Tech & Trends Meta löscht heimliche Gesichtserkennung – nach Entdeckung

Meta löscht heimliche Gesichtserkennung – nach Entdeckung

Meta entfernt binnen 24 Stunden Gesichtserkennungs-Code aus seiner Smart-Glasses-App. Das System NameTag war bereits auf 50 Millionen Geräten installiert – nur nie aktiviert.

Meta entfernt binnen 24 Stunden Gesichtserkennungs-Code aus seiner Smart-Glasses-App. Das System NameTag war bereits auf 50 Millionen Geräten installiert – nur nie aktiviert.

Meta hat ein Problem mit Transparenz. Einen Tag nachdem Wired aufdeckte, dass der Konzern heimlich ein Gesichtserkennungssystem in seine Smart-Glasses-App eingebaut hatte, verschwand der Code wieder. Über 50 Millionen Nutzer trugen die Software bereits auf ihren Smartphones – ohne es zu wissen.

Das System namens NameTag sollte Gesichter scannen, in biometrische Signaturen umwandeln und mit einer lokalen Datenbank abgleichen. Aktiviert wurde es nie. Aber es war da.

Der Rückzieher kam schnell

Die neueste Version der Meta-AI-App enthält keine Spuren mehr von NameTag. Weg sind die Code-Bibliotheken für Gesichtserkennung, weg die Algorithmen für den Abgleich, weg die Benachrichtigung „Person erkannt“. Sogar der Ordner, in dem nicht erkannte Gesichter gespeichert worden wären, existiert nicht mehr. Meta reagierte auf die Enthüllung mit einer Geschwindigkeit, die zeigt: Hier wurde etwas versteckt, das nicht hätte gefunden werden sollen.

Andy Stone, Kommunikationschef bei Meta, erklärte gegenüber Wired, das Feature sei rein explorativ gewesen. Eine finale Entscheidung habe es nie gegeben. Sein Kollege Andrew Bosworth, Chief Technology Officer, nannte die Berichterstattung „unglaublich irreführend“ und „absolut unehrlich“. Starke Worte für ein System, das angeblich gar nicht existierte – aber trotzdem aus der App entfernt werden musste.

Zehn unbeantwortete Fragen

Meta verweigerte die Antwort auf zehn konkrete Fragen von Wired. Existiert bereits eine Datenbank mit Gesichtsprofilen? Wie lange werden biometrische Daten nicht erkannter Personen auf dem Gerät gespeichert? Werden diese Daten jemals an Meta-Server übertragen? Keine Antwort. Auch zur Frage, ob Nutzer dem System hätten zustimmen oder widersprechen können, schwieg der Konzern.

Ebenso zur Kritik von Datenschützern, die warnen: Ein solches Tool könnte Stalkern und Gewalttätern helfen, Fremde in der Öffentlichkeit zu identifizieren. Die Meta-Smart-Glasses, produziert in Kooperation mit Ray-Ban, stehen bereits unter Beobachtung. Influencer nutzen sie, um Frauen zu belästigen und heimlich zu filmen. Im Dezember zerbrach eine Frau in der New Yorker U-Bahn die Brille eines Mannes. Im März folgte eine Sammelklage, nachdem bekannt wurde, dass kenianische Arbeiter Aufnahmen aus den Brillen überprüften – darunter intime Szenen und Badezimmer-Aufnahmen, offenbar ohne Wissen der Besitzer.

Was von NameTag übrig blieb

Ein paar Code-Fragmente des Systems existieren noch in der aktuellen App-Version. Ein Debug-Menü-Label hier, ein inaktiver Link zu einem Nutzerprofil dort. Reste eines Features, das laut Meta nie existiert hat.

Kade Crockford von der American Civil Liberties Union sieht darin den Beweis, dass Datenschutz stärkere gesetzliche Regelungen braucht. Die Tatsache, dass Meta den Code überhaupt ausgeliefert habe, sei nicht rückgängig zu machen. Das Repräsentantenhaus von Massachusetts hat den Massachusetts Data Privacy Act einstimmig verabschiedet, ein umfassendes Datenschutzgesetz mit harten Durchsetzungsmechanismen – andere Bundesstaaten sollten folgen.

Business Punk Check

Meta hat hier nicht einfach ein Feature getestet. Der Konzern hat ein vollständiges Gesichtserkennungssystem in eine App integriert, die Millionen Menschen nutzen müssen, um ihre Smart Glasses zu betreiben. Das System war funktionsfähig, nur nicht aktiviert – ein Unterschied, der technisch minimal, rechtlich aber entscheidend ist. Die Behauptung, es handele sich um reine Exploration, wirkt angesichts der Tatsache, dass echte Entwickler echten Code geschrieben und ausgeliefert haben, wie eine Schutzbehauptung.

Die eigentliche Frage lautet: Wie viele solcher „explorativen“ Systeme schlummern noch in Apps, die täglich genutzt werden? Metas Reaktionsgeschwindigkeit zeigt, dass der Konzern genau wusste, wie brisant NameTag ist. Wer Smart Glasses kauft, sollte sich bewusst sein: Die Kamera zeigt nach außen, aber die Datenströme fließen nach innen. Solange Unternehmen wie Meta zehn konkrete Fragen zu Datenschutz und Speicherung unbeantwortet lassen können, bleibt jedes „Das Feature existiert nicht“ eine hohle Phrase. Die Technologie existiert. Sie liegt nur auf Standby.

Wie funktionierte das NameTag-System technisch?

NameTag wandelte Gesichter, die von den Meta Smart Glasses erfasst wurden, in biometrische Signaturen um – sogenannte Faceprints. Diese wurden mit einer lokalen Datenbank auf dem Smartphone abgeglichen. Nicht erkannte Gesichter sollten zugeschnitten, indexiert und für spätere Verarbeitung gespeichert werden. Das System war vollständig implementiert, wurde aber nie öffentlich aktiviert.

Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Meta?

Die American Civil Liberties Union fordert härtere Datenschutzgesetze mit Durchsetzungsmechanismen. Massachusetts hat bereits ein Gesetz verabschiedet, das Nutzern ein privates Klagerecht einräumt. Meta könnte bei künftigen Verstößen mit Sammelklagen und hohen Strafen rechnen, wenn solche Gesetze bundesweit umgesetzt werden. Die heimliche Integration von Gesichtserkennungs-Code könnte als Präzedenzfall dienen.

Sind andere Smart-Glasses-Hersteller betroffen?

Aktuell betrifft der Fall nur Meta und seinen Kooperationspartner Ray-Ban. Andere Hersteller von Smart Glasses stehen jedoch unter verschärfter Beobachtung. Die Technologie für Gesichtserkennung ist standardisiert und könnte theoretisch in jede Kamera-basierte Wearable-Technologie integriert werden. Datenschutzbehörden prüfen verstärkt, welche Systeme bereits in Consumer-Hardware schlummern.

Welche Daten sammeln Meta Smart Glasses aktuell?

Meta hat nicht offengelegt, welche Daten die Smart Glasses derzeit erfassen und wie lange sie gespeichert werden. Bekannt ist, dass kenianische Arbeiter Videomaterial aus den Brillen überprüften, darunter intime Aufnahmen. Ob biometrische Daten bereits an Meta-Server übertragen wurden, blieb unbeantwortet. Nutzer haben aktuell keine Transparenz über den Datenfluss ihrer Geräte.

Sollten Unternehmen auf Smart-Glasses-Technologie setzen?

Für Unternehmen gilt: Wearable-Technologie mit Kamerafunktion birgt erhebliche rechtliche und ethische Risiken. Solange Hersteller grundlegende Fragen zu Datenschutz und Speicherung nicht beantworten, sollten Firmen auf den Einsatz verzichten oder strenge interne Richtlinien etablieren. Der Meta-Fall zeigt, dass „nicht aktiviert“ nicht gleichbedeutend mit „nicht vorhanden“ ist – ein Risiko, das sich kein Unternehmen leisten kann. QUELLEN FÜR ARTIKEL: „Wired“, „Engadget“

Quellen: Wired, Engadget

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