VW-Gotion-Deal: China zahlt mehr und führt die Feder
Das ist ökonomisch klug, geopolitisch aber ein heikles Signal. Die EU diskutiert seit Jahren über Abhängigkeit von chinesischen Batterietechnologien, während der größte europäische Autobauer genau diese Abhängigkeit vertraglich festschreibt. Besonders strategisch wichtig sei laut Schmall die geplante Anlage in Marokko, da es sich um eine der wenigen Fabriken für Kathodenmaterial außerhalb Chinas handeln werde. Die Anlage solle dazu beitragen, die Versorgungssicherheit Europas zu erhöhen, so die offizielle Lesart. Doch dass ausgerechnet ein chinesischer Konzern beim Aufbau europäischer Unabhängigkeit von China die Feder führt, ist eine Ironie, die in der Pressemitteilung naturgemäß fehlt.
Salzgitter bleibt außen vor
Nicht betroffen von der neuen Kooperation sind die PowerCo-Standorte in Salzgitter, wo Ende 2025 die Produktion anlief und im kanadischen St. Thomas. Diese Werke bleiben laut Schmall vollständig in VW-Hand. Die Süddeutsche Zeitung ordnet die Partnerschaft historisch ein: Erstmals kommt ein chinesischer Batteriehersteller mit eigenem Kapital für ein Gemeinschaftsprojekt nach Europa, statt lediglich als Zulieferer zu fungieren.
Das unterscheidet den aktuellen Schritt von früheren Kooperationsformen, bei denen chinesische Technologie meist nur zugeliefert oder lizenziert wurde. VW und Gotion kennen sich seit 2020, als der Wolfsburger Konzern beim chinesischen Unternehmen einstieg und dessen größter Aktionär wurde. Gotion unterstützte VW bereits beim Aufbau der Salzgitter-Fertigung. Die neue Vereinbarung vertieft diese Bindung nun um eine ganze Wertschöpfungsstufe und macht aus einer Kapitalbeteiligung ein operatives Bündnis mit gemeinsamer Führung dreier Fabriken auf zwei Kontinenten.
Business Punk Check
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte als die Pressemitteilung. Wenn der chinesische Partner mehr als doppelt so viel investiert wie der deutsche Weltkonzern, ist das keine Partnerschaft auf Augenhöhe, sondern ein Abhängigkeitsverhältnis mit europäischem Anstrich. Schmalls Formel von der „Win-win-Situation“ blendet aus, dass Gotion sich mit diesem Deal exakt jenen Zugang zum EU-Markt sichert, um den Brüssel mit Strafzöllen eigentlich ringt. Für Zulieferer und Mittelständler in der Batterie-Wertschöpfungskette bedeutet das eine unbequeme Kalkulation: Wer auf europäische Technologiesouveränität als Standortvorteil gesetzt hat, muss jetzt beobachten, ob PowerCo tatsächlich eigenständige Kompetenz aufbaut oder sich langfristig zum Ausführungsarm chinesischer Zelltechnologie entwickelt.
Die geplante Kathodenfabrik in Marokko ist dabei der eigentliche Testfall, denn sie soll Europas Abhängigkeit von chinesischem Vormaterial senken. Ob das gelingt, oder ob am Ende nur die Kontrolle über den Standort wechselt, wird sich erst zeigen, wenn die Anlage tatsächlich läuft.
Auf einen Blick
- VW-Batterietochter PowerCo und der chinesische Hersteller Gotion gründen drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und Marokko.
- PowerCo investiert bis 2030 rund 470 Mio. Euro für 49-Prozent-Anteile, Gotion bringt im Gegenzug rund 1,1 Mrd. Euro für den Standort Valencia auf.
- Die Standorte Salzgitter und St. Thomas in Kanada bleiben laut PowerCo-Chefaufseher Thomas Schmall von der Vereinbarung unberührt.
- VW und Gotion arbeiten bereits seit 2020 zusammen, VW ist größter Aktionär des chinesischen Herstellers.
Quellen: T Online, KI-unterstützt