Tech & Trends NextSlide-Deal: OpenAI kauft Büro-Know-how, weil Anthropic Kunden abzieht

NextSlide-Deal: OpenAI kauft Büro-Know-how, weil Anthropic Kunden abzieht

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OpenAI schluckt das Präsentations-Start-up NextSlide leise per Acqui-Hire, während Anthropic bei Firmenkunden erstmals mehr Neukunden holt als OpenAI.

Ein Start-up, das gerade erst ein Jahr alt war, existiert nicht mehr als eigenständiges Produkt. Stattdessen zeigt seine Website nur noch eine Abschiedsnotiz. So unspektakulär ist die jüngste Übernahme von OpenAI verlaufen: NextSlide, ein Tool, das aus Prompts und Dokumenten fertige Präsentationen baut, wurde bereits früher im Jahr 2026 gekauft.

Öffentlich wurde der Deal erst diese Woche, über einen LinkedIn-Post von Gründer Ahmed Beshry, wie TechCrunch berichtet. Finanzielle Details nannte niemand. Beshry selbst schrieb, die Ankündigung komme „ein paar Monate zu spät“. Klein und leise ist der Deal, doch er verrät viel über OpenAIs Nervosität im Firmenkundengeschäft.

Ein Acqui-Hire nach bekanntem Muster

Der NextSlide-Kauf folgt einem Schema, das OpenAI zuletzt öfter genutzt hat: ein kleines, funktionierendes Team wird eingegliedert, die Marke verschwindet. Das gesamte NextSlide-Team arbeitet inzwischen an ChatGPT, wie aus der Notiz auf der Start-up-Website hervorgeht. Wie viele Personen betroffen sind, bleibt unklar. Für Beshry ist es bereits der zweite Exit dieser Art. Zuvor hatte er das Checkout-Start-up Caper AI mitgegründet, das Instacart 2021 für kolportiert 350 Mio.

Dollar übernahm. NextSlide selbst war Mitte 2025 gegründet worden und hatte sich, so Trending Topics, auf einen eng umrissenen Anwendungsfall konzentriert: Prompts, Notizen oder Recherchematerial in eine „polierte, editierbare Präsentation“ zu verwandeln. Das Ziel sei nie gewesen, Folien bloß schneller zu erzeugen, sondern visuelle Kommunikation auch für Menschen ohne Design-Erfahrung zugänglich zu machen, schrieb Beshry in seiner Abschiedsnotiz. Konkrete Produktpläne für diese Technik hat OpenAI bislang nicht kommuniziert. Offen bleibt, ob die Slide-Funktionen überhaupt sichtbar in ChatGPT auftauchen.

Anthropic gewinnt bei Erstkunden die Oberhand

Der eigentliche Hintergrund liegt in einer Marktverschiebung, die OpenAI lange nicht kannte. Daten des Ausgaben-Management-Anbieters Ramp, der die Kartenumsätze zehntausender US-Unternehmen auswertet, zeigten im März 2026 eine Trendwende: Unter Unternehmen, die erstmals KI-Dienste einkauften, entschied sich die Mehrheit für Anthropic, so Trending Topics. Der Anteil der Firmen mit Anthropic-Abo stieg binnen eines Jahres von rund vier auf knapp ein Viertel, während OpenAI den stärksten je gemessenen Monatsrückgang verzeichnete.

Auch Erhebungen von Menlo Ventures sehen Anthropic bei Enterprise-Workloads, besonders im Coding, seit längerem vorn. Beim Gesamtumsatz bleibt OpenAI dank rund 900 Millionen wöchentlicher ChatGPT-Nutzer klar vorn, doch genau das planbare, hochpreisige Vertragsgeschäft wandert ab. Diese Entwicklung trifft OpenAI mitten in einem strategischen Umbau: Fidji Simo, damals CEO of Applications, hatte bei einem All-Hands im März 2026 angekündigt, das Unternehmen richte sich „aggressiv“ auf produktivitätsstarke Anwendungsfälle aus. Simo selbst gab ihre Vollzeitrolle im Juli aus gesundheitlichen Gründen ab.

Präsentationen als Testfeld für den Büro-Kampf

Präsentationen sind in diesem Wettbewerb kein Randthema, sondern eines der am häufigsten nachgefragten Arbeitsergebnisse in Unternehmen. Anthropic ist seit Februar 2026 mit Excel-, Word-, PowerPoint- und PDF-Erzeugung direkt im Chat vorgerückt, seit dem Frühjahr existieren zudem Claude-Add-ins für Office-Anwendungen mit geteiltem Gesprächskontext.

OpenAI hält mit einem eigenen Sidebar-Add-in für PowerPoint gegen und hatte im Juli 2026 die Modellfamilie GPT-5.6 sowie den Agenten ChatGPT Work vorgestellt, der mehrstufige Büroaufgaben übernehmen soll. Beide Schritte positionierte das Unternehmen offen als Antwort auf Anthropic. Der Hintergrund ist ein möglicher Börsengang, der laut CNBC bereits im vierten Quartal 2026 stattfinden könnte, verbunden mit einer Investoren-Prognose von mehr als 280 Mrd. Dollar Umsatz bis 2030, etwa hälftig aufgeteilt zwischen Consumer- und Enterprise-Geschäft.

Business Punk Check

Fakt ist: OpenAI hat ein kleines Team gekauft, keine Technologie-Revolution verkündet. Die Einordnung als B2B-Antwort auf Anthropic stützen konkrete Ramp- und Menlo-Ventures-Daten, nicht bloße Vermutung.

Interpretation bleibt, dass ausgerechnet ein Präsentations-Tool als Symbol für Enterprise-Ambitionen taugt. Offen ist, ob NextSlides Technik überhaupt in ChatGPT auftaucht, denn OpenAI hat dazu nichts kommuniziert.

Auf einen Blick

  • OpenAI hat das Präsentations-Start-up NextSlide übernommen, bekannt wurde der Deal erst über eine Notiz auf der Start-up-Website und einen LinkedIn-Post des Gründers.
  • Das gesamte NextSlide-Team arbeitet inzwischen an ChatGPT, finanzielle Details wurden nicht bekannt.
  • Ramp-Daten zeigen, dass der Anteil der Erstkunden mit Anthropic-Abo binnen eines Jahres von rund vier auf knapp ein Viertel gestiegen ist.
  • Präsentationen und Office-Aufgaben gelten als zentrales Testfeld im Wettbewerb zwischen OpenAI und Anthropic um Firmenkunden.

Quellen: TechCrunch, Trending Topics, Trending Topics

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