wird die Rentenfrage damit zum knallharten Standortfaktor: Hohe Sozialabgaben drücken auf die Konkurrenzfähigkeit, ein stabiles Alterssicherungssystem kann umgekehrt Fachkräfte anlocken.
Wie unterschiedlich der Leidensdruck in Europa verteilt ist, zeigt der Blick auf die Ausgabenquoten. Italien gab 2025 fast 16 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Renten aus, deutlich mehr als Deutschland mit rund zehn Prozent. Dort fungiert die Rente laut Focus oft als soziales Netz für ganze Familien, was Kürzungen politisch heikel macht. Spanien wiederum gilt als das Land, in dem der Finanzierungsbedarf am drastischsten zunehmen wird, unter anderem wegen einer der niedrigsten Geburtenraten Europas. Beobachter sehen die Möglichkeit, dass Spanien Italien als teuerstes System noch ablösen könnte. Nicht überall gelten hohe Steuerzuschüsse dabei als Alarmsignal: In Österreich werden sie politisch bislang akzeptiert, die Gesellschaft ist stolz auf ihr hohes Rentenniveau.
Sparmodell mit Nebenwirkungen
Schweden und die baltischen Staaten haben sich für einen radikalen Automatismus entschieden: Nur was eingezahlt wird, darf ausgegeben werden. Sinken die Einnahmen, sinkt automatisch die Rente. Das entlastet den Staatshaushalt, produziert aber ein anderes Problem. Die baltischen Staaten weisen laut Focus europaweit Spitzenwerte bei Altersarmut auf, weil die Renten mit Löhnen und Preisen nicht Schritt halten und selbst Vorzeigeland Schweden musste Garantierente und Wohnzuschuss nachbessern, um die soziale Schieflage zu bremsen. Finanzielle Nachhaltigkeit gibt es in diesen Modellen also nicht kostenlos, sie geht mit einem höheren Risiko individueller Unsicherheit einher. Ähnlich mühsam ist der politische Preis, wenn Staaten am Renteneintrittsalter drehen wollen.
Neun EU-Staaten koppeln das Eintrittsalter bereits an die Lebenserwartung, darunter Dänemark, die Niederlande, Estland und die Slowakei. Portugal verlängert seit 2014 die Arbeitszeit automatisch um rund acht Monate pro zusätzlichem Jahr Lebenserwartung, das Rentenalter kletterte dort inzwischen auf 66 Jahre und sieben Monate. Die OECD rechnet langfristig damit, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter in mehreren Ländern auf rund 70 Jahre oder darüber steigen könnte.