Startup & Scaling Cambridge-Aerospace-Bewertung: 300 Millionen für die Zukunft und den Unicorn Status

Cambridge-Aerospace-Bewertung: 300 Millionen für die Zukunft und den Unicorn Status

Cambridge Aerospace holt 300 Mio. Dollar und springt auf 3,4 Mrd. Bewertung. Deutschland investiert ein 100-Mrd.-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr unter anderem in große Beschaffungsvorhaben; eine exklusive Fokussierung auf Fregatten statt Drohnenabwehr lässt sich daraus nicht ableiten.

KI-unterstützt · redaktionell geprüft

Ein Start-up, das es seit weniger als zwei Jahren gibt, ist gerade mit 3,4 Mrd. Dollar bewertet worden. Cambridge Aerospace hat eine Series-C-Runde über 300 Mio. Dollar abgeschlossen, angeführt vom kalifornischen Investor DFJ Growth. Mit dabei waren laut Trendingtopics außerdem Lux Capital, Accel, Lakestar, Never Lift, Ora Global sowie Elad Gil & Co, ein Investorenkreis, der zeigt, wie breit sich das Interesse an europäischer Luftverteidigung inzwischen aufgestellt hat.

Insgesamt hat das Unternehmen laut CEO Steven Barrett seit seiner Gründung im September 2024 mehr als 630 Mio. Dollar eingesammelt. Während in London die Bewertungen explodieren, diskutiert Deutschland weiterhin über Fregatten und Panzer im 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen. Das gilt vielen Beobachtern als Symptom europäischer Wirtschaftspolitik im Verteidigungssektor.

Skyhammer als Antwort auf die Beschaffungspolitik

Das Geschäftsmodell von Cambridge Aerospace ist eine ökonomische Kampfansage an die klassische Rüstungsindustrie. Der Interceptor Skyhammer fliegt laut Hartpunkt mit rund Mach 0,7, erreicht eine Reichweite von etwa 30 Kilometern und ist auf langsamere Ziele wie Angriffsdrohnen und Marschflugkörper ausgelegt. Die Stückkosten sollen im Bereich von zehntausenden Dollar liegen, nach früheren Unternehmensangaben nur ein bis zwei Prozent des Preises konventioneller Abfangraketen. Wer eine relativ günstige Drohne mit einer deutlich teureren Abfangrakete bekämpft, kann technisch gewinnen, aber ökonomisch verlieren. Genau dieses Austauschverhältnis will das Unternehmen umdrehen, auch mit dem für 2027 geplanten Hochgeschwindigkeitssystem Starhammer, das raketengetrieben und für schnellere, höherwertige Bedrohungen bis hin zu ballistischen Flugkörpern konzipiert ist.

Parallel baut Cambridge Aerospace in Norfolk eine eigene Fertigung für Feststoffraketentriebwerke auf, einen der klassischen Engpässe der europäischen Rüstungsproduktion, wie Startbase berichtet. Aktuell produziert Cambridge Aerospace im niedrigen dreistelligen Bereich pro Monat, Ziel sind mehrere Tausend Einheiten. Damit adressiert das Unternehmen ein strukturelles Problem europäischer Luftverteidigung: kleine Stückzahlen hochkomplexer Effektoren gegen eine Bedrohungslage, die sich laut Unternehmensangaben schneller verändert als klassische Beschaffungszyklen es zulassen. Erste Aufträge gibt es bereits: Im April kündigte das britische Verteidigungsministerium auf der London Defence Conference einen Millionen-Pfund-Vertrag über Skyhammer-Interceptoren samt Startgeräten für britische Streitkräfte und Golf-Partner an, kurz darauf wurden die Systeme laut Hartpunkt erfolgreich in Jordanien getestet. Im Juli folgte die Aufnahme in das Programm LEAP, Low-Cost Effectors & Autonomous Platforms, während Gespräche mit der US-Regierung laufen.

Deutschland als Absatzmarkt, nicht als Vorreiter

Cambridge Aerospace unterhält bereits einen Entwicklungsstandort in Deutschland und will den Ausbau mit dem frischen Kapital beschleunigen, perspektivisch auch mit eigener Fertigung. Nur Harell, Geschäftsführer von Cambridge Aerospace Deutschland, erklärt: „Deutschland ist für uns nicht nur ein besonders wichtiger Absatzmarkt, sondern ein bereits bestehender Entwicklungsstandort mit beachtlichem, internationalem Talent, dessen Ausbau wir jetzt beschleunigen.“ Das Unternehmen ordnet seinen Deutschland-Ausbau in den Rahmen des Trinity-House-Abkommens und des 2025 im Kensington-Vertrag verankerten deutsch-britischen Kooperationsrahmens ein. Neben Deutschland ist Cambridge Aerospace laut Startbase auch in Polen, Norwegen, der Ukraine und Australien präsent, ein Fußabdruck, der zeigt, wie gezielt das Unternehmen entlang der europäischen Ostflanke expandiert. Rund 250 Menschen arbeiten inzwischen für Cambridge Aerospace, zwei Drittel davon in technischen und Engineering-Rollen, ergänzt um Veteranen alliierter Streitkräfte.

Das Gründungsteam ist ungewöhnlich zusammengesetzt: CEO Steven Barrett ist Regius Professor of Engineering in Cambridge und war zuvor Leiter der Luftfahrtforschung am MIT, CCO Chris Sylvan diente mehr als ein Jahrzehnt bei den Royal Marines und arbeitete anschließend beim US-Defence-Tech-Konzern Anduril, dazu kommt Seriengründer Junaid Hussain. Ex-Verteidigungsminister Grant Shapps, der dem Unternehmen als Chairman vorstand, war im Juni zurückgetreten, einen Nachfolger gibt es vorerst nicht. Während britische Start-ups binnen Monaten Milliardenbewertungen erreichen, wird in Berlin über die Verteilung des 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens der Bundeswehr diskutiert, dessen Mittel unter anderem in Beschaffungsvorhaben wie Panzer und Fregatten fließen. Die Frage, was Glasfaserdrohnen im niedrigen vierstelligen Eurobereich gegen ein gepanzertes Fahrzeug im Millionenwert ausrichten können, wird hierzulande kaum geführt, obwohl freiwillige Combat-Medics mit Fronterfahrung aus der Ukraine längst befragbar wären.

Wachstumstempo als neue Kapitalmagnet

Cambridge Aerospace hat binnen vier Monaten die Bewertung mehr als verdoppelt, im April lag die Series B noch bei 200 Mio. Dollar und 1,3 Mrd. Dollar Bewertung, angeführt von Elad Gil & Co und Spark Capital. Gegenüber der Series A im Sommer 2025, 100 Mio. Dollar bei rund 400 Mio. Dollar Bewertung, hat sich der Wert damit verachtfacht. Zum Vergleich: Helsing hat laut Startbase am 13. Juli 2026 eine Series E über 1,8 Mrd.

Dollar bei 18 Mrd. Dollar Bewertung abgeschlossen, getragen unter anderem von Dragoneer, Lightspeed, Iconiq, Goldman Sachs Alternatives, JPMorganChase und dem kanadischen Pensionsfonds CPP Investments und setzt dabei auf KI-Software für Gefechtsführung, elektronische Kampfführung und das unbemannte Kampfflugzeug CA-1. Laut Berichten schloss Quantum Systems am 2. Juli 2026 eine Series D über 1,2 Mrd. Dollar bei rund 8 Mrd. Dollar Bewertung ab, co-angeführt von Blackstone, Noteus, Airbus und Advent und weist laut Unternehmensangaben bereits rund 300 Mio. Euro Umsatz sowie zweistellige EBITDA-Margen aus.

Helsing brauchte für den Sprung in die Milliardenklasse rund drei Jahre, Quantum Systems mehr als zehn. Der europäische Defence-Tech-Markt zieht seit 2026 zunehmend Kapital von Crossover-Investoren, Private-Equity-Häusern und Pensionsfonds an, also von Geldquellen, die üblicherweise erst kurz vor einem Börsengang auftauchen. Randy Glein von DFJ Growth begründet sein Investment mit dem Drohnenproblem, Cambridge Aerospace habe ein bezahlbares und präzises Counter-UAS-System entwickelt, man habe den globalen Markt gescannt, bevor man sich für dieses Team entschieden habe. Aus London kam prompt politischer Applaus: Ein britischer Minister nannte die Bewertung einen Vertrauensbeweis für Großbritannien und verwies auf das Unicorn-Scheme der Regierung.

Business Punk Check

Die Bewertungssprünge europäischer Defence-Start-ups sind beeindruckend, aber sie sind Wetten auf zukünftige Auftragsbücher, nicht auf heutige Umsätze. Cambridge Aerospace hat sein erstes Produkt gerade erst ausgeliefert, Helsing wies für 2024 nur 26,9 Mio. Euro Umsatz aus. Was hier eingepreist wird, ist die Erwartung, dass europäische Verteidigungsbudgets endlich in Bestellungen münden. Die eigentliche Provokation liegt woanders: Während private Kapitalgeber auf günstige Massenware gegen Drohnen setzen, verteidigt Berlin weiterhin teure Einzelstück-Systeme. Für Entscheider in Mittelstand und Zulieferindustrie zeigt das eine Weichenstellung: Wer auf günstige, skalierbare Abwehrtechnik setzt, orientiert sich am Kapitalmarkt-Tempo, wer auf klassische Großgeräte-Beschaffung setzt, orientiert sich an politischen Zyklen. Beide Wege bergen Risiken, aber nur einer hat gerade eine Series C über 300 Mio. Dollar hinter sich.

Auf einen Blick

  • Cambridge Aerospace hat eine Series-C-Runde über 300 Mio. Dollar abgeschlossen und erreicht damit eine Bewertung von 3,4 Mrd. Dollar.
  • Das Unternehmen produziert mit Skyhammer ein Abfangsystem, dessen Stückkosten laut früheren Unternehmensangaben bei ein bis zwei Prozent konventioneller Abfangraketen liegen.
  • Cambridge Aerospace baut seinen Entwicklungsstandort in Deutschland aus und plant perspektivisch eigene Fertigung im Land.
  • Zeitgleich wird diskutiert, dass Deutschlands 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr unter anderem in klassische Militärtechnik wie Panzer und Fregatten fließt.

Quellen: Trendingtopics, Hartpunkt, Startbase

Das könnte dich auch interessieren