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Deutsche KI-Souveränität bröckelt: Cohere übernimmt Aleph Alpha

Aidan Gomez, Co-Founder und CEO von Cohere
picture alliance / Flashpic | Jens Krick Aidan Gomez, Co-Founder und CEO von Cohere
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Aleph Alpha gehört jetzt mehrheitlich Cohere. Die deutsche KI-Hoffnung firmiert weltweit unter kanadischem Namen. Heidelberg wird „Tech Hub“, Berlin Nebenzentrale. Souveränität sieht anders aus.

Mit 90 Prozent an einem neuen Unternehmen ist man Mehrheitseigentümer, nicht Partner auf Augenhöhe. Genau diese Aufteilung steht jetzt hinter der Übernahme des deutschen KI-Start-ups Aleph Alpha durch den kanadischen Wettbewerber Cohere, wie FAZ berichtet. Die Fusionsvereinbarung ist unterzeichnet, verkündet am Mittwoch auf der KI-Konferenz All In in Montreal. „Wir bauen einen deutsch-kanadischen KI-Champion für die Welt“, sagte Cohere-Gründer Aidan Gomez laut FAZ.

Es sei wichtig, dass Deutschland und Kanada die Kontrolle über eine Technologie behielten, die wahrscheinlich „die wichtigste Technologie des Jahrhunderts“ sei. Nach außen tritt das Unternehmen künftig weltweit nur noch als Cohere auf. Heidelberg bleibt als Standort erhalten, firmiert aber als „Tech Hub“. Berlin wird neben Toronto zur zweiten Zentrale. Angekündigt hatten Cohere und Aleph Alpha ihren Zusammenschluss bereits im April, damals im Beisein von Digitalminister Wildberger und seinem kanadischen Amtskollegen Evan Solomon. Bis zur unterschriftsreifen Einigung folgten laut FAZ harte Verhandlungen, obwohl die Kräfteverhältnisse mit 90 Prozent für Cohere von Anfang an klar waren.

Wer wirklich das Sagen hat

Die Rollenverteilung nach der Fusion macht die Kräfteverhältnisse deutlich. Aleph-Alpha-Mitgründer Samuel Weinbach übernimmt die Forschungsabteilung, Ko-Chef Ilhan Scheer das operative Geschäft. Insgesamt soll Cohere nach der Übernahme mehr als 1000 Mitarbeitende beschäftigen. Die Transaktion steht laut FAZ noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, die Cohere bis Jahresende erwartet. Aleph Alpha war 2019 gegründet worden und galt nach dem ChatGPT-Erscheinen 2022 als deutsche Antwort auf amerikanische KI-Labore.

Die hochgesteckten Erwartungen konnte das Start-up technisch nicht erfüllen, mit dem Tempo der großen Konkurrenz konnte es nicht mithalten. Das Unternehmen verlagerte seinen Fokus daraufhin von KI-Grundlagenmodellen auf dem neuesten Stand der Technik hin zu einer Orchestrierungsplattform und branchenspezifischen Anwendungen. Intern kam es zu Führungswechseln und Unruhe.

Mitgründer Jonas Andrulis bekam im vergangenen Sommer mit Reto Spörri zunächst einen Co-Chef zur Seite gestellt, der sich zuvor bei Investor Schwarz-Gruppe einen Namen gemacht hatte. Später kehrte Ilhan Scheer aus den USA zurück, zunächst als „Chief Growth Officer“, um im kriselnden Start-up aufzuräumen. Nach nur zwei Monaten übernahm er schneller als erwartet die Chefrolle. Andrulis verließ das Unternehmen im Januar komplett, um sich mit dem Beratungskonzern Roland Berger einem neuen Projekt zu widmen, offenbar auch weil er mit dem neuen Kurs nicht vollständig einverstanden war. Parallel entließ Aleph Alpha rund 50 Mitarbeitende im Zuge der Neuausrichtung aufs Kerngeschäft. Geräuschlos verlief dieser Umbau nicht. Scheer selbst beschreibt die Zeit rückblickend als „ziemlich ereignisreiches Jahr“.

Als er anfing, habe er zwar viele Möglichkeiten und talentierte Menschen gesehen, aber es habe der rote Faden gefehlt. Durch die mediale Aufmerksamkeit habe Aleph Alpha zu viele Kundenanfragen und Vertriebspartnerschaften angenommen, ohne die Kapazitäten dafür zu haben, was zu Unzufriedenheit bei Partnern geführt habe. Viele dieser Partnerschaften wurden inzwischen gestoppt, strategisch wichtige Kooperationen wie mit der Bundesagentur für Arbeit dagegen ausgebaut. In Kürze soll ein neues deutsch-englisches Sprachmodell erscheinen, das sich nicht mit den großen Allzweckmodellen messen, sondern in der Nische für deutschsprachige Kunden im öffentlichen Sektor, im Legal-Bereich und der Industrie überzeugen soll.

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.