Work & Winning Trigema-Patriarch Wolfgang Grupp: Comeback dank Familie

Trigema-Patriarch Wolfgang Grupp: Comeback dank Familie

Wolfgang Grupp spricht erstmals über seine Altersdepression und den Suizidversuch. Der 83-jährige Trigema-Gründer fand zurück ins Leben – durch Familie, Medikamente und eine neue Rolle als Großvater.

Wolfgang Grupp hat 55 Jahre lang Trigema geführt, dann kam die Übergabe an seine Kinder Bonita und Wolfgang Junior. Was folgte, war keine entspannte Rente, sondern eine existenzielle Krise. Im Juli 2025 machte der 83-Jährige seinen Suizidversuch öffentlich – ein Schock für die deutsche Wirtschaftswelt. Jetzt spricht er erstmals ausführlich über Depression, Lebensmut und seinen Weg zurück.

Leere nach 55 Jahren Verantwortung

Der Rückzug aus der operativen Führung traf Grupp härter als erwartet. Nach über fünf Jahrzehnten an der Spitze des  Textil- und Bekleidungsherstellers stand er plötzlich vor einem Vakuum. Die Kurzschlussreaktion bereut er heute, wie er laut WirtschaftsWoche erklärt. Seine Familie hielt ihn auf – Frau Elisabeth, die Kinder, das Enkelkind. Mittlerweile nimmt er täglich Medikamente, die Depressionen sind verschwunden.

Die Rückkehr ins Leben bedeutet auch: Rückkehr zu Trigema. Grupp geht wieder regelmäßig ins Unternehmen, arbeitet an seiner Biografie. Seine Kinder führen die Firma eigenständig – manchmal gegen seinen Willen. Die Eröffnung eines Trigema-Geschäfts in Leipzig hielt er für überflüssig. Seine Familie setzte sich durch. Eine neue Erfahrung für den Mann, der jahrzehntelang jede Entscheidung allein traf.

Machtkampf mit dem Vater als Gründungsmythos

Ende der 1960er brach Grupp seine Doktorarbeit ab, um Trigema zu retten. Sein Großvater hatte das Unternehmen aufgebaut, sein Vater es in die Krise geführt – zehn Millionen Mark Schulden. Grupp setzte auf T-Shirts, ritt die Welle aus Amerika. Sein Vater blockierte ihn. Es folgte ein brutaler Machtkampf, den Grupp gewann – mit Unterstützung der Mitarbeiter.

Heute versteht er die Kränkung seines Vaters, bereut sie aber nicht. Ohne diese Verdrängung, so seine Überzeugung, gäbe es Trigema nicht mehr. Seine Popularität erklärt sich Grupp mit Werten: Produktion ausschließlich in Deutschland, garantierte Arbeitsplätze, der kultische Affe in der Tagesschau-Werbung. Diese Haltung bringt Trigema Neukunden – und macht Grupp zur Projektionsfläche für politische Debatten.

Politische Positionierung zwischen den Fronten

2023 empfing Grupp AfD-Chef Tino Chrupalla in Burladingen. Seine Begründung laut dem Interview mit der WirtschaftsWoche: Er empfange jeden, alles andere wäre fatal. Trigema beschäftigt Mitarbeiter aus vielen Ländern, auch Geflüchtete. Chrupalla habe er gesagt, dass die Firma ohne Ausländer nicht funktionieren könne.

Zur Landtagswahl in Baden-Württemberg wählte Grupp CDU – und kritisierte sie für den verlorenen Vorsprung. Seine Strategie: AfD-Wähler nicht ausgrenzen, sondern zurückgewinnen. Ein pragmatischer Ansatz, der zeigt, wie Grupp tickt. Kein ideologischer Kreuzzug, sondern Realpolitik aus Unternehmersicht. Diese Haltung machte ihn zur Ausnahmeerscheinung in der deutschen Wirtschaft – authentisch, polarisierend, kompromisslos.

Neuer Lebenssinn durch Enkelkind

Heute ist Grupp Großvater. Seine Tochter Bonita wohnt nebenan, er sieht das Enkelkind täglich und schwärmt davon. Jeden Morgen betet er in der Hauskapelle, gedenkt der Toten, dankt für sein Leben. Er ist überzeugt, eines Tages Rechenschaft ablegen zu müssen. Mit 84 Jahren hat Grupp Frieden mit seiner neuen Rolle gefunden – nicht mehr Patriarch, sondern Berater, Großvater, Zeitzeuge.

Quellen: WirtschaftsWoche

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