Work & Winning Grau ist die Zukunft: Tokios Gründer entdecken Rentner als Zielgruppe

Grau ist die Zukunft: Tokios Gründer entdecken Rentner als Zielgruppe

Die gesammelten Informationen werden, je nach Bedarf, nämlich automatisch zu Smartphones von Angehörigen und Informationssystemen von Pflegeheimcomputern geschickt. Eigentlich geht es den beiden aber darum, Notfälle zu verhindern. Das System von Z-Works soll aus den gesammelten Daten allmählich lernen, welche Merkmale auf eine brenzlige Gesundheitssituation schließen lassen. Dann soll, ähnlich wie beim Sicherheitsroboter von Seqsense, eine Warnung rausgeschickt werden.

Gerade läuft eine neue Finanzierungsrunde, mit der Z-Works das Investitionsvolumen auf umgerechnet rund 4,7 Mio. Euro anheben will. Gleichzeitig soll das Startup 2019 rentabel arbeiten. „Wir werden wohl in Kürze 150 Pflegeheime beliefern und führen im Moment Gespräche mit einem Anbieter von häuslicher Pflege“, sagt Takahashi. Der Markt ist riesig – zumal mit Blick ins Ausland.

Internationaler werden

Für Z-Works war Tokio der logische Standort für die Unternehmensgründung. Takahashi zog dafür nach 13 Jahren im Silicon Valley aus Kalifornien zurück nach Japan. Damit ist er jedoch ein Sonderfall. Denn obwohl in Japans Hauptstadt über 150 Universitäten angesiedelt sind und bestens ausgebildete Mitarbeiter zu finden wären, zieht es die meisten immer noch in die Konzerne. Auch ein Grund, warum Tokio bisher nicht zum Startup-Hub geworden ist.

In Roppongi, einem der beliebtesten Ausgehviertel der Stadt, versucht man hoch oben in einem Büroturm dagegen anzugehen. Die Metropolregierung hat vor drei Jahren hier mit der Staatsregierung das Tokyo One-Stop Business Establishment Center, kurz Tosbec, eingerichtet. Alle administrativen Schritte der Unternehmensgründung können hier vorgenommen werden, inklusive einer Beratung zum Thema Fundraising. Und besonders wichtig: Alles geht nicht nur auf Japanisch, sondern auch auf Englisch.

Shingo Noguchi will Startups nach Tokyo locken und setzt auf den alternden Arbeitsmarkt. Foto: Deby Sucha

„Wir wollen Gründer aus der ganzen Welt anziehen“, sagt Shingo Noguchi. Der junge Mann trägt einen schwarzen Anzug und wirkt damit wie der typische japanische Beamte. Aber Noguchi gibt sich alle Mühe, die gefürchtete Bürokratie des Landes so gering wie möglich zu halten. Das Programm, das er vorlegt, ist für japanische Verhältnisse tatsächlich beeindruckend unkompliziert. „Binnen zwei Wochen kann man bei uns alle Formalitäten erledigt haben und schon die Geschäfte aufnehmen“, erklärt Noguchi. Seit 2015 hat Tosbec gut 5 000 potenzielle Unternehmer beraten, über 160 ausländische Gründer entschieden sich für Tokio als neuen Standort. Noguchi ist zufrieden: „Ein Drittel der Startups, die über unser System gegründet haben, kommen aus dem Ausland.“

Aber es sollen mehr werden. Ein Team aus Hongkong hat hier gerade eine Plattform gegründet, die Produktionsprozesse für orthopädische Gesundheitsartikel erleichtert. Und ein französischer Unternehmer arbeitet an intelligenten Schuhen, die bei Alzheimerpatienten Unfällen vorbeugen sollen. Für beide Startups sei der Absatzmarkt entscheidend, sagt Noguchi. Und der sei für ihre Nischen eben nirgendwo auf der Welt so groß wie in Japan. Trotzdem ist Noguchi noch nicht zufrieden: „Tokio als Standort ist noch zu unbekannt.“ Doch der Anfang ist gemacht, und die Chancen stehen gut, dass die Silver-Tech-Pioniere dazu beitragen werden, die Stadt im Wettbewerb um die globale Gründercommunity ein paar Plätze nach vorne zu bringen.

 

Der Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. Darin stellen wir 100 Gründer, Macher und Kreative vor, von denen wir 2019 Großes erwarten. Auf dem Cover: Aya Jaff. Die 23-Jährige ist Deutschlands bekannteste Programmiererin. Weitere Themen im Heft: NSFW, ein Sexklub für die Generation Instagram. Außerdem: Dan Palami. Der philippinische Unternehmer will die Fußball-Nationalmannschaft des Landes an die Spitze der Fifa-Tabelle führen – und viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.

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