Work & Winning Warum dein Top-Job dich trotzdem unglücklich macht

Warum dein Top-Job dich trotzdem unglücklich macht

Objektiv guter Job, subjektiv am Ende: Psychologin Svea von Hehn erklärt, warum Gehälter und Titel nicht vor Unzufriedenheit schützen – und was dein Gehirn damit zu tun hat.

Sie haben den Job, von dem andere träumen. Das Gehalt stimmt, der Titel beeindruckt, die Benefits sind großzügig. Und trotzdem fühlt es sich an wie eine gut bezahlte Hölle. Svea von Hehn kennt dieses Phänomen aus 14 Jahren Unternehmensberatung – und erklärte dies neurologisch in einem Interview bei t3n.

Die promovierte Psychologin und Gründerin der Unternehmensberatung Return on Meaning hat in ihrer Karriere unzählige Top-Manager getroffen, die trotz objektiv hervorragender Positionen zutiefst unglücklich waren. Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete von Hehn als Engagement Manager bei McKinsey in Dubai, heute berät sie mit ihrem Team internationale Unternehmen – und betreibt nebenbei ein Pro-Bono-Projekt an einer Berliner Grundschule, wo sie Schülern und Lehrern Achtsamkeit vermittelt. Ein ungewöhnlicher Spagat zwischen Boardroom und Klassenzimmer.

Der Fehler liegt im System, nicht in dir

Von Hehn führt die Unzufriedenheit trotz guter Jobs auf einen fundamentalen Konflikt zurück: Was unser Gehirn braucht, um gesund zu bleiben, steht im krassen Gegensatz zu dem, was moderne Arbeitswelt von uns verlangt. Die Amygdala, die zentrale Schaltstelle für emotionale Verarbeitung, läuft im Dauerstressmodus – selbst wenn der LinkedIn-Post etwas anderes suggeriert.

Das erklärt, warum Phänomene wie Great Resignation und Quiet Quitting keine Modeerscheinungen sind, sondern neurologische Notbremsen. Besonders die Generation Z hat das verstanden: Sie priorisiert mentale Gesundheit über Prestige, weil ihr Gehirn klarer signalisiert, dass etwas nicht stimmt. Von Hehn sieht darin keine Arbeitsverweigerung, sondern eine überfällige Korrektur.

KI macht es nicht besser – im Gegenteil

Ein weiterer Stressfaktor, den von Hehn in ihrer Arbeit beobachtet: der Aufstieg von KI am Arbeitsplatz. Statt Entlastung bringt die Technologie oft zusätzlichen Druck, wie t3n berichtet. Wer permanent befürchtet, dass Algorithmen effizienter arbeiten als er selbst, aktiviert dieselben Angstzentren wie bei existenzieller Bedrohung.

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen Säbelzahntiger und ChatGPT – Stress ist Stress. Die Ironie: Während Unternehmen Millionen in KI-Tools investieren, ignorieren sie die Gehirngesundheit ihrer Mitarbeiter. Return on Investment lässt sich berechnen, Return on Meaning nicht – also fällt Letzteres unter den Tisch.

Business Punk Check

Von Hehns These ist unbequem, weil sie das Versprechen der Leistungsgesellschaft dekonstruiert: Mehr verdienen, höher klettern, größer denken – und am Ende glücklich sein. Funktioniert nicht, sagt die Neurowissenschaft. Das Problem: Unternehmen wollen quick fixes, keine grundlegende Transformation ihrer Arbeitskultur. Achtsamkeits-Apps und Obstkorb reichen nicht, wenn die Struktur krank macht. Was hilft?

Ehrlichkeit darüber, dass der gute Job vielleicht einfach der falsche ist. Und die Erkenntnis, dass dein Gehirn nicht kaputt ist – sondern das System, in dem du funktionieren sollst. Von Hehns Pro-Bono-Arbeit an der Grundschule zeigt, wo sie die wirkliche Disruption sieht: bei der nächsten Generation, bevor sie ins Hamsterrad steigt.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Return on Meaning?

Return on Meaning ist die Unternehmensberatung von Psychologin Svea von Hehn, die sich auf den Zusammenhang zwischen Sinnhaftigkeit, Gehirngesundheit und Arbeitsleistung spezialisiert hat. Die Beratung arbeitet mit internationalen Unternehmen und deren Führungskräften.

Warum macht KI am Arbeitsplatz zusätzlichen Stress?

KI-Tools erzeugen oft Leistungsdruck statt Entlastung. Die permanente Sorge, von Algorithmen ersetzt zu werden, aktiviert dieselben Angstzentren im Gehirn wie existenzielle Bedrohungen – das Gehirn läuft im Dauerstressmodus.

Welche Rolle spielt die Amygdala bei Jobunzufriedenheit?

Die Amygdala ist die zentrale Schaltstelle für emotionale Verarbeitung im Gehirn. Bei chronischem Arbeitsstress läuft sie im Dauermodus und verhindert, dass wir trotz objektiv guter Bedingungen Zufriedenheit empfinden können.

Was unterscheidet Generation Z im Umgang mit Jobunzufriedenheit?

Generation Z priorisiert mentale Gesundheit über Prestige und Status. Sie reagiert sensibler auf neurologische Warnsignale und zieht früher die Notbremse – was Phänomene wie Quiet Quitting erklärt.

Quellen: t3n

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