Tech & Trends Nvidia kauft Hugging Face: Für 13 Milliarden Dollar vom Investor zum Torwächter

Nvidia kauft Hugging Face: Für 13 Milliarden Dollar vom Investor zum Torwächter

Nvidia zahlt 12,93 Mrd. Dollar für Hugging Face und übernimmt damit die zentrale Verteilstelle offener KI-Modelle. Vor einem Jahr hatte die Plattform ein deutlich kleineres Angebot noch ausgeschlagen.

Ein Jahr, bevor Nvidia Hugging Face für 12,93 Mrd. Dollar kauft, hatte die Plattform ein Investment des Chipherstellers noch abgelehnt. Nach Angaben von Wikipedia bot Nvidia damals rund 500 Mio. Der Sprung auf die aktuelle Summe zeigt, wie stark sich die Verhandlungsposition binnen kurzer Zeit verschoben hat.

Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigte den Kauf in einem Blogpost und beschreibt ihn als Wunsch von Hugging-Face-Mitgründer Clément Delangue, der aktiv auf Nvidia zugegangen sei. „Ich fühle mich geehrt, dass Clem auf mich zugekommen ist, als er über das nächste Kapitel von Hugging Face nachdachte“, schreibt Huang laut Trending Topics. Damit geht die größte Software-nahe Übernahme in der Geschichte des Chipkonzerns über die Bühne, formal aber noch nicht abgeschlossen.

Vom Minderheitsinvestor zum Alleineigentümer

Die Geschichte der Beziehung ist eine Eskalation. Bei der letzten großen Finanzierungsrunde vor rund drei Jahren war Hugging Face laut Handelsblatt mit 4,5 Mrd. Dollar bewertet, Nvidia saß neben Salesforce, Google, Amazon, AMD, Intel, Qualcomm und IBM im Kapitaltisch. Das abgelehnte 500-Millionen-Dollar-Angebot von 2025 markiert den Punkt, an dem Hugging Face noch Unabhängigkeit signalisierte. Die jetzige Summe von 12,93 Mrd.

Dollar, exakt beziffert mit 12.930.300.000 Dollar laut Trending Topics, zeigt, dass sich diese Position nicht mehr halten ließ oder nicht mehr gehalten werden sollte. Gegründet wurde das Unternehmen von Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf, die laut Huang „ein lebendiges Zuhause für die Community der Entwickler:innen offener Modelle“ geschaffen hätten. Sein Argument für die Übernahme: Der Plattform fehle nicht die Community, sondern die Infrastruktur, um sie in größerem Maßstab zu bedienen.

CUDA trifft auf offene Modelle

Nvidias Marktmacht beruht nicht nur auf Chips, sondern auf dem über zwei Jahrzehnte gewachsenen Software-Ökosystem CUDA. Hugging Face ist laut Trending Topics mit mehr als 18 Millionen Nutzenden, drei Millionen Modellen, 500.000 Datensätzen und 200.000 Firmenkunden der größte Verteilkanal für offene KI-Modelle weltweit. Wer bestimmt, welches Modell auf welcher Hardware läuft, entscheidet über künftige Rechenlast.

Huang verspricht, Nvidia-Compute werde nicht Voraussetzung für die Nutzung der Plattform, Entwickler sollten weiter Modelle, Frameworks, Clouds und Rechenplattformen frei wählen können. Flankiert wird der Deal von einem angekündigten Investment über 26 Mrd. Dollar in offene Modelle binnen fünf Jahren. Nvidia selbst hat nach eigener Zählung bereits mehr als 500 Modelle und 250 Datensätze zu Hugging Face beigetragen und ist damit schon heute größter Einzelbeitragender der Plattform.

Kartellrecht als offene Baustelle

Eine Übernahme dieser Größenordnung durch den derzeit dominierenden KI-Chipkonzern dürfte kartellrechtlich geprüft werden, in den USA über eine Hart-Scott-Rodino-Meldung, mutmaßlich auch durch EU-Kommission und britische Wettbewerbsbehörde. Die TechTimes-Analyse zieht den Vergleich zur gescheiterten Nvidia-Übernahme des Chipdesigners Arm als Präzedenzfall für strenge Prüfungen vertikaler Zusammenschlüsse.

Eine Forbes-Kolumne beschreibt den Deal als Baustein eines „Compute-Landlord“-Modells, bei dem Nvidia nach der Hardware nun auch den Marktplatz für offene Modelle kontrolliert. In Teilen der Open-Source-Community wird bereits diskutiert, wie neutral eine Plattform bleiben kann, die einem Hardwarehersteller gehört, selbst wenn das Team und die Marke laut Huang unverändert bestehen bleiben sollen.

Business Punk Check

Fakt ist: Nvidia zahlt für Hugging Face mehr als das Zwanzigfache des vor einem Jahr abgelehnten Angebots und sichert sich damit die zentrale Distributionsebene offener KI-Modelle.

Interpretation: Der Deal verlängert die CUDA-Dominanz in eine Phase, in der Alternativen wie AMDs ROCm an Boden gewinnen, auch wenn Huang formale Offenheit zusichert. Offen bleibt, ob Kartellbehörden nach dem Arm-Präzedenzfall Auflagen verhängen oder den Deal ganz stoppen und ob europäische Start-ups, die auf offene Modelle setzen, künftig faktisch stärker auf Nvidia-Infrastruktur angewiesen sind.

Auf einen Blick

  • Nvidia zahlt laut Trending Topics exakt 12.930.300.000 Dollar für Hugging Face, nachdem die Plattform 2025 ein deutlich kleineres Angebot abgelehnt hatte.
  • Hugging Face zählt nach Angaben von Jensen Huang mehr als 18 Millionen Nutzende, drei Millionen Modelle und 200.000 Firmenkunden.
  • Nvidia sichert sich damit die zentrale Verteilstelle offener KI-Modelle und verlängert seine CUDA-Dominanz in eine Phase wachsender Konkurrenz.
  • Die Übernahme dürfte laut TechTimes kartellrechtlich geprüft werden, mit dem gescheiterten Arm-Deal als möglichem Präzedenzfall.

Quellen: Handelsblatt, Trending Topics (EN), Trending Topics (DE), Reuters, CNBC, TechTimes, The Information, Forbes, KI-unterstützt

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