Startup & Scaling Deutschlandfond im Check: Warum Garantien allein Startups nicht groß machen

Deutschlandfond im Check: Warum Garantien allein Startups nicht groß machen

Der neue Deutschlandfonds soll mit 30 Milliarden Euro private Investitionen von 130 Milliarden Euro mobilisieren. Startup-Verband-Chefin Pausder begrüßt die Initiative, fordert aber weitergehende Maßnahmen.

Deutschland will endlich seine Investitionsschwäche überwinden. Mit dem neuen Deutschlandfonds setzt die Bundesregierung auf ein Instrument, das privates Kapital in Zukunftstechnologien lenken soll. Der Bund stellt dafür 30 Milliarden Euro bereit, um Investitionen von rund 130 Milliarden Euro anzustoßen. Besonders Startups und Scaleups sollen profitieren – doch reicht das wirklich aus?

Staatliche Risikoabsicherung statt direkter Finanzspritze

Der Deutschlandfonds funktioniert anders als klassische Staatsfonds. „Der Deutschlandfonds ist wie eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse für Investoren, damit die Jobs und Ideen von morgen hier entstehen“, erklärt Finanzminister Lars Klingbeil in einer Regierungserklärung. Das Prinzip: Der Staat übernimmt Garantien und Bürgschaften, um Investitionen in risikoreiche Zukunftstechnologien attraktiver zu machen.

Die KfW übernimmt dabei eine zentrale Rolle. „Die KfW hat eine jahrzehntelange Erfahrung im Bankgeschäft. Wir sehen uns als Treuhändler der Gelder des Steuerzahlers“, betont KfW-Chef Stefan Wintels, wie „zdfheute.de“ berichtet. Die Förderbank wird unter anderem als Co-Investor bei Startups auftreten und stellt dafür bis 2030 insgesamt eine Milliarde Euro bereit – pro Investition maximal 50 Millionen Euro.

Startup-Verband: Guter Anfang, aber nicht genug

Der Startup-Verband begrüßt die Initiative grundsätzlich, sieht aber weiteren Handlungsbedarf. „Der Fokus auf die Wachstumsphase ist richtig“, erklärt Verbandschefin Verena Pausder in einer Stellungnahme. Gleichzeitig kritisiert sie die bestehenden Finanzierungslücken bei deutschen Startups und Scaleups.

„Eigentlich stehen wir sehr gut da – wir machen es uns nur schwer“, bemängelt Pausder. Das Problem: Deutschland ist zwar stark bei Neugründungen, verliert aber beim internationalen Hochskalieren erfolgreicher Unternehmen regelmäßig den Anschluss. „Wir bauen die Rampe – und andere Länder ernten den Erfolg“, so Pausder gegenüber.

Internationale Vergleichszahlen sprechen eine deutliche Sprache

Die Zahlen bestätigen diese Einschätzung. Während in den USA 2024 rund 510 Euro pro Kopf in Startups investiert wurden, waren es in Frankreich 108 Euro und in Deutschland lediglich 90 Euro, wie „Business Insider“ berichtet.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt Deutschland damit international nur im Mittelfeld. Der Startup-Verband fordert daher eine stärkere Mobilisierung institutioneller Investoren. Mit der WIN-Initiative sollen bis 2030 bis zu 25 Milliarden Euro privates Kapital für Startups und Scaleups aktiviert werden, wie „Business Insider“ schreibt.

Fokus auf Wachstumsphase und Deep-Tech

Positiv bewertet der Verband, dass der Deutschlandfonds gezielt Instrumente für die Wachstumsphase vorsieht. Dazu gehören Programme wie „Scaleup Direct“ sowie sogenannte First-of-a-Kind-Finanzierungen für Deep-Tech-Unternehmen.

Diese seien entscheidend, um neue Technologien erstmals in die industrielle Anwendung zu bringen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche betont laut „bundesfinanzministerium.de“: „Entscheidend ist, privates Kapital gezielt dorthin zu lenken, wo Innovation entsteht, wo wir unsere Lieferketten resilienter aufstellen und Deutschland zukunftsfähig machen können.“.

Kritik: Strukturelle Probleme bleiben ungelöst

Experten sehen den Deutschlandfonds als wichtigen, aber nicht ausreichenden Schritt. Der Fonds entlasse die Bundesregierung nicht aus der Pflicht, „zu deregulieren, die Bürokratie abzubauen, die öffentliche Infrastruktur zu verbessern und sowohl planbare als auch verlässliche Rahmenbedingungen für eine Energiewende zu schaffen“, mahnt Oliver Falck vom ifo Institut.

Business Punk Check

Der Deutschlandfonds ist ein typisches Beispiel für deutsche Wirtschaftspolitik: gut gemeint, aber zu zaghaft. Die 30 Milliarden Euro Risikoabsicherung sind ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, dass allein die USA pro Kopf mehr als fünfmal so viel in Startups investieren wie Deutschland. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Deutschland hat kein Geldproblem, sondern ein Mentalitätsproblem.

Während Pausders Kritik berechtigt ist, fehlt es an radikalen Lösungen für den Standort. Solange Gründer weiterhin durch Bürokratie ausgebremst werden und institutionelle Investoren lieber in Immobilien als in Zukunftstechnologien investieren, wird auch der Deutschlandfonds die strukturelle Innovationsschwäche nicht beheben. Was Deutschland wirklich braucht, ist ein kompletter Kulturwandel – weg vom Sicherheitsdenken, hin zu mehr Risikobereitschaft.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum reicht der Deutschlandfonds für Startups nicht aus?
    Der Fonds adressiert zwar die Risikoabsicherung, löst aber nicht die strukturellen Probleme wie Bürokratie und mangelnde Investitionskultur. Deutschland investiert pro Kopf nur 90 Euro in Startups, während es in den USA 510 Euro sind – diese Lücke schließt der Fonds nicht.
  • Welche konkreten Maßnahmen brauchen deutsche Startups über den Deutschlandfonds hinaus?
    Neben Risikokapital benötigen Startups vor allem Bürokratieabbau, steuerliche Anreize für Investoren, flexible Arbeitsgesetze und einen besseren Zugang zu institutionellem Kapital. Die WIN-Initiative mit 25 Milliarden Euro Zielvolumen ist hier ein wichtiger ergänzender Ansatz.
  • Welche Branchen profitieren am meisten vom Deutschlandfonds?
    Am stärksten werden Deep-Tech, Verteidigungstechnologie, KI und Biotech gefördert. Besonders Unternehmen in der Wachstumsphase (Scaleups) sollen von den First-of-a-Kind-Finanzierungen profitieren, um ihre Technologien zur Marktreife zu bringen.
  • Wie können Mittelständler vom Deutschlandfonds profitieren?
    Mittelständische Unternehmen erhalten über das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien bessere Kreditkonditionen für Investitionen in neue Technologien und Produktionsanlagen, besonders in den Bereichen Energiewende und Digitalisierung.
  • Was bedeutet der Deutschlandfonds für den Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Vergleich?
    Der Fonds ist ein erster Schritt, um die Investitionslücke zu schließen, reicht aber nicht aus, um mit führenden Innovationsstandorten wie den USA gleichzuziehen. Entscheidend wird sein, ob Deutschland die Rahmenbedingungen für Innovation grundlegend verbessert.

Quellen: „Business Insider“, „bundesfinanzministerium.de“, „zdfheute.de“

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