Tech & Trends Anthropic-Chef fordert Grundeinkommen – weil KI Jobs frisst

Anthropic-Chef fordert Grundeinkommen – weil KI Jobs frisst

Regulierung wie in der Luftfahrt

Anthropic, 2021 als Abspaltung von OpenAI gegründet, positioniert sich als Verfechter kontrollierbarer KI-Systeme. Mitgründer Christopher Olah trat kürzlich im Vatikan auf und schloss sich der Forderung von Papst Leo XIV. nach mehr Ethik in der KI-Entwicklung an. Amodeis neuer Plan sieht vor, dass Regierungen KI-Modelle blockieren können, wenn diese ein erhebliches Risiko für katastrophale Schäden darstellen. Die Vorschriften sollen so streng sein wie jene der US-Luftfahrtbehörde FAA. Ein bemerkenswerter Vorstoß für einen CEO, dessen Unternehmen selbst hochleistungsfähige KI-Modelle entwickelt.

Die ROI-Lüge der KI-Entlassungen

Doch die Rechnung geht nicht auf: Eine Gartner-Analyse zeigt, dass 80 Prozent der Unternehmen, die KI-Agenten einführen, Personal abbauen – ohne dass sich die Rendite der KI-Investitionen automatisch verbessert. Cloudflare, BILL, Upwork, Ticketmaster, Coinbase, PayPal: Sie alle kürzen im Namen der KI-Transformation, doch der versprochene Effizienzgewinn bleibt oft aus. In Deutschland sind laut OECD rund 14 Prozent der Jobs einem hohen Automatisierungsrisiko ausgesetzt – etwa 5,5 Millionen Stellen. Branchen wie Unternehmensdienstleistungen, Lagerei oder öffentliche Verwaltung rechnen mit Rückgängen, während IT, Erziehung und Gastgewerbe wachsen sollen.

Business Punk Check

Amodeis Vorschläge klingen nach Silicon-Valley-Utopie, treffen aber einen Nerv: Die KI-Transformation läuft längst, doch Politik und Gesellschaft reagieren im Schneckentempo. Ein bedingungsloses Grundeinkommen durch KI-Steuern? Theoretisch elegant, praktisch ein regulatorischer Albtraum. Welche Regierung besteuert Google, Microsoft oder Anthropic effektiv, wenn diese ihre Gewinne global verschieben? Und wer definiert, wann ein KI-Modell „katastrophale Schäden“ verursacht? Die FAA-Analogie hinkt: Flugzeuge stürzen ab oder nicht, KI-Schäden sind diffus, schleichend, schwer messbar.

Die harte Wahrheit: Unternehmen entlassen nicht, weil KI besser funktioniert, sondern weil Investoren es erwarten. Die Gartner-Daten entlarven das Narrativ – 80 Prozent kürzen Personal, ohne dass sich der ROI verbessert. Cloudflares Begründung ist PR-Sprech für Kostensenkung. Amodei hat recht mit der Diagnose, aber seine Lösungen setzen auf staatliche Handlungsfähigkeit, die nirgendwo existiert. Deutschland verliert bis 2040 vielleicht 800.000 Jobs, gewinnt aber ebenso viele neue – das klingt nach Nullsummenspiel, ignoriert aber die Millionen, die umschulen, umziehen oder abgehängt werden. Die eigentliche Frage: Wer zahlt für diese Transformation? Amodeis Antwort: die KI-Konzerne. Die Realität: Steuerschlupflöcher, Lobbying, Verzögerung. Bis Regierungen handeln, haben Algorithmen längst Fakten geschaffen.

Quellen: t3n, Deutschlandfunk, Beincrypto, Stellenmarkt, Reichweite-akademie, Netzwoche, Youtube, Quellcoder, tagesschau

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