Tech & Trends WhatsApp klaut Grünen Punkt bei Instagram – und nervt damit gewaltig

WhatsApp klaut Grünen Punkt bei Instagram – und nervt damit gewaltig

Meta packt den grünen Punkt aus Instagram in WhatsApp. Die neue Online-Anzeige soll zeigen, wer gerade aktiv ist. Doch wollen wir das überhaupt wissen? Ein fragwürdiges Feature im Reality-Check.

Whatsapp bekommt einen grünen Punkt. Nicht den vom Smartphone-Display, der Kamera- oder Mikrofon-Zugriff signalisiert – sondern einen hauseigenen. Meta testet aktuell in der Android-Beta eine neue Online-Anzeige, die direkt am Profilbild deiner Kontakte aufleuchtet. Die Botschaft: Diese Person hat WhatsApp gerade geöffnet. Klingt erst mal unspektakulär, wirft aber eine interessante Frage auf: Brauchen wir wirklich noch mehr Transparenz darüber, wer wann online ist?

Der grüne Punkt taucht zunächst in der Kontaktinfo auf, wie t3n berichtet. Tippst du auf den Namen eines Chatpartners, siehst du künftig den leuchtenden Indikator am Profilbild – sofern die Person gerade aktiv ist. Läuft WhatsApp nur im Hintergrund, bleibt der Punkt aus. Das Feature ersetzt den bisherigen Text „Online“, der bislang unter dem Profilbild stand. Eine Veränderung, die optisch aufgeräumter wirkt, funktional aber identisch ist.

Rollout in drei Stufen geplant

Meta denkt größer. Der Punkt soll nicht dauerhaft in der Kontaktinfo versteckt bleiben. Laut t3n soll der grüne Punkt zunächst nur in der Kontaktinfo erscheinen und später in weiteren Bereichen der App ausgerollt werden: in der Chatübersicht, damit du auf einen Blick siehst, welche Kontakte gerade aktiv sind, sowie im Chatkopf oben am Bildschirm – dort, wo aktuell noch „online“ als Text erscheint. Begleitet wird das von einem neuen Filter im Kontakte-Reiter, mit dem du gezielt Online- oder Offline-Kontakte einblenden kannst. Die Datenschutzeinstellungen bleiben dabei angeblich unangetastet.

Wer seinen Onlinestatus verborgen hat, wird auch keinen grünen Punkt bei anderen auslösen. Soweit die Theorie. Praktisch bedeutet das Feature aber: noch mehr soziale Kontrolle. WhatsApp wird damit ein Stück weit zu Slack oder Teams – Plattformen, auf denen Präsenz-Anzeigen zum Standard gehören. Nur dass wir bei WhatsApp nicht im Büro kommunizieren, sondern privat. Die Frage „Warum hast du nicht geantwortet, du warst doch online?“ dürfte künftig häufiger fallen.

Business Punk Check

Metas grüner Punkt ist die Lösung für ein Problem, das niemand hatte. Ja, andere Messenger nutzen ähnliche Anzeigen – aber dort macht es Sinn. In Slack will ich wissen, ob Kollegin X gerade erreichbar ist. Bei WhatsApp will ich genau das nicht. Der Messenger ist privat, spontan, asynchron. Die ständige Sichtbarkeit der eigenen Aktivität erzeugt unnötigen Druck. Wer jetzt schon genervt ist von den blauen Haken und dem Onlinestatus, wird den grünen Punkt hassen. Die eigentliche Frage: Warum macht Meta das?

Vermutlich aus demselben Grund, aus dem Facebook den grünen Punkt hat und Instagram schon seit Längerem einen grünen Punkt als Aktivitätsanzeige im Direktnachrichten-Bereich nutzt – Engagement. Sichtbare Aktivität triggert Interaktion. Wenn du siehst, dass jemand online ist, schreibst du eher. Mehr Chats bedeuten mehr Zeit in der App, mehr Daten, mehr Werbefläche. Meta denkt nicht an deine digitale Hygiene, sondern an Metriken. Unser Rat: Sobald das Feature live geht, checkt sofort eure Privatsphäreeinstellungen. Der Onlinestatus lässt sich deaktivieren – und sollte es auch. Wer wirklich mit dir reden will, schreibt ohnehin. Alle anderen müssen nicht wissen, wann du zuletzt auf WhatsApp warst. Der grüne Punkt ist keine Innovation, sondern ein weiterer Schritt in Richtung permanenter Erreichbarkeit. Und die hat noch niemanden produktiver gemacht.

Quellen: t3n, Schmidtisblog (zum WhatsApp-Feature); Samsung (allgemeine Erklärung zum grünen Android-Indikator für Kamera/Mikrofon)

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