style & design · Apple Vision Pro

Wie die neue Apple Vision Pro unser Leben verändert

Iphone VR
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Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 1.063 Wörter

Es müssen doch nicht immer Hunde, Katzen oder Goldfische sein. Ich habe zum ersten Mal im Leben einen Dinosaurier gestreichelt, einen Tyrannosaurus Rex. Er kam zu mir ins Wohnzimmer, wir hatten uns 66 Millionen Jahre nicht mehr gesehen. Mir war gar nicht bewusst, wie verdammt groß er ist. Aber zum Glück haben wir im Altbau die hohen Decken. Dann bin ich durch den 3,5 Milliarden Kilometer entfernten Ring des Saturn geklettert, das wollte ich schon als Kind mal machen. Und die EM-Spiele? Privat viewing natürlich. Ich habe sie mir auf einen sechs Meter Screen über mein Sofa gezogen. Was nach ganz normalem Alltag für Business Punks klingt, wird mit der neuen Apple Vision Pro noch ein bisschen cooler. Ab 12. Juli ist sie in Deutschland zu haben. Play hard: Wir haben die Mixed-Reality-Brille jetzt schon mal getestet.

Das Schöne an Zukunft ist: irgendwann klopft sie an die Tür und ist da. Sie passiert einfach, ob wir es wollen oder nicht. Was haben wir nicht alles gehört in den letzten Jahren über Virtual Reality oder Mixed Reality oder räumliches Computing. Herrliche Buzzwords für jedes Marketing- Panel und LinkedIn-Posting. Und jetzt heißt es plötzlich: genug geredet, lass machen.

Business Punk hat die Zukunft schon mal ausgepackt. Die Apple Vision Pro, 3.999 Euro teuer, ab 12. Juli auf den ersten Köpfen in Deutschland. Die gigantische Marge für den Apfel-Konzern: über 55%. Apple verdient an seiner Mixed-Reality-Brille noch mehr als mit seinen teuren Iphones. Eine neue Geldmaschine. Aber auch eine Art Zeit- und Raummaschine.

Star Treck Fans können sich vielleicht noch an diesen lustigen Raumschiff-Sprech erinnern, wenn Captain James T. Kirk, Commander Spock und Lieutenant Uhura darüber diskutiert haben, dass die Enterprise nun das Raum-Zeit-Kontinuum verlassen würde – ein Universum, in dem räumliche und zeitliche Dimensionen verschwimmen. Die Enterprise war schließlich auf dem Weg in unbekannte Galaxien und in eine Zukunft im fernen Jahr 2151. Was aus heutiger Sicht gar nicht mehr so viele Lichtjahre entfernt ist.

Business Punks, die die Apple Vision Pro aufsetzen, werden genau das fühlen: wie Realität, Zeit und Raum verschwimmen, als würde man in seinem eigenen Computer baden. Bisher stand das Laptop oder Ipad immer vor oder neben uns. Das Handy, klar: haben wir in der Hand. Die Brille aber: Sie bringt uns rein in die Bits and Bytes. Wir sind unsere eigene App, unser eigenes Game, unser eigener Stream, unser eigenes Programm.

Wahrscheinlich hatte Regisseur Steven Spielberg schon im Jahr 2018 heimlich eine Vision Pro auf, als er den dystopischen Science-Fiction Roman „Ready Player One“ verfilmte. Genauso wie in seinem Hollywoodmovie ist es: Die Vision Pro schießt uns mit allen Sinnen in eine eigene digitale Welt. Es dauert Sekunden: Und die Realität ist mixed. Was ist denn nun echt und was nicht?

Die MR-Brille liest uns die Wünsche im wahrsten Sinne des Wortes von den Augen. Unsere Linsen steuern jede Applikation. Wir brauchen nur noch Daumen und Zeigefinger zu bewegen, als würden wir nach einem Ladekabel greifen – und schon geben unsichtbare Mikro-Kameras die Befehle weiter.

Du setzt die Brille auf, und schon bist du nicht mehr in deinem kleinen Home-Office, sondern am Strand oder in den Bergen oder auf dem Mond – von wo auch immer du arbeiten möchtest: die Räume bauen sich vor dir, neben dir, über und unter dir auf.

Du möchtest etwas präsentieren? Schon entsteht eine große Bühne für dich. Du stehst on stage. Im Spotlight. Du kannst es gern etwas dimmen, wenn es dir zu hell sein sollte. Oder du gehst in einen stylischen Meetingraum.

Die Tastatur: du schiebst sie an die Wand, über den Tisch oder vors Fenster. So klein oder so groß wie du möchtest.

Ein Blick nach oben – und schon purzeln die Apps in dein Sichtfeld. Schau mir in die Augen, kleine App. Oder eben großer Tyrannosaurus Rex. Ich strecke meine Hand vorsichtig aus, weil ich nicht weiß, ob er mich doch beißt. Ich schrecke zurück und falle fast über den Wohnzimmertisch. Das also bedeutet mixed Reality: Wenn du ein 66 Millionen Jahre altes Haustier streicheln möchtest und über deinen neuen Designertisch stolperst.

Ich blinzele youtube an und schau mir den verschossenen Elfmeter von Cristiano Ronaldo im EM- Achtelfinale gegen Slowenien an. Mit zwei Fingern ziehe ich mir den Screen quer durchs Wohnzimmer. Cristiano weint so dicht vor mir, dass ich zeitweise denke, seine Tränen tropfen mir gleich in meinen Negroni.

Das Deutschlandspiel lasse ich unter der Zimmerdecke anpfeifen, so kann ich den Screen sechs bis acht Meter breit aufziehen. Und freu mich, dass ich mir nicht vor der EURO24 einen dieser XXL-Fernseher vom Media Markt gekauft habe, weil man ja bei diesen Großereignissen schon immer ein bisschen FOMO hat: Diese Fear of missing out a goal…

Mit virtuellen Screens hat sich auch das Thema Dübel digitalisiert. Bye-bye Bohrmaschine. Nichts hält mich mehr. Ihr kreise auf der Umlaufbahn mit Merkur und Mars. Drehe die Racetracks der wichtigsten Formel-1-Strecken vor mir von Kurve zu Kurve. Und drücke meine Nase so neugierig in die Gemälde von Van Gogh und Warhol, dass jedem Museumswärter im MOMA oder in der Pinakothek die Naht an seinem grauen Anzug platzen würde.

Play hard – es wird mit der Apple Vision Pro noch krasser.

Der Warnhinweis für alle Business Punks: Nach drei Stunden mit der Apple Vision Pro droppen mir die Worte von Tech-Professor Scott Galloway ins Resthirn. In seinen legendären Predictions hatte er prophezeit, was die größte Challenge 2024 in der digitalen Welt sein wird. Er nannte es: Einsamkeit! Dass sich Menschen in digitale Welten flüchten, ohne Außenkontakt und so immer mehr vereinsamen. Jeder siebte Amerikaner habe keinen einzigen Freund, jeder Fünfte könne keinen besten Freund benennen.

Die Apple Vision Pro ist Segen und Flucht zugleich. Egal, wie schön oder schlecht du wohnst, ob du aufgeräumt hast oder die alten Pizzakartons in der Küche anfangen zu schimmeln: Mit der MR- Brille blendest du das alles aus.

Sie sollte deshalb einen Warnhinweis auf der Packungsbeilage haben: Pass auf, dass die virtuelle Welt am Ende nicht besser ist als deine eigene.

Unser Play-hard-Hack: Wenn wir demnächst überall in den U-Bahnen, Flugzeugen und Straßencafes Menschen mit VR-Brille sehen – einfach mal ansprechen und in die Realität zurückbeamen!

Portrait Tom Junkersdorf

Tom Junkersdorf