Tech & Trends Meta klont Reddit – und hofft, dass es keiner merkt

Meta klont Reddit – und hofft, dass es keiner merkt

Meta startet Forum, eine Reddit-Kopie für Facebook-Gruppen. Ohne Pressekonferenz, ohne Ankündigung. Während Zuckerberg von 50 neuen Apps träumt, zeigt sich: Der Konzern kopiert lieber, statt zu innovieren.

Meta launcht Apps wie andere Leute Socken kaufen – heimlich, nebenbei, ohne große Worte. Während der Konzern medienwirksam über KI und Smart Glasses schwadroniert, schleicht sich im App Store eine neue Anwendung namens Forum ein. Das Konzept: Facebook-Gruppen als Reddit-Klon verpackt. Die Strategie dahinter offenbart mehr über Metas aktuelle Verfassung als jede Quartalspräsentation.

Reddit-Klon mit Facebook-Login

Forum funktioniert simpel: Nach dem Login mit dem Facebook-Account landen Nutzer in ihren bestehenden Gruppen, können aber mit Pseudonymen posten. Die App verspricht einen Raum für tiefgehende Diskussionen, echte Antworten und Communities, die einem wichtig sind – Formulierungen, die verdächtig nach Reddits DNA klingen. Laut TechCrunch setzt Meta dabei auf Feeds, die Konversationen statt Trends priorisieren. Ein KI-gestützter Ask-Tab kompiliert Antworten aus verschiedenen Gruppendiskussionen, ein Admin-Assistent soll Moderatoren die Arbeit erleichtern. Die Ironie: Meta hatte bereits 2014 eine eigenständige Groups-App gelauncht, nur um sie 2017 wieder einzustampfen.

Forum ist also der zweite Anlauf – mit mehr KI, aber ohne erkennbare Vision. Was sich geändert hat: Die technische Infrastruktur ist ausgereifter, die KI-Integration fortgeschrittener. Was gleich geblieben ist: Die Frage, ob überhaupt jemand danach gefragt hat.

Zuckerbergs App-Fabrik läuft heiß

Forum ist Teil einer größeren Offensive. Im vergangenen Monat startete Meta bereits Instants, eine App für verschwindende Fotos mit Instagram-Freunden – ein offensichtlicher BeReal-meets-Snapchat-Verschnitt. Wie Der Standard berichtet, blieb auch Forum ohne offizielle Ankündigung, während Metas PR-Maschinerie lieber über andere Themen spricht. Die Strategie dahinter: KI-gestützte Effizienzgewinne sollen es dem Konzern ermöglichen, deutlich mehr Apps zu produzieren als bisher. Mark Zuckerberg habe intern von 50 neuen Apps gesprochen, die Meta theoretisch bauen könnte. Der Plan: erst einmal mit wenigen starten, bevor die Produktion hochgefahren wird.

Die Rechnung klingt bestechend einfach – mehr KI-Effizienz gleich mehr Output. Doch die Frage bleibt: Wer soll das alles nutzen? Meta Edits, im vergangenen Jahr gelauncht, kopiert ByteDances CapCut. Instants bedient sich bei BeReal und Snapchat. Forum klont Reddit. Das Muster ist eindeutig.

Kopieren statt kreieren

Die App-Strategie offenbart Metas aktuelles Dilemma: Der Konzern reagiert, statt zu agieren. Während kleinere Player Märkte definieren, versucht Meta hinterherzukommen – mit mehr Ressourcen, aber ohne eigene Ideen. Die KI-Effizienzgewinne werden nicht für Innovation genutzt, sondern für schnelleres Nachbauen. Das mag kurzfristig Marktanteile sichern, langfristig aber erodiert die Markenidentität.

Forum könnte funktionieren, wenn Reddit schwächelt oder Facebook-Nutzer tatsächlich nach tieferen Diskussionsräumen suchen. Wahrscheinlicher ist: Die App verschwindet in der Versenkung wie ihr Vorgänger 2017. Meta produziert Apps am Fließband, ohne zu prüfen, ob der Markt sie überhaupt will. Die Hoffnung scheint zu sein, dass irgendwas schon hängen bleibt.

Business Punk Check

Metas App-Fabrik ist Symptom, nicht Lösung. Während Zuckerberg von 50 neuen Anwendungen träumt, zeigt Forum die Grenzen dieser Strategie: Mehr Output bedeutet nicht mehr Impact. Der Konzern verwechselt Quantität mit Relevanz und Geschwindigkeit mit Innovation. Die KI-Effizienzgewinne werden verschwendet für Copy-Paste-Produkte, die niemand braucht. Die unbequeme Wahrheit: Meta hat sein Innovationsproblem nicht gelöst, sondern nur beschleunigt. Forum ist ein Reddit-Klon ohne Alleinstellungsmerkmal, Instants ein BeReal-Abklatsch ohne Community.

Die Strategie funktioniert nur, wenn Nutzer bereit sind, für jede Micro-Funktion eine separate App zu installieren – eine Annahme, die 2017 schon nicht funktioniert hat. Für Entscheider bedeutet das: Metas App-Experimente sind Testballons, keine verlässlichen Plattformen. Wer auf Forum als Community-Tool setzt, sollte einen Plan B haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die App in zwei Jahren noch existiert, ist gering. Metas Track Record spricht Bände – und die sind nicht ermutigend.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet Forum von Reddit?

Praktisch nichts – außer der Integration in Facebooks Ökosystem. Forum nutzt bestehende Facebook-Gruppen und erlaubt Pseudonym-Posts, bietet aber keine eigenständigen Features, die Reddit nicht schon längst hat. Die KI-gestützte Ask-Funktion kompiliert Antworten aus Gruppendiskussionen, was nützlich sein könnte, aber kaum als Killer-Feature durchgeht. Für Nutzer, die bereits in Facebook-Gruppen aktiv sind, mag die App praktisch sein – für alle anderen ist Reddit die bessere Wahl.

Warum startet Meta Apps ohne offizielle Ankündigung?

Weil der Konzern das Risiko minimieren will. Stille Launches erlauben es Meta, Apps zu testen, ohne sich öffentlich festzulegen. Floppt die App, verschwindet sie leise – wie die Groups-App 2017. Funktioniert sie wider Erwarten, kann Meta immer noch eine große PR-Kampagne nachschieben. Diese Strategie schützt die Marke, signalisiert aber auch mangelndes Vertrauen in die eigenen Produkte. Für ein Unternehmen von Metas Größe ist das bemerkenswert defensiv.

Sind 50 neue Apps realistisch für Meta?

Technisch ja, strategisch fragwürdig. KI-Effizienzgewinne ermöglichen schnellere Entwicklungszyklen, aber mehr Apps bedeuten nicht automatisch mehr Nutzer. Metas bisherige Launches zeigen: Die meisten neuen Apps sind Kopien bestehender Services ohne echte Innovation. 50 Apps würden das Ökosystem fragmentieren und Nutzer überfordern. Sinnvoller wäre es, wenige Apps mit echtem Mehrwert zu entwickeln, statt den Markt mit Mittelmaß zu fluten.

Sollten Unternehmen auf Forum als Community-Plattform setzen?

Nur mit Exit-Strategie. Metas Track Record bei eigenständigen Apps ist katastrophal – die meisten werden nach wenigen Jahren eingestellt. Wer Forum für Community-Building nutzen will, sollte parallel auf etablierte Plattformen setzen. Die App könnte funktionieren, wenn Meta sie langfristig supportet, aber darauf würde ich keine Strategie aufbauen. Für Experimente geeignet, für langfristige Investitionen zu riskant.

Was bedeutet Metas App-Strategie für die Tech-Branche?

Sie zeigt, dass auch Giganten orientierungslos sein können. Während kleinere Player Märkte definieren, kopiert Meta hinterher – schneller, aber nicht besser. Die KI-gestützte Massenproduktion von Apps könnte zum neuen Standard werden, aber nur wenn die Qualität stimmt. Aktuell produziert Meta Quantität ohne Relevanz. Für Startups ist das eine Chance: Wer echte Innovation liefert, kann Meta weiterhin voraus sein – der Konzern ist zu groß, um wendig zu sein.

Quellen: TechCrunch, Derstandard

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