Tech & Trends Amazon kauft Globalstar – und bleibt trotzdem Lichtjahre hinter Musk

Amazon kauft Globalstar – und bleibt trotzdem Lichtjahre hinter Musk

Amazon greift für 11,57 Milliarden Dollar nach Globalstar. Das Ziel: Elon Musks Starlink endlich Paroli bieten. Doch die Rechnung hat einen Haken – der Rückstand bleibt gigantisch.

Jeff Bezos‘ Konzern legt 11,57 Milliarden Dollar auf den Tisch, um Globalstar zu schlucken. Der Deal soll Amazons Satellitengeschäft Leo auf Touren bringen und den Abstand zu Elon Musks Starlink verringern. Klingt nach einem klassischen Bezos-Move – groß, teuer, ehrgeizig.

Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Der Aufholprozess wird verdammt lang. Während Amazon aktuell gerade mal 210 Satelliten im Orbit hat, kreisen bei Starlink bereits über 10.000 aktive Trabanten um die Erde. Globalstar bringt weitere 88 Satelliten mit – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Frequenzen sind der eigentliche Schatz

Was Amazon wirklich interessiert, sind nicht die paar Dutzend zusätzlichen Satelliten. Der wahre Wert liegt in den Frequenzrechten, die Globalstar besitzt. Diese ermöglichen Satellitenkommunikation direkt auf Endgeräten – ohne zusätzliche Hardware. Genau diese Technologie nutzt bereits Apple: iPhones können in Gegenden ohne Netzempfang über Globalstar Notrufe absetzen. Amazon verspricht laut Handelsblatt, dass diese Partnerschaft auch nach der Übernahme bestehen bleibt.

Kluger Schachzug – denn Apple als Referenzkunde öffnet Türen zu weiteren Smartphone-Herstellern. Zusätzlich verfügt Globalstar über ein globales Netz von Bodenstationen, die die Kommunikation ins All koordinieren. Diese Infrastruktur ist bereits vorhanden und funktioniert – ein entscheidender Vorteil gegenüber einem kompletten Neuaufbau. Amazon kann damit schneller in den Markt einsteigen, als wenn der Konzern alles selbst entwickeln müsste.

Bis 2029 sollen 3200 Satelliten fliegen

Amazons Plan ist ambitioniert: Bis 2029 will der Konzern 3200 Satelliten unter dem Namen Leo in die Umlaufbahn bringen. Das Projekt, ursprünglich als Kuiper gestartet, soll Sprach- und Datenverbindungen weltweit ermöglichen – ähnlich wie Starlink. Doch während Musk bereits heute einen funktionierenden Service mit Millionen Nutzern betreibt, steht Amazon noch am Anfang. Die Globalstar-Aktionäre bekommen für ihre Anteile entweder 90 Dollar in bar oder 0,321 Amazon-Aktien.

Das entspricht einer Prämie von 117 Prozent gegenüber dem Kurs von Ende Oktober, bevor Übernahmegerüchte die Runde machten. Interessant: In den vergangenen zwölf Monaten war die Globalstar-Aktie bereits um 270 Prozent gestiegen – offenbar hatten Investoren den Deal längst gewittert. Rund 58 Prozent der Aktionäre haben das Angebot laut n-tv bereits angenommen. Der Abschluss ist für das kommende Jahr geplant, vorbehaltlich der Genehmigung durch US-Behörden.

Bezos spielt auf zwei Hochzeiten

Parallel zu Amazon baut Jeff Bezos mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin ein weiteres Satellitennetz auf. TeraWave soll ab 2027 mit über 5000 Satelliten ein Hochgeschwindigkeitsnetz für Geschäftskunden bereitstellen – mit Datenraten von bis zu sechs Terabit pro Sekunde. Damit positioniert sich Bezos gleich doppelt gegen Musk: einmal mit Amazon für Endverbraucher, einmal mit Blue Origin für B2B-Kunden. Die Strategie ist klar – wer den Weltraum kontrolliert, kontrolliert die Zukunft der Konnektivität.

Satellitenkommunikation wird zunehmend strategisch relevant. Starlink spielt im Ukraine-Krieg eine zentrale Rolle, die Deutsche Telekom kooperiert mit SpaceX für ländliche Regionen, Europa plant mit Iris² ein eigenes Netzwerk. Der Markt wächst rasant – und Amazon will nicht zusehen, wie Musk allein kassiert. Mit 11,57 Milliarden Dollar ist Globalstar eine der größten Akquisitionen in der Amazon-Geschichte, vergleichbar mit dem Whole-Foods-Deal 2017 für 13,7 Milliarden Dollar.

Business Punk Check

Amazons Globalstar-Kauf ist teuer, strategisch sinnvoll – aber kein Gamechanger. Die harte Wahrheit: Selbst mit den zusätzlichen Satelliten und Frequenzrechten bleibt der Abstand zu Starlink enorm. Musks Netzwerk ist operativ, profitabel und steuert 50 bis 80 Prozent zum Umsatz von SpaceX bei. Amazon dagegen muss erst beweisen, dass Leo überhaupt funktioniert. Der Vorteil liegt in den Frequenzen und der Apple-Partnerschaft – das könnte Amazon schneller skalieren lassen als erwartet.

Doch bis 2029 wird Musk längst weiter sein. Die eigentliche Frage: Kann Amazon genug Kunden gewinnen, bevor der Markt zwischen Starlink, TeraWave und Iris² aufgeteilt ist? Wer jetzt auf Amazon setzt, wettet auf den langen Atem eines Konzerns, der es gewohnt ist, Jahre auf Profitabilität zu warten. Für Early Adopters bleibt Starlink die sichere Wahl – Amazons Leo ist ein Langzeitprojekt mit offenem Ausgang.

Häufig gestellte Fragen

Warum kauft Amazon Globalstar für fast 12 Milliarden Dollar?

Amazon sichert sich mit Globalstar vor allem wertvolle Frequenzrechte, die Satellitenkommunikation direkt auf Endgeräten ohne zusätzliche Hardware ermöglichen. Diese Technologie nutzt bereits Apple für Notrufe in Gebieten ohne Netzempfang. Zusätzlich erhält Amazon ein funktionierendes Netzwerk aus Bodenstationen und 88 aktiven Satelliten. Der Deal beschleunigt Amazons Einstieg in den Markt für Satelliteninternet erheblich, auch wenn der Rückstand zu Starlink weiterhin massiv bleibt.

Kann Amazon mit Leo wirklich gegen Starlink bestehen?

Realistisch betrachtet: nicht in den nächsten Jahren. Starlink betreibt bereits über 10.000 aktive Satelliten und hat Millionen zahlende Kunden weltweit. Amazon plant bis 2029 rund 3200 Satelliten – selbst dann wäre das Netzwerk deutlich kleiner. Der Vorteil von Amazon liegt in den Frequenzrechten und der potenziellen Integration in bestehende Services wie AWS oder Amazon-Geräte. Langfristig könnte Amazon eine relevante Alternative werden, kurzfristig bleibt Starlink der unangefochtene Marktführer.

Welche Rolle spielt die Apple-Partnerschaft für Amazon?

Die bestehende Kooperation zwischen Globalstar und Apple ist strategisch wertvoll. Sie beweist, dass die Technologie funktioniert und bereits in Millionen Geräten verbaut ist. Amazon verspricht, diese Partnerschaft fortzuführen – ein kluger Schachzug, um Vertrauen bei weiteren Smartphone-Herstellern aufzubauen. Wenn Amazon die Technologie auf andere Endgeräte ausweiten kann, entsteht ein echter Wettbewerbsvorteil gegenüber Starlink, das bisher auf externe Empfänger angewiesen ist.

Was bedeutet Jeff Bezos‘ TeraWave-Projekt für die Satelliten-Strategie?

Bezos spielt auf zwei Hochzeiten: Amazon Leo zielt auf Endverbraucher, Blue Origins TeraWave auf Geschäftskunden mit Hochgeschwindigkeitsverbindungen bis zu sechs Terabit pro Sekunde. Ab 2027 sollen über 5000 TeraWave-Satelliten starten. Diese Doppelstrategie zeigt, dass Bezos den Satellitenmarkt als langfristiges Geschäftsfeld sieht – sowohl B2C als auch B2B. Die Frage ist, ob er genug Kapital und Fokus hat, um beide Projekte parallel gegen Starlink durchzusetzen.

Lohnt sich eine Investition in Satellitenkommunikation jetzt noch?

Der Markt wächst rasant – militärische Nutzung, ländliche Versorgung und Notfallkommunikation treiben die Nachfrage. Starlink ist profitabel, Europa baut Iris² auf, Amazon und Blue Origin steigen ein. Für Investoren bedeutet das: Der Kuchen wird größer, aber auch härter umkämpft. Wer auf Amazon setzt, braucht Geduld – Profitabilität ist Jahre entfernt. Wer auf SpaceX spekuliert, wartet auf den angekündigten Mega-Börsengang. Kurzfristig bleibt Starlink die sichere Wahl, langfristig könnte Amazon überraschen – wenn der Konzern durchhält.

Quellen: Spiegel, n-tv, Handelsblatt

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