Richtig connecten: Mit diesen Tipps wirst du zum Netzwerk-Profi

Zugegeben: Das mag sich auf Anhieb anhören wie die urälteste No-Brainer-Geschichte, die je an dieser Stelle in diesem Heft stand: Networking ist für den Erfolg im Berufsleben wichtig. Dabei geht es darum, gute Bande zu den richtigen Leuten aufzubauen, um schneller und eleganter ans Ziel zu kommen. Es geht ein bisschen um Inspiration und ein bisschen mehr noch um Vitamin B, man kann so aus den Erfahrungen anderer lernen, ohne selber auf die Schnauze zu fallen, und man kann die besseren Deals machen, wenn man von Mensch zu Mensch verhandelt. Bla, bla, bla.

Das alles stand schon vor 15 Jahren in Zeitschriften und Magazinen, damals als irgendwie hip und neu gefeiert. Was da oft nicht stand, ist, wie ätzend aktives Networking sein kann. Auf fremde Menschen zustürmen und sich selbst über den grünen Klee loben. Auf schrägen Branchenevents abhängen, billigen Prosecco trinken und diesen Labersack aus der Provinz nicht mehr loswerden, der sich als „selbstständiger Businessconsultant“ vorgestellt hat und ein Buzzword ans nächste reiht in sonst zusammenhangslosem Gibberish. Holperige Gesprächseinstiege, Verhaspler, nervöse Flecken, Mundgeruch. Und danach? 24 Visitenkarten von komischen Käuzen und Kopfschmerzen. Muss das so sein? Monika Scheddin, Coach, Autorin und Expertin in Sachen „richtig netzwerken“, sagt: Leider ja. Sie hat aber auch ein paar wertvolle Tipps, wie man besser darin wird, ein tatsächlich nützliches Netzwerk von Businesskontakten aufzubauen.

Frau Scheddin, ganz ehrlich: „Networking“ klingt für mich nach OpenBC und Nullerjahre. Macht man das echt noch?

Natürlich, Networking brauchen wir immer. Das ist wie Essen, Schlafen, Trinken.

Aber wir sind doch eh alle in ­etlichen Netzwerken, von Whatsapp über Facebook, Instagram bis Linkedin.

Das sind nur Techniken, die man zum Netzwerken nutzen kann. Networking selbst ist keine Technik, sondern eine Haltung. Die gilt es zu lernen und zu beherrschen. Denn: A fool with a tool is still a fool.

Aber muss Netzwerken wirklich immer noch unter vier Augen mit verkrampftem Smalltalk und rotem Kopf stattfinden?

Weil Sie eben OpenBC ansprachen: Als der Vorgänger von Xing noch ganz neu war, habe ich einmal mit dem Gründer Lars Hinrichs auf einem Podium in Köln über das Thema Businessnetzwerke gesprochen. Für ihn, einen völlig introvertierten Typen, war es damals sehr wichtig, dass sein Netzwerk automatisiert, geregelt und so wenig persönlich wie möglich funktioniert. Weil das seiner Persönlichkeit entsprach. Ich war völlig entsetzt. Denn natürlich gibt es Hierarchien von Netzwerkkontakten. Es gibt Massekontakte, die kann ich mit einem solchen Medium pflegen. Es gibt aber auch Klassekontakte, für die es das persönliche Gespräch braucht. Grundregel: zweimal pro Jahr Kontakt suchen, einmal sehen, einmal telefonieren.

Hilft es, wenn man auf ausge­wiesene Netzwerk-Events geht?

Netzwerk-Events sind schöne Anfängermodelle, mit denen man gut üben kann. Da geht fast jeder hin, der beginnt, ein Netzwerk aufzubauen. Oft sind die hervorragend organisiert, aber: Dort treffen sich nur Bedürftige! Keiner hat etwas zu verteilen, Sie werden sich unter Ihresgleichen tummeln. Und beispielsweise als Berater zu einem Beraternetzwerktreffen zu gehen ist nutzlos, da gingen Sie besser auf eine Hundemesse. Die Wahrscheinlichkeit, dort einen Auftraggeber zu finden, ist größer. Und Konkurrenz ist da auch nicht unterwegs.

Okay, wie geht man es richtig an?

Wichtig ist, dass man sich mit Leuten vernetzt, die da sind, wo man hinwill. Der Anfängerfehler besteht darin, sich mit denen zu vernetzen, die da sind, wo man selber lange war. Das nennt man Sozialarbeit. Kann man privat machen, sollte man aber geschäftlich tunlichst lassen. Das bringt einen nicht weiter. Dementsprechend kann man entscheiden, wo man hinmuss, um diese Leute zu treffen, und wie man sie anspricht.

Ja, wie? Wie spricht man fremde Menschen in guten, wichtigen Positionen einfach so an?

Die Basis sind eine offene Haltung und totales Interesse. Man ist interessant, wenn man interessiert ist. Fragen ist besser, als Antworten zu geben. Ein guter Smalltalker hat einen Redeanteil unter 50 Prozent. So bekommt der Gegenüber das Gefühl eines wirklich guten Gesprächs, obwohl er selbst die meiste Zeit redet, ohne das zu merken.

Das reicht? Muss man sich denn gar nicht selbst verkaufen?

Wir müssen schon darauf achten, dass wir mit dem Minimum vorankommen. Es kann sonst passieren, dass man fragt: Was machen Sie beruflich, wie kommen Sie zu diesem Kongress, wie fanden Sie den Vortrag? Der andere erzählt und erzählt, ohne dass je die Gegenfrage kommt: Und Sie? Jahrelang habe ich mich gefragt, woran das liegt.

Und?

Daran, dass es ihn nicht interessiert. Das darf man freilich nicht einfach so hinnehmen, wenn man effektiv netzwerken will. Man muss irgendwann einhaken und sagen: „Auf Ihre Frage, was ich beruflich mache, also: …“ Der andere wird überhaupt nicht merken, dass er gar nicht gefragt hat. Das garantiere ich.


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