Mallorca, das Comeback-Kid
Keine Insel im Mittelmeer hat sich so oft neu erfunden. Drei Häuser einer Familie erzählen, wohin die Reise gerade geht: auf einen Hügel über Camp de Mar, auf ein Dach in Muro und in einen Olivenhain bei Sa Pobla.
Um sechs Uhr morgens hört man in Muro die Kirchenglocke. Sonst nichts. Die Kopfsteinpflastergassen sind leer, die Rollläden noch unten, auf der Dachterrasse des Can Ribera steht das Wasser im Pool so still, dass sich die Serra de Tramuntana darin spiegelt. Zwei Autostunden weiter südwestlich, auf einem Hügel über der Bucht von Camp de Mar, füllt sich um dieselbe Zeit die Yoga-Terrasse des Zafiro Palace Andratx.
Zwei Orte, zwei Geschwindigkeiten, eine Besitzerfamilie. Zusammen ein ziemlich präzises Bild davon, wie Mallorca im Jahr 2026 tickt. Um das zu verstehen, muss man kurz zurückspulen.
Version 1.0: Sonne im Sonderangebot
Die Sechziger. Charterflieger landen in Palma, und plötzlich kann sich ein Dreher aus Gelsenkirchen leisten, was vorher Grafen vorbehalten war: zwei Wochen Mittelmeer. Mallorca wird zur Massenware, ganz bewusst. Betonriegel entlang der Playa de Palma, Vollpension, Kegelclub am Pool. Es war das Geschäftsmodell einer Zeit, in der Skalierung alles war. Und es lief. Bis es nicht mehr lief.

Version 2.0: Der Kater und die Finca
In den Neunzigern hat die Insel ein Imageproblem mit neun Buchstaben: Ballermann. Die Antwort kam aus dem Landesinneren. Architekten, Verleger und Werber kauften verfallene Landgüter, verlegten Terrakotta, pflanzten Zypressen. Mallorca wurde zur Toskana mit Strand. Der entscheidende Punkt: Die Insel schaffte den alten Markt nicht ab. Sie machte einfach einen weiteren auf. Das ist bis heute ihr Trick.
Version 3.0: Fünf Sterne mit Tramuntana-Blick
Die 2010er bringen das Luxussegment in Bewegung. Internationale Ketten kommen, aber die interessantere Geschichte schreiben die Familien, die schon immer da waren. Zafiro Hotels aus Puerto de Alcudia zum Beispiel, geführt von den Schwestern Antonia und María Plomer, die Forbes zum zweiten Mal in Folge zu den 30 einflussreichsten Frauen der Balearen zählt. Vierzehn Häuser, vom Familienhotel mit Piratenschiff-Pool bis zum Fünf-Sterne-Resort.
Die Speerspitze eröffnet im Juni 2021, und man muss sich den Zeitpunkt auf der Zunge zergehen lassen: mitten in der Pandemie, während die halbe Branche in Kurzarbeit war, stellt ein Familienunternehmen ein Fünf-Sterne-Haus auf einen Hügel über Camp de Mar. Das ist keine Vorsicht, das ist eine Wette. Fünf Jahre später ist das Zafiro Palace Andratx für die Condé Nast Traveler Awards 2026 als bestes Resort nominiert.
Andratx ist der Südwesten, dort wo die Tramuntana ins Meer kippt und die Immobilienpreise seit Jahren nur eine Richtung kennen. Das Haus: mallorquinische Architektur mit klaren Linien, Poollandschaften, mehrere Restaurants, ein Spa mit Germaine de Capuccini. Nebenan der Golf de Andratx mit dem „Green Monster“, mit 609 Metern das längste Loch Spaniens. Wer das par spielt, darf beim Abendessen davon erzählen.
Spannender als die Hardware ist, was seit der Eröffnung nachgelegt wurde. 2024 kamen die Zafiro Club Suiten, Privatsphäre mit eigenen Bereichen, Massage für zwei und Kulinarik, die der Rest des Resorts nicht bekommt. Das lief so gut, dass es inzwischen auch im Schwesterhaus in Palmanova steht. Und dann ist da das Boot. Eine Llaüt, das klassische mallorquinische Fischerboot, umgerüstet auf Elektroantrieb. Gäste buchen per Zafiro-App oder den Concierge-Service, und gleiten lautlos die Küste entlang in Buchten, die vom Land aus niemand findet. Hundert Jahre altes Bootsdesign, Akku statt Diesel. Wenn man eine Metapher für das aktuelle Mallorca sucht: Da ist sie.
„Fünf Jahre Zafiro Palace Andratx bedeuten fünf Jahre Leidenschaft für Gastfreundschaft“, sagt Antonia Plomer, CEO der Gruppe. Man kann das als Jubiläumssatz abheften. Oder man fährt ins Inselinnere und schaut, was die Familie dort mit ihrer eigenen Vergangenheit gemacht hat.
Version 4.0: Das Elternhaus als Geschäftsmodell
Muro liegt zwischen der Tramuntana und der Bucht von Alcúdia, ein Dorf, das kein Reiseveranstalter je auf ein Titelbild gedruckt hat. Hier steht Can Ribera by Zafiro, ein Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert mit hohen Decken, freiliegenden Holzbalken und einer Treppe, die man aus einem Roman kennt. Es war der Familiensitz der Plomers. Das Haus, in dem die beiden Schwestern aufgewachsen sind, die heute den Konzern führen. Jetzt ist es ein Boutique-Hotel mit 21 Zimmern, keines wie das andere, eingerichtet von Marga Rotger, die auch die Palace Häuser der Marke ausgestattet hat. Auf dem Dach: beheizter Pool, Bali-Daybeds, Jacuzzi und ein Blick, für den man in Deià das Dreifache zahlen würde. Vorne der Glockenturm der Dorfkirche, hinten die Berge, dazwischen Sonnenuntergang.
Man kann das sentimental finden. Man kann es auch als das lesen, was es ist: ein Familienunternehmen, das sein wertvollstes Asset nicht verkauft hat, sondern in Betrieb genommen. Luxus heißt hier nicht Marmor, sondern dass jemand weiß, wie das Haus riecht, wenn es im Oktober regnet.

Ein paar Kilometer weiter nördlich, bei Sa Pobla, in der Kartoffel- und Gemüseebene der Insel, liegt das zweite Haus der Boutique Collection. Son Sabater by Zafiro, ein Landgut aus dem 16. Jahrhundert, restauriert zu zwölf Suiten und drei Villen mit eigenem Garten. Olivenhaine, Mandelbäume, dahinter über zwei Hektar Steineichen und Johannisbrotbäume. Zwei Pools, eine Sauna, ein Restaurant. Kein Beach Club, keine Poolbar mit DJ, kein Programm. Und genau das ist das Programm. Was in Andratx Luxus durch Mehr bedeutet, bedeutet hier Luxus durch Weglassen.
Die Zahlen dahinter sind allerdings alles andere als romantisch. Der eigene biologische Garten hat in einer Saison über tausend Kilogramm Obst und Gemüse geliefert, rückverfolgbar bis aufs Beet. Eine eigene Zisterne versorgt das gesamte Anwesen mit Wasser. Auf einer Insel, auf der Wasser inzwischen ein politisches Thema ist, ist das keine Nettigkeit, das ist ein Wettbewerbsvorteil. In der Küche steht Lluís Cardell, Mallorquiner, jung, erkennbar nicht an Fusion interessiert. Xeixa-Mehl aus einer alten Weizensorte, Mandeln, Mahón-Käse, Auberginen von nebenan. Gekocht wie hier seit Generationen gekocht wird, angerichtet wie 2026.
Warum alle drei Häuser dieselbe Geschichte erzählen
Mallorca diskutiert seit ein paar Jahren offen über Grenzen. Bettenlimits, Demos gegen Übertourismus, Streit um Wohnraum, Verkehr und Wasser. Für die Insel ist das kein Untergang, sondern der nächste Relaunch: weg von der Menge, hin zur Wertschöpfung pro Gast. Die Produktantwort darauf sieht man an drei Orten gleichzeitig. Auf dem Hügel in Andratx: höhere Preise, längere Aufenthalte, Elektroboot statt Jetski. Auf dem Dach in Muro: 21 Zimmer statt 400, und Gäste, die abends ins Dorf gehen, weil es da ein Dorf gibt. In der Ebene bei Sa Pobla: Menschen, die für Stille zahlen, für Gemüse mit Herkunft und einen Wald, in dem nichts passiert. Dreimal dasselbe Geschäftsmodell in unterschiedlicher Lautstärke.
Die Strände von Can Picafort und Playa de Muro sind von beiden Boutique-Häusern übrigens nur ein paar Minuten entfernt. Man muss also nicht wählen. Man kann morgens im Steineichenwald sein und nachmittags im Meer. Das war schon immer das Versprechen dieser Insel, nur dass es lange niemand eingelöst hat.
Wer das ausprobieren will: Bei Zafiro läuft gerade ein Saisonende-Angebot mit bis zu 25 Prozent Rabatt bei Buchung über die eigene Website. Der Herbst ist ohnehin die Jahreszeit, für die Mallorca nie Werbung machen musste. Warmes Meer, leere Straßen in der Tramuntana, Erntezeit in Sa Pobla. Und über Camp de Mar ein Licht, für das man sich im Juli fast entschuldigen würde.
Mallorca hat sich wieder neu erfunden. Und wie jedes Mal, ist die neue Version die bessere.
Infos: zafirohotels.com/de und zafiroboutiquecollection.com/de