Startup & Scaling HyImpulse-Finanzierung: 350 Millionen Auftragsbuch und das warten auf den Orbitalflug

HyImpulse-Finanzierung: 350 Millionen Auftragsbuch und das warten auf den Orbitalflug

HyImpulse sammelt über 50 Mio. Euro ein, die Europas Raketen-Abhängigkeit von SpaceX verringern sollen. Das Auftragsbuch von 350 Mio. Euro klingt gut, der erste Orbitalflug fehlt noch.

Wer heute einen Satelliten ins All schießen will, bucht meist einen Platz bei SpaceX und richtet sich nach dessen Terminplan. Genau diese Abhängigkeit will HyImpulse aus Heilbronn aufbrechen.

Das Unternehmen hat in einer Erweiterung seiner Series-A-Runde mehr als 50 Mio. Euro Eigenkapital eingesammelt, geführt von JOIN Capital und Ace Capital Partners.

Frisches Geld für zwei Raketen

Neben den Lead-Investoren beteiligten sich North Ventures, BW-Capital, Bayern Kapital und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt an der Runde. Auch Campus Founders Ventures soll nach anderen Medienberichten mit an Bord sein, Trendingtopics selbst erwähnt das Investment in den vorliegenden Artikeln allerdings nicht ausdrücklich. Nach Unternehmensangaben summiert sich die Gesamtfinanzierung aus Eigenkapital und öffentlicher Förderung damit auf über 125 Mio. Euro. Dazu kommt ein Auftragsbestand von mehr als 350 Mio. Euro, wie Trendingtopics berichtet. Das Geld soll zwei Produkte voranbringen: die suborbitale SR75 und die orbitale SL1.

Die einstufige SR75 ist eine Hybridraketen mit Antrieb aus Paraffin und flüssigem Sauerstoff und kann laut Unternehmensangaben Nutzlasten von bis zu 250 Kilogramm auf rund 200 Kilometer Höhe bringen. Ihren ersten Start absolvierte die SR75 bereits im Mai 2024 vom Koonibba Test Range in Südaustralien, ein Testflug, der die Hybridantriebstechnologie für die spätere SL1 validieren sollte.

Bis Ende 2026 ist nun ein weiterer SR75-Start vom schottischen Weltraumbahnhof SaxaVord geplant, es wäre der erste Start des Unternehmens auf europäischem Boden. Nach früheren Angaben soll es sich dabei bereits um einen kommerziellen Flug mit zahlenden Kunden handeln, nicht nur um einen weiteren Technologietest. Die SL1 ist dagegen dreistufig ausgelegt und soll in ihrer ersten Version bis zu 600 Kilogramm Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn transportieren. Sie soll nach dem SR75-Start in Schottland ihren Erstflug absolvieren, einen konkreten Termin nennt HyImpulse dafür bislang nicht. Genau in dieser zeitlichen Lücke zwischen Ankündigung und tatsächlichem Orbitalflug liegt das eigentliche Risiko der Wette, die Investoren mit der aktuellen Finanzierung eingehen.

Das eigentliche Geschäftsmodell heißt Unabhängigkeit

Die Zahlen sind nur die halbe Geschichte. Der interessantere Teil ist die geopolitische Logik dahinter. SpaceX hat mit der Falcon 9 und dem Rideshare-Modell die Startpreise massiv gedrückt und riesige Kapazitäten geschaffen. Das klingt nach einem Vorteil für jeden Satellitenbetreiber, erzeugt aber eine neue Abhängigkeit: Starttermin, Umlaufbahn und Missionsprofil richten sich nach der Hauptnutzlast und dem Takt eines US-Anbieters. Für europäische Sicherheitsbehörden, Verteidigungsministerien und Unternehmen mit speziellen Anforderungen ist das ein Problem, kein Komfortmerkmal.

Wer eine bestimmte Umlaufbahn oder kurzfristige Verfügbarkeit braucht, findet bei Sammelstarts selten das passende Zeitfenster. Ein eigener Start eines dedizierten Anbieters lässt sich dagegen exakt auf die Bedürfnisse einer einzigen Nutzlast zuschneiden, das ist der Kern des Versprechens, mit dem HyImpulse um Kunden wirbt. Steigende Verteidigungsausgaben und geopolitische Spannungen in Europa verschärfen diesen Bedarf zusätzlich, weshalb ein europäischer Anbieter mit flexiblen Startzeiten strategisch relevant wird, nicht nur wirtschaftlich. Genau deshalb sitzt mit dem DLR auch eine staatliche Institution am Tisch der Investoren, ein Signal, dass es hier nicht nur um privates Risikokapital geht, sondern um industriepolitisches Interesse.

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