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Zeekr 7X: Licht an, Regeln aus

Zeekr 7X: Licht an, Regeln aus
Credit_Zeekr
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit3 Min · 640 Wörter

Taika Waititi hängt einen Zeekr 7X an die Studiodecke und zerlegt nebenbei die üblichen Regeln der Autowerbung. Sieben irre Welten, ein einziger Scheinwerfer – und kein KI-generiertes Hochglanzmärchen.

Küstenstraße, Sonnenuntergang, SUV in Dreiviertelansicht, Felge blitzt: Autowerbung kann erschreckend vorhersehbar sein. Zeekr und Oscar-Regisseur Taika Waititi machen deshalb das Gegenteil – und lassen das Auto nicht fahren, sondern die komplette Kampagne beleuchten.

Bild: Ein gut zwei Tonnen schweres Elektro-SUV von Zeekr, das nicht fährt, nicht glänzt, nicht posiert. Es leuchtet nur.

Schluss mit Hochglanz-Langeweile

Studio West in Auckland. Der Zeekr 7X hängt an Stahlseilen unter der Decke, alle Studioleuchten sind aus. Die einzige Lichtquelle: die Scheinwerfer des Elektro-SUV. Was ihr Lichtkegel trifft, existiert. Der Rest verschwindet im Schwarz. Kein Fill Light, kein Rim Light, kein Sicherheitsnetz für den Kameramann. Ausgerechnet ein Autoscheinwerfer, konstruiert für maximale Sicht auf der Straße, muss plötzlich Menschen, Kulissen und komplette Szenen inszenieren. „Alles wurde auf dieselbe einfache Weise beleuchtet“, sagt Waititi. „Das hat uns gezwungen, jede Szene sehr präzise und fokussiert zu denken.“ Aus einer technischen Beschränkung wird die Ästhetik der ganzen Kampagne.

Sieben Welten, null KI

Aus einem Studio entstehen sieben komplett unterschiedliche Welten: UFO-Entführung, Steinzeit, Abrissparty, Muskelwahnsinn, Gelage, Blitzlichtgewitter und ein Strand mit zwei Sonnenverbrannten, denen der ganze Irrsinn ziemlich egal ist. Das Entscheidende: Die Szenen wurden gebaut und direkt mit der Kamera aufgenommen. Kulissen, Requisiten, Menschen – statt Prompt und Rendering. „Keine KI. Reine Handarbeit“ wird damit fast schon zum Gegenentwurf einer Werbewelt, in der perfekte Bilder inzwischen in Sekunden entstehen. Drei Wochen Kulissenbau wirken 2026 plötzlich nicht altmodisch, sondern luxuriös. Die eigentliche Botschaft lautet deshalb weniger „Unser Auto kann viel“ als: Wir haben uns verdammt viel Mühe gegeben.

China will mehr als Datenblätter

Zeekr gehört zum chinesischen Geely-Konzern, zu dessen Markenportfolio auch Volvo und Polestar zählen. Mit dem 7X will die Premium-Elektromarke auch in Deutschland angreifen. Technisch bringt das SUV dafür einiges mit: 800-Volt-Architektur, bis zu 475 kW Spitzenleistung in der Topversion und einen WLTP-Verbrauch zwischen 17,7 und 19,9 kWh pro 100 Kilometer. Doch Zahlen allein verkaufen noch keine neue Marke. Wer gegen etablierte Namen wie Audi oder BMW antreten will, braucht Aufmerksamkeit – und Vertrauen.

Hollywood statt Reichweiten-Schlacht

Genau hier kommt Taika Waititi ins Spiel. Oscar für „Jojo Rabbit“, Kultstatus mit „What We Do in the Shadows“, dazu „Thor“ mit reichlich Humor: Waititi besitzt etwas, das sich nur schwer in Media-Budgets einkaufen lässt – eine erkennbare Handschrift. Zeekr leiht sich diese Handschrift, ohne das Auto permanent in die Kamera zu drücken. Der 7X wird nicht zum Hauptdarsteller, sondern zum Werkzeug. Das ist der clevere Teil der Inszenierung: Das Produkt beleuchtet die Geschichte, statt sie mit dem üblichen Werbe-Grinsen zu unterbrechen.

Das Auto verschwindet – und gewinnt

Die stärkste Idee steckt deshalb in einer simplen Umkehrung. Normalerweise will ein Auto gesehen werden. Waititi nimmt ihm genau diesen Auftritt. Der Zeekr hängt außerhalb des Bildes und entscheidet nur noch darüber, was wir sehen. Das Produkt wird vom Motiv zum Blick. Und plötzlich stehen Menschen im Zentrum: albern, aufgeblasen, gefräßig, zögernd oder sonnenverbrannt. Der 7X liefert lediglich das Licht für diesen Wahnsinn.

Bild: Ein chinesischer Hersteller braucht einen Oscar-Regisseur

Abrissbirne für die Autowerbung

Eine der sieben Szenen heißt passenderweise „Abrissparty“. Manchmal müsse etwas aufgebrochen werden, damit Neues entstehen könne, lautet die Idee dahinter. Das lässt sich auf Elektromobilität beziehen. Viel schöner passt es aber zur Werbung selbst. Vielleicht muss tatsächlich erst jemand das Auto unter die Studiodecke hängen, sämtliche Lampen ausschalten und die Küstenstraße endgültig sprengen, damit Autowerbung wieder interessant wird. Und dann steht am Ende der Pressemitteilung dieser herrlich nüchterne Satz: CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km. Nach UFOs, Muskelbergen und Abrissparty übernimmt eben doch wieder die deutsche Autowerbungspflicht.

Portrait Susie von den Stemmen

Susie von den Stemmen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in den Medien hat Susie eine vielseitige Karriere als TV-Redakteurin, Print- und Online-Journalistin verbracht. Ihr Fokus liegt auf Kultur, Auto- und Lifestylethemen, in denen sie eine umfassende Expertise aufgebaut hat. Diese Tätigkeiten haben ihr die Möglichkeit eröffnet, faszinierende Orte zu bereisen und ein umfassendes Netzwerk im Bereich der Persönlichkeiten hinter den Marken und VIPs aufzubauen. Susies beruflicher Werdegang begann nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Germanistik mit einer ersten Berufsstation beim Disney Club (ARD), gefolgt von Redaktionsarbeiten für Gottschalk Late Night (RTL) und Jay Leno (NBC Los Angeles). Sie hat zahlreiche Fernsehaufträge für verschiedene Sender durchgeführt, darunter die Produktion von TV Beiträgen, Leitung von Studioredaktionen und die Akquise von Neugeschäft. Nachdem sie mit ihrer Familie nach Hamburg gezogen ist, hat sie ihre Karriere im Printbereich gestartet, zunächst bei Park Avenue für Gruner & Jahr und später bei Gala und anderen renommierten Titeln. Als VIP-, Automobil- und Kultur-Beauftragte hat sie weiterhin die Welt bereist, ihr Netzwerk ausgebaut und ihre Leidenschaft für die Auto-, Reise- und Genussszene vertieft. Aktuell leitet sie das Office! von den Stemmen in Hamburg und München. Kunden waren und sind: Bild, Cosmopolitan, Travellers World, Ramp, Audi Magazin, Air Tours, Lufthansa Magazin, DB Magazin, Tagesspiegel, Myself, Zeit Online, Instyle Men und nun auch Business Punk. Neben ihrem Wohnsitz in Hamburg ist sie dank ihrer Porsche Rennlizenz weltweit im Einsatz, um fesselnde Geschichten rund um Automobilität, Kultur und Lifestyle zu generieren.