Startup & Scaling Warum Deutschlands DeepTech-Startups im Valley of Death verrecken

Warum Deutschlands DeepTech-Startups im Valley of Death verrecken

Deutsche DeepTech-Startups haben Weltklasse-Technologien und kompetente Teams – aber kein passendes Kapital. Die strukturelle Finanzierungslücke zwischen Forschung und Scale-up tötet Innovation, während die Wertschöpfung ins Ausland wandert.

Die Ironie ist bitter: Deutschland forscht auf Weltniveau, produziert bahnbrechende DeepTech-Innovationen – und schaut dann zu, wie andere Länder daraus Milliarden-Unternehmen machen. Der Grund ist nicht mangelnder Forschungsgeist oder fehlendes Know-how. Es ist schlicht Geld. Oder besser: das falsche Geld zur falschen Zeit. Die Zahlen sind eindeutig.

Nach KfW-Daten fiel das in Deutschland investierte Wagniskapital von einem Höchststand von rund 18,9 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf etwa 7,1 Milliarden Euro im Jahr 2023, wie ein aktuelles Whitepaper zeigt. Während europäische DeepTech-Startups in fortgeschrittenen Finanzierungsrunden im Median 5,8 Millionen Euro einsammeln, bekommen ihre US-Konkurrenten 13,7 Millionen Euro. Das ist mehr als doppelt so viel – für dieselbe Entwicklungsphase.

Wenn die Brücke zur Skalierung fehlt

Das eigentliche Drama spielt sich in einer Zone ab, die Experten zynisch „Valley of Death“ nennen. Die erste Förderung? Ideen und Prototypen? Existieren. Aber der Sprung vom funktionierenden Prototyp zur industriellen Produktion scheitert an einer strukturellen Finanzierungslücke.

Wie OMR berichtet, klafft genau zwischen erster Förderung und echtem Scale-up eine Lücke, die viele Startups nicht überwinden können. In der Praxis zeigt sich laut deutsche-startups ein wiederkehrendes Muster: „Eine Technologie, die funktioniert. Ein Team, das liefern kann. Aber kein Kapital, das zur Realität dieser Technologie passt.“ Das Problem ist nicht fehlendes Geld an sich – zwei Drittel des in deutsche Startups investierten Kapitals stammen bereits aus dem Ausland. Das Problem ist die falsche Logik hinter dem Geld.

Venture Capital denkt Software, nicht Hardware

Klassisches Venture Capital funktioniert nach Software-Regeln: schnelle Iteration, messbare Metriken, kurze Zyklen. DeepTech hingegen braucht Jahre für Entwicklung, Prototypenbau und Produktionsinfrastruktur. Die entscheidenden Fragen sind nicht „Wächst die Nutzerzahl?“, sondern „Funktioniert die Technologie unter industriellen Bedingungen?“ – Fragen, die sich nicht mit Standard-VC-Metriken beantworten lassen. Was DeepTech-Gründer in der Frühphase bräuchten, sind Investoren mit tiefem Technologieverständnis, Marktkenntnissen in relevanten Industrien und der Bereitschaft, die Lead-Rolle zu übernehmen, bevor klassische Signale wie Umsatz existieren. Genau diese Investoren fehlen in Europa systematisch.

Das Ergebnis: Startups mit funktionierender Technologie und echtem Marktpotenzial finden keine erste Runde – nicht weil Team oder Tech nicht überzeugen, sondern weil kaum jemand da ist, der sie einschätzen kann. Die Folgen sind messbar. Laut Founders Foundation fallen 10 Prozent der DeepTech-Startups aus der deutschen Startup-Zählung, weil sie Vertrieb oder Standort ins Ausland verlagern. Die Forschung passiert in München oder Berlin, die Wertschöpfung in Boston oder Shenzhen.

Business Punk Check

Die deutsche Politik feiert gern Forschungsexzellenz und Innovationsgeist – aber solange Förderung fast ausschließlich auf Publikationen statt Ausgründungen ausgerichtet ist, bleibt das Heuchelei. Institutionen wie SPRIND leisten Pionierarbeit, der Zukunftsfonds des Bundes soll Lücken schließen. Aber die Grundlogik stimmt nicht: Wissenschaftler, die gründen wollen, riskieren ihre Karriere. Tech-Transfer-Offices sprechen eine andere Sprache als VCs. Und deutsche Investoren fehlt oft schlicht das technologische Tiefenwissen für DeepTech-Deals. Die Chance ist da – aber nicht ewig.

Europa hat die Forschungsbasis, das Ingenieurwissen, die industrielle Tradition. Was fehlt, ist eine Finanzierungsinfrastruktur, die zur technologischen Realität passt. Wer jetzt nicht handelt – Investoren wie Politik –, wird später zusehen, wie andere Kontinente aus deutscher Forschung Milliarden-Exits bauen. Die Technologien sind da. Es wäre an der Zeit, sie auch hier groß zu machen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das „Valley of Death“ bei Startups?

Das Valley of Death bezeichnet die kritische Phase zwischen erster Förderung und echtem Scale-up. Viele DeepTech-Startups scheitern hier, weil Kapital für Prototypenbau und Produktionsaufbau fehlt – trotz funktionierender Technologie und kompetenter Teams.

Warum passt klassisches Venture Capital nicht zu DeepTech?

Venture Capital ist auf Software-Modelle optimiert: schnelle Iteration, messbare Metriken, kurze Zyklen. DeepTech braucht Jahre für Entwicklung und industrielle Skalierung. Die Risiken sind technologischer, nicht marktbezogener Natur – das erfordert andere Bewertungslogiken und längere Investmenthorizonte.

Wie groß ist die Finanzierungslücke in Deutschland?

Deutsche DeepTech-Startups erhalten in fortgeschrittenen Finanzierungsrunden im Median 5,8 Millionen Euro, US-Konkurrenten 13,7 Millionen. Das deutsche Wagniskapitalvolumen fiel von rund 18,9 Milliarden Euro (2021) auf 7,1 Milliarden Euro (2023). Zwei Drittel des Kapitals stammen bereits aus dem Ausland.

Was müsste sich ändern, damit DeepTech in Deutschland funktioniert?

Förderung sollte Ausgründungen statt nur Publikationen belohnen. Wissenschaftler brauchen Arbeitsplatzsicherheit beim Gründungsversuch. Tech-Transfer-Offices müssen VC-Logik verstehen. Und Deutschland braucht mehr spezialisierte Investoren mit Technologieverständnis, die früh einsteigen und Lead-Rollen übernehmen.

Quellen: deutsche-startups, OMR, Unternehmertum, Founders Foundation, Bundesfinanzministerium, Joachim-Herz-Stiftung

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