Tech & Trends Rocket Lab Germany: SpaceX-Rivale kapert Münchens Raumfahrt-Szene

Rocket Lab Germany: SpaceX-Rivale kapert Münchens Raumfahrt-Szene

Rocket Lab Germany ist da: Der 40-Milliarden-Euro-Konzern schnappt sich Mynaric und funkt München mitten in Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg hinein; mit 87 erfolgreichen Starts im Rücken.

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Während bayerische Raketen-Start-ups noch um den ersten Orbit kämpfen, hat Rocket Lab die Frage längst geklärt: 92 Starts der Electron-Rakete, 87 davon erfolgreich. Jetzt bringt der US-Konzern diese Erfahrung nach München und kauft sich mit der Übernahme von Mynaric direkt in den deutschen Markt ein.

Für Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg bedeutet das: Der Wettbewerb um Europas Raumfahrt-Zukunft hat gerade einen neuen, deutlich erfahreneren Spieler bekommen.

Ein Börsenwert von 40 Mrd. Euro trifft auf Münchner Ingenieurskunst

Rocket Lab wurde 2006 von Peter Beck in Neuseeland gegründet und gilt heute als einer der wichtigsten Konkurrenten von SpaceX. An der Börse ist das Unternehmen laut TZ umgerechnet über 40 Mrd. Euro wert. Mit der neu gegründeten Rocket Lab Germany GmbH und der Übernahme der Münchner Mynaric AG sichert sich der Konzern nun einen Fuß in der europäischen Tür. Laut hartpunkt wurde die GmbH bereits vor einigen Monaten gegründet, die öffentliche Bekanntgabe kam erst jetzt. Rocket Lab selbst spricht von einem Meilenstein im internationalen Wachstum des Unternehmens und formuliert das Ziel, Europa Zugang zu souveränen Weltraumfähigkeiten zu ermöglichen.

Mynaric bringt dabei kein Beiwerk mit: Das Unternehmen stellt Laserkommunikationssysteme und optische Datenübertragungstechnologien für Satelliten und Flugzeuge her, wie hartpunkt berichtet. Diese Technologie soll laut Unternehmensangaben weiterhin produziert und um neue optische Komponenten für die Raumfahrt erweitert werden. Rocket Lab wolle seine Fertigungs- und Lieferkettenexpertise einbringen, um Kapazität und Effizienz bei Mynaric zu steigern. Konkret heißt das:

Die bestehende Produktion in München bleibt bestehen, wird aber in ein größeres, US-geführtes Fertigungsnetzwerk eingebunden. Technisch basiert Rocket Labs bisheriger Erfolg vor allem auf der rund 20 Meter langen Electron-Rakete, die kleine Satelliten mit einer maximalen Nutzlast von 300 Kilogramm in die Erdumlaufbahn bringen kann. Diese Erfahrung aus 92 Starts unterscheidet Rocket Lab fundamental von den bayerischen Wettbewerbern: Isar Aerospace hat bislang einen Testflug absolviert, ohne den Orbit zu erreichen, die Rocket Factory Augsburg plant ihren ersten Flugversuch für diesen Sommer.

München wird zum Nadelöhr für Europas Weltraumambitionen

Die Landeshauptstadt hat sich längst zu einem der wichtigsten Raumfahrt-Zentren Europas entwickelt. Neben den Trägerraketen-Start-ups Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg sitzt hier auch Airbus Defence and Space. Die TU München baut zudem einen eigenen Campus für Luft- und Raumfahrt in Ottobrunn-Taufkirchen auf. Das DLR in Oberpfaffenhofen beschäftigt 2.000 Mitarbeitende, die Universität der Bundeswehr bündelt ihre Raumfahrtaktivitäten im SPACE-Zentrum in Neubiberg. Rocket Lab reiht sich damit in ein dichtes Ökosystem ein, das längst nicht mehr nur aus Start-ups besteht, sondern etablierte Industrie, Forschung und Militär miteinander verzahnt. Rocket Lab Germany könnte laut TZ die Produktion um Satelliten, Nutzlasten und weitere Komponenten erweitern und einen regionalen Hub für Satellitenkonstellationen schaffen, um die wachsenden Anforderungen europäischer Kunden zu erfüllen.

Ob auch der Bau eigener Trägerraketen in Deutschland geplant ist, bleibt offen. Peter Beck sieht Europa nach Einschätzung von hartpunkt vor erheblichen Herausforderungen bei Startkapazitäten sowie Satelliten- und Raumfahrzeugfertigung stehen. Rocket Lab Germany solle diesen Herausforderungen direkt begegnen, indem es zuverlässige Startkapazitäten mit Satellitenproduktion im großen Maßstab verbindet. Rocket Lab selbst rechnet damit, dass die Nachfrage im kommenden Jahrzehnt ein beispielloses Niveau erreicht. Um Anforderungen kommerzieller, verteidigungsbezogener und nationaler Sicherheitsprogramme zu erfüllen, würden nach Unternehmenseinschätzung Tausende Satelliten benötigt. Rocket Lab Germany soll dabei nicht nur den Ausbau der Satellitenproduktion ermöglichen, sondern mit Electron und der noch in Entwicklung befindlichen Neutron-Rakete auch Startdienstleistungen bereitstellen.

Militärische Nachfrage treibt die Expansion

Parallel zur Deutschland-Strategie hat Rocket Lab mit Ghost, kurz für Global Hypersonic & Orbital Spaceport Technology, eine mobile Startrampe vorgestellt, die Electron- und Haste-Raketen an praktisch jedem Ort und zu jeder Zeit starten lassen soll. Das modulare System umfasst laut Heise Online Startinfrastruktur, Bodenunterstützung und Flugkontrollsysteme, alle Komponenten sind in Standardcontainern untergebracht. Mit HASTE bietet Rocket Lab bereits heute Hyperschalltestflüge für die US-Regierung und verbündete Staaten an.

Diese Ausrichtung passt zur Deutschland-Strategie: Rocket Lab Germany soll nach Unternehmensangaben Startdienstleistungen mit Electron und Neutron anbieten, um europäischen Sicherheitsprogrammen zuverlässigen Weltraumzugang zu sichern. Damit positioniert sich Rocket Lab in Deutschland von Anfang an nicht nur als zivile Satellitenfirma, sondern als Anbieter für nationale Sicherheitsprogramme, ein Feld, auf dem die bayerische Konkurrenz bislang kaum sichtbar ist.

Business Punk Check

Rocket Lab verkauft die Deutschland-Ansiedlung als Meilenstein und in einem Punkt stimmt das: Ein Konzern mit 87 erfolgreichen Starts und 40 Mrd. Euro Börsenwert kauft sich in einen Markt ein, in dem die heimische Konkurrenz noch am ersten Orbit scheitert. Das ist realer Kompetenz-Vorsprung, keine leere PR-Behauptung.

Weniger belastbar ist die große Vision: Ob in Deutschland jemals eigene Trägerraketen entstehen, bleibt offen. Die angekündigte „beispiellose Nachfrage“ der nächsten Dekade ist eine Unternehmensprognose, keine geprüfte Zahl. Die Nähe zur mobilen Ghost-Startrampe für die US Space Force zeigt, dass ziviler Satellitenmarkt und militärische Nachfrage bei Rocket Lab kaum trennbar sind.

Für Entscheider in der Raumfahrtbranche zählt jetzt vor allem eines: München wird zum Testfeld, wo etablierte US-Erfahrung auf bayerische Start-up-Ambition trifft. Wer früh beobachtet, sieht direkt, ob Übernahme-Tempo tatsächlich in Serienfertigung mündet, oder ob es bei der Ankündigung bleibt.

Auf einen Blick

  • Rocket Lab hat die Münchner Firma Mynaric übernommen und die Rocket Lab Germany GmbH gegründet, um in Deutschland Fuß zu fassen.
  • Das Unternehmen kommt mit 92 Electron-Starts, davon 87 erfolgreich und ist an der Börse laut *TZ* umgerechnet über 40 Mrd. Euro wert.
  • München beherbergt bereits Isar Aerospace, Rocket Factory Augsburg und Airbus Defence and Space, während beide bayerischen Start-ups ihren ersten Orbit-Erfolg noch vor sich haben.
  • Ob Rocket Lab künftig auch Trägerraketen in Deutschland baut, ist laut Unternehmensangaben nicht bekannt.

Quellen: Tz, Hartpunkt, Heise

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