Tech & Trends Getty verklagt KI-Firmen – und verkauft jetzt selbst an OpenAI

Getty verklagt KI-Firmen – und verkauft jetzt selbst an OpenAI

Getty Images lizenziert Bilder an OpenAI, während die Klage gegen Stability AI läuft. Der Aktienkurs explodierte um 200 Prozent – und offenbart die Verzweiflung einer angeschlagenen Branche.

Lizenzieren oder prozessieren? Getty Images hat sich entschieden: beides. Die Bildagentur, die Stability AI wegen unrechtmäßiger Nutzung von zwölf Millionen Bildern verklagt, unterschreibt gleichzeitig einen mehrjährigen Lizenzvertrag mit OpenAI. ChatGPT darf künftig Getty-Bilder in der Suche anzeigen. Der Widerspruch ist gewollt – und entlarvt eine Branche im Überlebenskampf.

Die Börse reagierte euphorisch: Der Getty-Aktienkurs schoss vorbörslich um 200 Prozent nach oben, wie Bloomberg berichtet. Seit Februar war Getty ein sogenannter Pennystock, die Aktie notierte unter einem Dollar – ein Status, der den Countdown zur Auslistung auslöst. Montagmorgen markierte das Papier bei 1,48 Dollar, bevor die Realität einsetzte. Gegen Handelsschluss pendelte sich der Kurs bei 1,15 Dollar ein, ein Plus von 90 Prozent laut heise. Besser als nichts, schlechter als erhofft.

Substanz des Deals bleibt dünn

Was steckt hinter der Vereinbarung? Weniger als die Börsenreaktion suggeriert. OpenAI darf lizenzierte Inhalte in „Suche und Entdeckung“ bei ChatGPT anzeigen – mehr nicht. Von einer Freigabe für das Training künftiger Modelle ist keine Rede.

Getty-CEO Craig Peters verkauft den Deal als Vertrauensgewinn für KI-gestützte Suche, verschweigt aber die entscheidende Frage: Wie viel zahlt OpenAI tatsächlich? Die Lizenzgebühr dürfte deutlich geringer ausfallen als bei einer Trainings-Freigabe. Getty lizenziert zwar Werke von 600.000 Urhebern, aber nur für ein Schaufenster, nicht für die Modellfabrik.

Das Getty-Paradox: Partner und Kläger zugleich

Der Widerspruch ist Strategie. Während Getty mit OpenAI kooperiert, läuft die Klage gegen Stability AI am US-Bundesbezirksgericht für Nordkalifornien. Der Vorwurf: zwölf Millionen Bilder unrechtmäßig kopiert und zum Training genutzt. Ein Parallelprozess in London scheiterte weitgehend, nur der Vorwurf der Markenrechtsverletzung hat Bestand. Getty positioniert sich als legaler KI-Content-Lieferant – wer zahlt, darf nutzen. Wer klaut, wird verklagt.

Eine klare Ansage, die allerdings einen Haken hat: Getty selbst betreibt einen KI-Bildgenerator, trainiert mit eigenen Datenbanken. Die moralische Überlegenheit ist relativ. Der Deal kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Getty wartet auf die Genehmigung der 3,7-Milliarden-Dollar-Übernahme von Shutterstock. Der OpenAI-Vertrag soll Investoren signalisieren: Bildagenturen haben eine Zukunft in der KI-Ära. Ob die Rechnung aufgeht, ist fraglich. Die Kurskorrektur am Montagnachmittag zeigt: Der Markt ist skeptisch.

Business Punk Check

Gettys KI-Strategie ist ein Eiertanz zwischen Anpassung und Abwehr. Der OpenAI-Deal rettet die Aktie vor der Auslistung, aber nicht das Geschäftsmodell vor der Disruption. Wer nur Bilder zur Anzeige lizenziert, verdient Cent-Beträge. Wer Trainingsdaten liefert, verdient Millionen – aber riskiert, die eigene Irrelevanz zu beschleunigen.

Getty setzt auf Klage und Kooperation, weil beides einzeln zu schwach ist. Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Was passiert, wenn KI-Modelle so gut werden, dass lizenzierte Stockfotos niemand mehr braucht? Dann ist auch der beste Lizenzvertrag wertlos. Getty kauft Zeit, keine Zukunft.

Quellen: heise, The Decoder, Bloomberg

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