Kommt jetzt das „iHome“? Apple plant sein Smart-Home-Comeback, getarnt als „LG“
Apple baut sein Smart Home, versteckt sich aber hinter LG-Branding. Türschloss, Kameras, Thermostat: Der Angriff auf Amazon Ring kommt leise, aber mit Ansage.
Apple plant sein Smart-Home-Comeback, doch das eigene Logo bleibt diesmal im Schrank. Laut einem Bericht von Bloomberg-Reporter Mark Gurman entwickelt der Konzern gemeinsam mit LG Electronics eine komplette Geräteflotte für das vernetzte Zuhause, die aber unter LG-Markenname verkauft werden soll.
Türschloss, Thermostat, Türklingel und drei Kameras: Apple baut mit, tritt aber nach außen nicht als Hersteller auf. Das Vorgehen ist bemerkenswert für einen Konzern, der sonst peinlich genau auf die eigene Markenpräsenz achtet. Dass das Apple-Logo bei dieser Produktreihe fehlt, könnte darauf hindeuten, wie strategisch die Rollenverteilung zwischen den beiden Unternehmen gedacht ist.
Sechs Geräte für ein Smart-Home
Laut Trendingtopics umfasst die Partnerschaft eine smarte Türklingel, ein Thermostat, ein Schloss mit Bolzenriegel sowie drei Kameras für innen, außen und als Flutlicht-Variante. Diese Kategorien dominieren bislang Amazons Ring und Googles Nest. LG habe laut dem Bericht bereits das Zulassungsverfahren für die Geräte gestartet, Apples Beteiligung tauche in den Unterlagen allerdings nicht auf. Ein Marktstart wird für Anfang 2027 erwartet. Auch TechCrunch bestätigt die sechs Produktkategorien und ordnet sie explizit als Angriff auf Amazons Smart-Home-Portfolio ein, das aktuell unter anderem die Ring-Sicherheitskameras umfasst.
Neu ist dieses Muster für Apple nicht: Schon die UltraFine-Monitore von LG wurden speziell für Macs mitentwickelt. Der Vorteil für Apple liegt auf der Hand. Der Konzern erweitert sein Ökosystem um Kameras und Schlösser, ohne selbst für Hardware an Haustüren und Außenwänden geradestehen zu müssen. Ob die LG-Geräte die seit Langem gemunkelten eigenen Apple-Kameras ersetzen, bleibt demnach offen. Diese Unsicherheit lässt vermuten, wie fliessend Apples Smart-Home-Strategie derzeit noch ist: Die Kooperation mit LG könnte eine Übergangslösung sein oder aber dauerhaft die Rolle übernehmen, die ursprünglich für eigene Apple-Hardware vorgesehen war.
Der eigene Hub kommt zuerst
Noch vor den LG-Geräten rollt Apples eigene Hardware an: Laut TechCrunch soll der Konzern am 13. Oktober einen eigenen Smart-Home-Hub vorstellen. Das Gerät kommt mit einem quadratischen Sechs-Zoll-Display für Tischaufstellung oder Wandmontage und steuert Lichter, Thermostate und Schlösser. Es ermöglicht außerdem Videotelefonie, Musikwiedergabe und Fotoanzeige. Gesichts- und Stimmerkennung sollen laut Trendingtopics personalisierte Informationen für jedes Haushaltsmitglied liefern, der Preis soll bei rund 350 Dollar liegen. Der Hub positioniert sich damit klar als Schaltzentrale, die die LG-Geräte erst zu einem funktionierenden Ökosystem zusammenführt.
Ohne diesen zentralen Knotenpunkt wären Türschloss, Thermostat und Kameras einzelne Insellösungen, wie sie Wettbewerber bereits anbieten. Parallel bringt Apple laut Berichten eine neue HomePod-Mini-Generation und ein neues Apple-TV-Modell mit schnelleren Chips für KI-Funktionen. Für 2027 ist zudem ein Tischroboter geplant. Hub und Roboter sollen laut früheren Bloomberg-Informationen in Vietnam zusammen mit dem chinesischen Konzern BYD gefertigt werden, um die Abhängigkeit von China in der Produktion zu reduzieren. Diese Produktionsverlagerung passt zu Apples längerfristigem Bestreben, Lieferketten geografisch zu diversifizieren und zeigt, dass die Smart-Home-Offensive nicht isoliert, sondern eingebettet in eine größere Fertigungsstrategie gedacht ist.
LG spielt nicht nur Zulieferer
Für LG ist der Deal mehr als Auftragsfertigung. Der südkoreanische Konzern baut sein Smart-Home-Geschäft seit Jahren aus und hat sich 2024 für geschätzte 61 Mio. Dollar eine 80-prozentige Beteiligung am niederländischen Unternehmen Athom gesichert, das den Homey-Hub herstellt. Mit dieser Akquisition verfügt LG bereits über eigene Plattform-Expertise jenseits seines ThinQ-Systems, was die Partnerschaft mit Apple für beide Seiten attraktiver macht: Apple profitiert von LGs Erfahrung in der Hardware-Fertigung für Smart-Home-Geräte, LG wiederum von der Reichweite des Apple-Ökosystems.
Die Konkurrenz sitzt tief im Sattel: Amazon dominiert mit Ring und Blink, Google mit Nest, Samsung bündelt seine Geräte unter SmartThings. Spezialisten wie Aqara, Eve und Netatmo bauen seit Langem für Apples Home-App. Apple setzt darauf, dass der eigene Hub zusammen mit eng abgestimmten Partnergeräten attraktiver wirkt als die Einzellösungen der Konkurrenz. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie reibungslos sich Apple-Hub und LG-Hardware tatsächlich verzahnen lassen, sobald die Produkte 2027 auf den Markt kommen.
Auf einen Blick
- Apple entwickelt demnach gemeinsam mit LG ein Smart-Home-Sortiment aus Türschloss, Thermostat, Türklingel und drei Kameras, das unter LG-Marke verkauft werden soll.
- Der eigene Apple-Smart-Home-Hub mit Sechs-Zoll-Display soll am 13. Oktober vorgestellt werden und rund 350 Dollar kosten.
- LG hat bereits Zulassungsverfahren für die gemeinsamen Geräte gestartet, ein Marktstart wird für Anfang 2027 erwartet.
- Apple plant demnach zusätzlich einen Tischroboter für 2027, der wie der Hub in Vietnam mit dem chinesischen Konzern BYD gefertigt werden soll.
Quellen: TechCrunch, Trendingtopics, KI-unterstützt