Tech & Trends Chipkrieg: Europa stellt sich gegen Washington

Chipkrieg: Europa stellt sich gegen Washington

Der Streit um Halbleiter geht in die nächste Runde – und diesmal spielt Europa nicht mehr nur Zuschauer. Die Niederlande laufen in Washington Sturm gegen neue US-Pläne, die Chinas Zugang zu Chiptechnologie weiter beschneiden würden – mit potenziell massiven Folgen für ASML.

Der transatlantische Schulterschluss in der Technologiepolitik bekommt sichtbare Risse. Während Washington die Daumenschrauben gegenüber China weiter anzieht, wächst in Europa die Sorge um eines seiner wichtigsten Technologieunternehmen.

Die Niederlande gehen auf Konfrontationskurs

Mit einem ungewöhnlichen Schritt reiste der niederländische Handelsminister nach Washington. Dort sprach er mit Vertretern der US-Regierung und des Kongresses über den sogenannten MATCH Act, der chinesischen Chipherstellern den Zugang zu westlicher Halbleitertechnologie weiter erschweren würde. Besonders betroffen wäre dabei ASML. Dass die Niederlande diesen Weg wählen, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Denn es geht längst nicht mehr nur um Exportregeln. Es geht um die Frage, wie weit Washington in den globalen Chipkrieg eingreifen will – und welchen Preis Europas Industrie dafür zahlen muss.

ASML gerät zwischen die Fronten

ASML ist Europas wertvollstes Technologieunternehmen und der weltweit einzige Hersteller der hochkomplexen Lithografiemaschinen, mit denen moderne Chips produziert werden. Ohne diese Anlagen lassen sich die leistungsfähigsten Halbleiter der Welt nicht fertigen. Genau deshalb sitzt der Konzern im Zentrum des geopolitischen Tauziehens zwischen den USA und China. China ist für ASML ein wichtiger Absatzmarkt. Der MATCH Act würde die bestehenden Exportbeschränkungen weiter verschärfen und könnte dafür sorgen, dass künftig nicht nur EUV-Maschinen, sondern auch ältere DUV-Immersionssysteme nicht mehr nach China geliefert werden dürfen.

Selbst ältere Maschinen könnten betroffen sein

ASML-Chef Christophe Fouquet hatte bereits erklärt, dass China derzeit ohnehin nur ältere DUV-Anlagen kaufen könne – also Maschinen, die das Unternehmen schon vor Jahren ausgeliefert hat. Genau diese Systeme würden durch den neuen US-Gesetzentwurf nun ebenfalls ins Visier geraten. Damit verschiebt sich der Konflikt auf die nächste Stufe. Es geht nicht mehr nur um die modernste Chiptechnologie, sondern zunehmend auch um ältere Maschinengenerationen, die für die Halbleiterproduktion nach wie vor unverzichtbar sind.

Noch ist nichts entschieden

Der Gesetzentwurf wurde zwar bereits eingebracht, ist aber noch nicht verabschiedet. Ob er tatsächlich Gesetz wird, hängt auch davon ab, ob er Teil eines größeren Gesetzespakets wird. Bis dahin dürfte der globale Chipkrieg weiter eskalieren – und Europas Nervosität rund um ASML weiter wachsen.

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