Startup & Scaling 30 Millionen auf dem Konto. Und trotzdem ein LinkedIn-Post.

30 Millionen auf dem Konto. Und trotzdem ein LinkedIn-Post.

Millionen verdient – und trotzdem wieder bei null anfangen? Genau das passiert gerade hinter den Kulissen von Sport, Entertainment und der Creator Economy. LinkedIn wird zur neuen Spielwiese für Deals, Einfluss und zweite Karrieren. Warum Reichweite nicht mehr reicht und Profil zur neuen Währung wird, zeigt dieser Gastbeitrag von Kevin Tewe, CEO des Kölner Künstlermanagements „ALL IN – Artist Management“

Stell dir vor, du hast in deiner aktiven Karriere 30 Millionen Euro verdient. Du musst nicht mehr arbeiten. Du könntest einfach aufhören. Und trotzdem sitzt du jetzt an einem LinkedIn-Post. Was gerade passiert, hat mit Social Media im alten Sinne nur noch bedingt zu tun. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: Vermögende Persönlichkeiten aus Sport, Entertainment und Popkultur merken, dass Geld keine Relevanz konserviert. Bekanntheit wächst nicht einfach von allein weiter. Und die Zeit nach der ersten Karriere braucht oft etwas anderes als eine Agentur, die Anfragen weiterleitet. Sie braucht eine klare unternehmerische Richtung. Ich begleite genau diese Menschen täglich. Und ich sehe, dass sich hier gerade etwas verschiebt, das die Branche verändern wird.

Warum LinkedIn plötzlich spannend wird

Vor drei Jahren hätte ich selbst nicht gedacht, dass ich das mal so deutlich sage. LinkedIn galt in vielen dieser Kreise eher als Plattform für Berater, Recruiter und Leute, die „Thought Leadership“ in ihre Bio schreiben. Nicht unbedingt als Ort, an dem man Fußballprofis wie Joshua Kimmich, Entertainment-Größen oder Creator wie Kollegah oder Pamela Reif erwartet. Genau das ändert sich gerade. Nicht, weil LinkedIn auf einmal cool geworden wäre. Sondern weil diese Persönlichkeiten verstanden haben, was die Plattform ihnen geben kann, das Instagram oft nicht liefert: Zugang zu echtem Business.

Instagram bringt Applaus. LinkedIn bringt Business Deals.

Auf LinkedIn lesen eben nicht nur Fans mit. Dort sitzen Menschen, die Budgets verantworten, Beiräte besetzen, Investments prüfen und Unternehmen bauen. Das ist ein anderes Umfeld, als einfach nur Reichweite zu sammeln. Die eigentliche Lücke liegt woanders. Spannend ist aus meiner Sicht nicht nur, dass diese Leute sichtbarer werden wollen. Spannender ist, warum. Viele verdienen in ihrer aktiven Karriere zweistellige Millionen. Aber wie man ein Unternehmen baut, lernt man dort meistens nicht. Dafür war der Job schlicht ein anderer. Profisportler, Musiker oder TV-Persönlichkeiten funktionieren oft über Jahre in klaren Systemen: Verein, Label, Sender, Sponsorenstruktur. Ihr Fokus liegt auf Leistung, Präsenz und Performance, nicht auf Beteiligungsmodellen, Markenarchitektur oder der Frage, wie man aus Bekanntheit ein belastbares Geschäftsmodell macht.

Genau deshalb beginnt für viele nach oder neben der ersten Karriere eine zweite Professionalisierung. Die Fragen, die ich gerade immer wieder höre, sind ziemlich ähnlich: Wofür stehe ich eigentlich jenseits meiner bisherigen Rolle? Wie mache ich aus Reichweite echten Wert? Wie werde ich vom Verdiener zum Investor? Diese Fragen sind nicht neu. Neu ist, dass sie gerade für sehr viele gleichzeitig relevant werden. Darauf ist ein großer Teil der klassischen Managementbranche noch nicht vorbereitet.

Management muss heute mehr können

Das alte Modell war einfach: Anfrage rein, Kooperation verhandeln, Rechnung schreiben. Damit kommt man heute nicht mehr weit. Wer Personal Brands professionell aufbaut, vermittelt nicht einfach nur Deals. Er baut mit einer Persönlichkeit ein System. Er arbeitet heraus, welche Themen wirklich passen, welche Partnerschaften sinnvoll sind und welche Angebote zwar kurzfristig Geld bringen, langfristig aber eher Schaden anrichten. Das größere Problem im Alltag ist oft nicht die fehlende Chance, sondern fehlende Priorisierung. Zu viele Möglichkeiten können genauso gefährlich sein wie zu wenige. Wahllose Investments, unklare Beteiligungen, Großprojekte (wie etwa Podcasts) ohne Richtung oder Brand-Deals, die nicht zum Profil passen, wirken nach außen oft wie Aktivität. Oft ist das am Ende einfach teure Beliebigkeit. Denn Reichweite verliert aktuell an Wert, Profil hingegen wird immer wichtiger.

Eines der größten Missverständnisse der letzten Jahre war die Annahme, dass Reichweite automatisch Wert bedeutet. 

Wer viel sendet, aber kein klares Profil hat, wird schnell austauschbar. Gerade bekannte Persönlichkeiten laufen Gefahr, auf Social Media einfach nur zusätzliche Ausspielflächen ihrer Bekanntheit zu werden, ohne daraus eine neue Form von Relevanz aufzubauen. Und der Markt wird eher härter als leichter. Marken sind vorsichtiger geworden. Zielgruppen skeptischer, Plattformen unberechenbarer. Weil heute fast jeder senden kann, gewinnt am Ende nicht automatisch der Lauteste, sondern meistens der Klarste. Die erfolgreichsten Personal Brands der nächsten Jahre werden deshalb nicht zwingend die mit der größten Reichweite sein, sondern die mit dem klarsten Profil.

Was früher ein Bonus war, wird heute Teil der Wertschöpfung. Nicht jeder Multimillionär ist automatisch ein Unternehmer. Genau deshalb wird Personal Branding gerade vom Eitelkeitsthema zur Pflichtdisziplin. Wer nach der ersten Karriere noch eine zweite Relevanz aufbauen will, braucht mehr als Geld, Namen und Reichweite. Er braucht ein Profil, das auch ohne Trikot, Bühne oder Primetime trägt. Das hat weniger mit Eitelkeit zu tun als mit smartem Risikomanagement.

Lust auf mehr? Am 4. Mai findet das Branchentreffen der Creator Economy in der Hamburger Fischauktionshalle statt. Auf dem 9:16® Summit sprechen Kevin Tewe und Toan Ngyuen zum Thema „KI: Slop oder Zukunft?“ – das gesamte Programm des 9:16® Summits gibt’s hier.
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Über den Autor: Kevin Tewe ist Gründer und CEO von ALL IN – Artist Management. Er begleitet Künstler, Persönlichkeiten und High-Income-Individuals beim Aufbau von Personal Brands, Partnerschaften und unternehmerischen Perspektiven jenseits klassischer Karrierepfade.

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