Tech & Trends Wie mein Militär-Background mir in Zeiten der Insolvenz geholfen hat

Wie mein Militär-Background mir in Zeiten der Insolvenz geholfen hat

Marcus Schmidt führte Medneo durch die Insolvenz zu Beyond Imaging. Seine Militär-Erfahrung half ihm, das Team durch Unsicherheit zu navigieren. Sechs Prinzipien zeigen, wie Krisenkompetenz entsteht.

Ich war viele Jahre beim Militär. Vieles von dem, was ich dort gelernt habe, ist mir im Alltag lange gar nicht bewusst begegnet. Im vergangenen Jahr hat sich das geändert.

Medneo ist im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung zu Beyond Imaging geworden. Das Geschäftsmodell hat nicht mehr getragen, wir mussten Dinge abgeben, uns neu aufstellen und Strukturen verändern, und das alles, während der Betrieb weiterlief.

Das hat spürbar Unruhe ins Unternehmen gebracht. In die Abläufe, ins Team und in viele kleine Dinge, die vorher einfach funktioniert haben. Als Führungskraft gibt es in solchen Phasen Momente, in denen man zweifelt und merkt, wie viel Verantwortung man wirklich trägt.

Wenn Führung plötzlich konkret wird

Solange ein Unternehmen wächst und die Richtung stimmt, ist Führung oft planbar. Es geht um Ziele, Entwicklung und die nächsten Schritte. In einer Insolvenzphase verschiebt sich das vollständig. Plötzlich ist vieles unsicher. Oft ist unklar, was morgen passiert, und der Fokus liegt darauf, von Tag zu Tag weiterzumachen.

Gleichzeitig schauen die Mitarbeitenden sehr genau hin. Viele sind verunsichert, machen sich Gedanken über ihre Zukunft und erwarten Orientierung. Für mich war es wichtig, Dinge nicht zu beschönigen und gleichzeitig einen Rahmen zu geben, der Halt bietet. Das ist nicht einfach. Zu viel Offenheit kann verunsichern, zu wenig Transparenz aber ebenso. Und während man versucht, das richtige Maß zu finden, stehen die nächsten Entscheidungen bereits an.

Was mir aus einer anderen Zeit geholfen hat

In genau dieser Phase haben mir Dinge geholfen, die ich beim Militär gelernt habe. Nicht, weil sich die Situationen vergleichen lassen, sondern weil bestimmte Prinzipien plötzlich wieder sehr präsent waren.

1. Ruhe ausstrahlen
Beim Militär habe ich früh gelernt, dass sich Unsicherheit extrem schnell überträgt, vor allem in Situationen, in denen andere auf Orientierung angewiesen sind. Genau das habe ich auch in der Insolvenzphase wieder erlebt. In Gesprächen mit dem Team war die Anspannung oft spürbar. Umso wichtiger ist es in solchen Momenten, als Führungskraft Ruhe und Sicherheit zu vermitteln.

2. Klar kommunizieren
Klare Kommunikation ist im Militär entscheidend, gerade wenn wenig Zeit bleibt und viele Unsicherheiten im Raum stehen. Diese Erfahrung hat mir auch hier geholfen. In turbulenten Phasen entstehen schnell Gerüchte. Gerade wenn nicht alles offen ausgesprochen wird, füllen Menschen die Lücken selbst. Ich habe gemerkt, dass es hilft, Dinge früh anzusprechen, auch wenn noch nicht alles geklärt ist. Lieber klar benennen, was man weiß und was noch offen ist, als abzuwarten. Das schafft Orientierung.

3. Flexibel bleiben
Auch im Militär gilt: Ein Plan ist nur so gut, bis sich die Lage verändert. Diese Erfahrung hat mir auch während der Insolvenz geholfen. Pläne geben Orientierung, halten aber oft nicht lange. Ich erinnere mich an Tage, an denen wir morgens eine klare Richtung hatten und am Nachmittag bereits nachjustieren mussten.

4. Das Team im Blick behalten
Im Militär funktioniert vieles nur im Team. Man ist darauf angewiesen, dass sich jeder auf den anderen verlassen kann. Diese Erfahrung hat sich für mich auch in dieser Phase bestätigt. Viele Lösungen entstehen nicht allein in der Führung, sondern auch wenn Aufgaben ins Team abgegeben werden. Gerade wenn sich Strukturen verändern, wird sichtbar, wer Verantwortung übernimmt und sich einbringt.

5. Mit Fehlern umgehen
Im Militär wird viel Wert darauf gelegt, aus Fehlern zu lernen und sie offen zu analysieren. Genau das war auch in dieser Phase wichtig. Nicht jede Entscheidung ist am Ende die richtige. Es gab Situationen, in denen wir Entscheidungen getroffen haben, die wir kurze Zeit später wieder anpassen mussten. Wichtig ist, damit umzugehen und weiterzumachen.

6. Vorbild sein
Führung wird im Militär stark über Verhalten geprägt. Menschen orientieren sich daran, was man tut, nicht nur an dem, was man sagt. Genau das habe ich auch hier wieder erlebt. Mitarbeitende beobachten genau, wie man mit Situationen umgeht – vor allem in schwierigen Momenten.

Was von solchen turbulenten Phasen bleibt

Natürlich ist eine Insolvenz keine Phase, die man sich wünscht. Und mittendrin fühlt es sich auch nicht so an, als würde man besonders viel lernen. Es geht vor allem darum, den Überblick zu behalten und Schritt für Schritt weiterzumachen.

Rückblickend hat sich mein Blick darauf verändert. Vieles von dem, was ich aus dem Militär kannte, hat sich unter anderen Vorzeichen bestätigt. Weniger der Anspruch, alles im Griff zu haben. Mehr das Verständnis dafür, wie wichtig es ist, präsent zu sein und Orientierung zu geben, auch wenn nicht alles klar ist.

Für mich bleibt aus dieser Zeit vor allem ein Gedanke: Führung zeigt sich nicht dann, wenn alles funktioniert. Sondern in den Momenten, in denen man Entscheidungen treffen muss, obwohl man sich eigentlich andere Optionen gewünscht hätte.

Über den Autor
Marcus Schmidt ist CEO des Diagnostikdienstleisters Beyond Imaging. Nach seiner Zeit beim Militär, in der er prägende Führungserfahrung sammelte, wechselte er in den Healthcare-Sektor. Heute fokussiert er sich auf den Aufbau und die Transformation radiologischer Versorgungsmodelle mit dem Ziel, Qualität, Innovation und Effizienz nachhaltig zu verbinden.

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