Productivity & New Work Story-Trolley: Der Einkaufswagen der Zukunft

Story-Trolley: Der Einkaufswagen der Zukunft

Wie glücklich ist eigentlich das Huhn, von dem mein Ei kommt? Wie wäre es, wenn wir diese Information dann bekommen, wenn wir sie brauchen, nämlich beim Einkauf im Supermarkt? Eigentlich sind diese Informationen schon längst da und werden von Produzenten, Wissenschaftlern und Marketing-Abteilungen genutzt. Beim Endverbraucher kommt die Big Data bisher fast nur in Form von Werbebotschaften oder Nährstofftabellen an. Um das zu ändern, arbeiten Marco Maas, Jakob Vicari und Michael Grotenhoff im Lab Datatelling der PHASE XI an einem Prototyp. Bis Oktober werden sie den ersten Einkaufswagen bauen, der dem Kunden im Supermarkt journalistische Hintergrundinformationen zu den Lebensmitteln bietet: den Story-Trolley.

Foto: Ariane Kaiser/Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Aber wozu eigentlich genau ein Story-Trolley? Jakob Vicari beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Sensorjournalismus. Tatsächlich ist es so, dass solche Daten bereits überall existieren, jedoch journalistisch so gut wie nicht aufgearbeitet werden. Sie dienen den Produzenten und finden maximal auf den Etiketten der Lebensmittel einen Platz, wo sie über Zutaten, Herkunft und Verfallsdatum Auskunft geben. „Wir möchten keinen Investigativ-Journalismus betreiben. Es geht uns darum, die Fülle der Daten objektiv und journalistisch verpackt dem Kunden zur Verfügung zu stellen“, betont Vicari. Der Kunde soll die Möglichkeit haben, die Informationen dann abzurufen, wenn er sie auch nutzen kann. Zum Beispiel, wenn er sich am Kühlregal für eine Butter oder Milch entscheiden möchte. Ob die Information in Form eines kurzen Videos, Podcasts oder Texts eingespielt wird, ist dabei noch offen.

Das Lab Datatelling in Lüneburg beschäftigt sich im Rahmen des Zukunftsprojekts PHASE XI mit dem Thema der Datennutzung für journalistisches Storytelling. Der Wissenschaftsjournalist Jakob Vicari, der Geschäftsführer einer Datenjournalismusagentur, Marco Maas und der Filmproduzent Michael Grotenhoff beschäftigen sich damit, wie man die Datenflut für den Journalismus verwerten kann und fragen, wo und wann Journalismus heute abgerufen wird. Für ihr Big-Data-Projekt nehmen sie die Lebensmittelindustrie als Beispiel, da in diesem Bereich gut verwendbare Daten gesammelt werden. Ihr Lab ist Teil der PHASE XI – eine Expedition mit der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ein Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert und vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes ausgeführt wird. In 8 Themenfeldern von Ernährung über Mobilität bis Ländlicher Raum werden Prototypen entwickelt, die neue Perspektiven auf gesellschaftlich und wirtschaftlich relevante Themen liefern. „Wir matchen Kreativschaffende mit anderen Branchen und zeigen anhand von Best Practice Beispielen die Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik auf“, erläutert Ivana Rohr, Projektverantwortliche PHASE XI beim Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes.

Lab Datatelling

Smart Home, Smart Car und Smart Living kennt mittlerweile fast jeder im Kontext des Internets der Dinge. Alles Angebote, die sich hauptsächlich auf Konsumprodukte beziehen. Es geht um Service- und Sicherheitssysteme, um Kauferleichterungen und Schrittzähler. Laut eines Online-Berichts der Webseite Digitaler Mittelstand waren 2016 bereits weltweit 16,4 Milliarden vernetzte Geräte auf dem Markt. „Wir möchten die Datenschätze heben, um sie dort zur Verfügung zu stellen, wo sie dem Endverbraucher wirklich nutzen“, erklärt Marco Maas. Hinter dem Lab Datatelling steckt mehr als die Anwendung moderner Technologie. Es geht neben einer Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten auch um eine Spiegelung der Gefahren der allgegenwärtigen Datenflut. „Überall da, wo ich moderne Technologie nutze, mache ich mich und mein Verhalten auch transparent“, fasst Marco Maas die Sorge vieler Menschen zusammen. „Wir möchten zeigen, dass es viele sinnvolle Möglichkeiten gibt, verantwortungsvoll und zukunftsweisend mit den Technologien umzugehen.“

Foto: Ariane Kaiser/Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Eine große Herausforderung des Labs wird sein, mit den minimalistischen Mitteln, die für die Informationsvermittlung beim Einkauf zur Verfügung stehen, den Verbraucher zu erreichen. „Wir kalkulieren mit einem Zeitfenster von ca. 15 Sekunden“, erläutert Datenjournalist Marco Maas ihre Herangehensweise. „Wir probieren verschiedene Varianten aus, identifizieren Probleme und Schwierigkeiten.“ Erst den Prototyp entwickeln und testen und dann in die Analyse gehen, anstatt viel Zeit auf Chancenkalkulationen im Vorfeld zu verwenden. „Wir haben die Freiheit, weit zu denken, auszuprobieren und Ergebnisse zu sammeln“, beschreibt Marco Maas das Vorgehen. „Sobald konkrete Daten vorliegen, können wir ganz gezielt nach Lösungen suchen.“

Ihr wollt wissen, wie es mit dem Story-Trolley weitergeht? Hier im Logbuch der PHASE XI postet das Team regelmäßig seine Fortschritte.

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