Startup & Scaling Flink kassiert 100 Mio. – während Gorillas & Getir verglühen

Flink kassiert 100 Mio. – während Gorillas & Getir verglühen

Während Gorillas und Getir mit 800 Mio. Dollar Verlusten untergehen, sichert sich Flink frisches Kapital und nähert sich wieder der Einhorn-Bewertung. Das Geheimnis: operative Disziplin statt Wachstumswahn.

Flink holt sich 100 Millionen Dollar und steht kurz davor, wieder als Einhorn durchzustarten. Während Konkurrenten wie Gorillas und Getir mit Milliarden-Verlusten vom Markt verschwinden, zeigt das Berliner Unternehmen, wie Quick Commerce profitabel funktioniert. Die Finanzierungsrunde unter Führung von Prosus und dem neuen Investor Btomorrow Ventures bringt Flink laut Handelsblatt auf eine Bewertung von 900 Millionen Dollar. Den Einhorn-Status hatte das Startup 2024 verloren, als nach der Pandemie die Risikokapital-Quellen versiegten.

Profitabilität als neues Mantra

Zwei Jahre Optimierung zahlen sich aus: Flink arbeitet auf EBITDA-Ebene profitabel. CEO Julian Dames macht klar, dass Quick Commerce nur mit operativer Disziplin funktioniere. Der durchschnittliche Warenkorbwert liegt bei über 45 Euro, die Lieferzeit bei rund 30 Minuten.

Das Geschäftsmodell zielt auf hochwertige Ergänzungseinkäufe ab – keine Impulskäufe, sondern echte Bedarfsdeckung. Mit 160 Hubs in Deutschland und den Niederlanden erreicht Flink über 22,5 Millionen Menschen. Jeder Hub führt etwa 3.000 Produkte und bedient lokale Kundenpräferenzen.

Expansion nur nach Zahlen

Für 2026 plant Flink neue Hubs in ausgewählten deutschen Regionen. Aber nur dort, wo strenge Profitabilitäts- und Dichtekriterien erfüllt sind. Keine Expansion um jeden Preis mehr – das unterscheidet Flink fundamental von den gescheiterten Konkurrenten.

Die Online-Durchdringung im deutschen Lebensmittelhandel liegt bei mageren 3,5 Prozent, in den Niederlanden bei 6,0 Prozent. Zum Vergleich: Großbritannien kommt auf 14 Prozent. Jeder Prozentpunkt Verschiebung bedeutet Milliarden Euro Marktpotenzial, so Trendingtopics.

Marktbereinigung mit Ansage

Der Quick-Commerce-Markt hat eine brutale Konsolidierung hinter sich. Getir übernahm 2023 Gorillas für 1,2 Milliarden Dollar – und verbrannte trotzdem 800 Millionen Dollar Verlust im selben Jahr. Beide zogen sich im April 2024 komplett aus Deutschland zurück.

Getir landete schließlich bei Uber. Flink steht jetzt relativ allein da in seinen Kernmärkten. Das Unternehmen beschäftigt über 10.000 Mitarbeiter und zählt neben Prosus auch REWE zu seinen strategischen Investoren.

Business Punk Check

Die Quick-Commerce-Branche hat ihre Lektion gelernt – auf die harte Tour. Während Gorillas und Getir Milliarden verbrannten, bewies Flink, dass profitables Wachstum möglich ist. Aber seien wir ehrlich: Eine 900-Millionen-Bewertung bei 100 Millionen frischem Kapital ist kein Triumph, sondern eine Normalisierung nach dem Hype-Kater. Die wirkliche Frage lautet: Kann Flink den deutschen Markt mit seinen 3,5 Prozent Online-Durchdringung nachhaltig erschließen? Die Zahlen zeigen Potenzial, aber auch die Grenzen. Ein Warenkorbwert von 45 Euro ist solide, keine Sensation.

Die selektive Expansion klingt vernünftig – aber auch defensiv. Flink hat überlebt, weil die Konkurrenz implodierte, nicht weil das Geschäftsmodell revolutionär wäre. Für Investoren bedeutet das: Solides Geschäft mit überschaubarem Risiko, aber keine Mondrakete mehr. Die Konsolidierung hat den Markt bereinigt, jetzt beginnt das Geschäft der kleinen Schritte. Wer auf schnelle Exits hofft, ist hier falsch. Wer auf langfristigen Marktaufbau setzt, könnte richtig liegen.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Flink profitabel, während Gorillas und Getir gescheitert sind?

Flink setzte nach der Pandemie konsequent auf operative Disziplin statt blindes Wachstum. Während Getir 800 Millionen Dollar Verlust machte, optimierte Flink zwei Jahre lang Stückökonomie und Kostenstrukturen. Die Expansion erfolgt nur in Gebieten mit nachgewiesener Profitabilität – keine Verbrennungsmentalität mehr.

Welches Potenzial hat der deutsche Quick-Commerce-Markt wirklich?

Deutschland liegt mit 3,5 Prozent Online-Durchdringung im Lebensmittelhandel weit hinter Großbritannien mit 14 Prozent. Jeder Prozentpunkt Verschiebung bedeutet Milliarden Euro Marktvolumen. Aber: Der deutsche Markt ist konservativ, und die niedrige Durchdringung hat Gründe – Discounter-Dichte, Preissensibilität, etablierte Einkaufsgewohnheiten.

Ist die 900-Millionen-Bewertung gerechtfertigt?

Die Bewertung liegt deutlich unter dem früheren Einhorn-Status und spiegelt die Marktbereinigung wider. Mit EBITDA-Profitabilität, 160 Hubs und über 10.000 Mitarbeitern ist Flink solide aufgestellt. Aber spektakulär ist das nicht – eher eine realistische Einschätzung eines funktionierenden, aber nicht hyperwachsenden Geschäftsmodells.

Was bedeutet die Marktkonsolidierung für neue Quick-Commerce-Startups?

Der Markteintritt ist jetzt deutlich schwieriger. Flink hat nach dem Rückzug von Gorillas und Getir freie Bahn in Deutschland und den Niederlanden. Neue Player brauchen entweder ein radikal anderes Modell oder massive Kapitalreserven. Die Zeit der schnellen VC-Finanzierung für Lebensmittel-Lieferdienste ist vorbei – Investoren fordern Profitabilität von Tag eins.

Sollten Mittelständler jetzt in Quick Commerce investieren?

Für etablierte Händler wie REWE, die bereits bei Flink investiert sind, macht die Partnerschaft Sinn. Reine Mittelständler ohne E-Commerce-Infrastruktur sollten vorsichtig sein: Die Margen sind dünn, die Logistik komplex, und die Kundenbindung schwach. Besser auf Kooperationen setzen statt eigene Plattformen aufbauen.

Quellen: Handelsblatt, Trendingtopics

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