Leadership & Karriere Zurück zur 40-Stunden-Woche: Wer will das schon?

Zurück zur 40-Stunden-Woche: Wer will das schon?

Jetzt ist es beschlossen: Arbeitnehmer sollen künftig das Recht auf befristete Teilzeit haben. Gestern einigten sich SPD und CDU auf die Brückenteilzeit. „Brücke“, denn das Gesetz schafft eine „Brücke“ von der Teilzeit ZURÜCK in die Vollzeit.  Ab Januar 2019 können Angestellte nach ein bis fünf Jahre in Teilzeit ihren Full-Time-Job zurück beanspruchen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nennt das „Arbeit, die zum Leben passt.“ Aber will jemand, der verkürzt gearbeitet hat, überhaupt zurück zur 40-Stunden-Woche? Passt Vollzeit generell noch zu den Lebensansprüchen von heute?

Nicht wirklich. 55 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten würden gern die Arbeitszeit verkürzen. Und das nicht nur temporär, sondern dauerhaft. Männer in Vollzeit wünschen sich im Schnitt drei Stunden weniger pro Woche, bei Frauen sind es sogar 4,5 Stunden. Grund: Ausgelaugt sein. Laut Arbeitszeitreport klagen diejenigen, die verkürzen wollen, häufiger über Müdigkeit, körperliche Erschöpfung und häufigen Termin- und Leistungsdruck. Daher fordern Männer die 36-Stunden-Woche, Frauen präferieren 33 Stunden/ Woche.

Der Job hat längst schon nicht mehr den höchsten Stellenwert — für die sogenannten Generation Y steht Glück vor Geld. Lieber mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen als den Chefsessel bekommen. Und dann reisen wir alle noch gern und viel, haben diverse Hobbys vom Lesezirkel bis zum Squash-Club und leben fast ausschließlich in Großstädten, wo sich Flohmarkt an Straßenfest reiht und wir natürlich am liebsten auf jeder Hochzeit tanzen wollen. So ein 40-Stunden-Job im Office passt da dann nicht wirklich rein — bedenkt man noch die familiären Verpflichtungen, die aufgrund von zu wenig Kita-Plätzen und zu wenig Pflegepersonal entstehen. Wie man Job, Verpflichungen und Spaß unter einen Hut zu bringen kann, zeigen die Amis.

Der Fünf-Stunden-Tag

Ja, den gibt’s tatsächlich und das für volle Acht-Stunden-Bezahlung. Seit Sommer 2015 arbeiten die Mitarbeiter von der amerikanischen Firma „Tower Paddle Boards“ nur noch von 8 bis 13 Uhr. Ausgedacht hat sich dieses Konzept Entrepreneur und Firmengründer Stephan Aarstol — Business Punk hat ihn bereits getroffen.

Doch seine Idee ist mittlerweile auch nach Deutschland rübergeschwappt: Inspiriert von Aarstol’s Buch The Five Hour Workday gibt es seit Anfang des Jahres auch in der IT-Agentur „Digital Enabler“ in Bielefeld die 25-Stunden-Woche. Also eine Idee mit Nachahmungspotenial – bleibt also zu hoffen, dass noch mehr deutsche Firmen sich ein Vorbild an Stephan Aarstol nehmen. Die Schweden versuchen’s schon mit Sechs-Stunden-Tagen in Universitäten, Altenheimen oder beim Autohersteller Toyota — scheitern aber leider zum Teil am finanziellen Mehraufwand.

Alternative: Sabbatical

Zurück nach Deutschland: Insgesamt ist die Brückenteilzeit aber ein guter Anfang, Vollzeit-Beschäftigte kurzzeitig zu entlasten. Für maximal fünf Jahre können sie beruhigt in Teilzeit gehen, ohne sich danach einen neuen Vollzeitjob suchen zu müssen. So kann man seinen Kindern in den ersten Jahren beim Wachsen zusehen und danach zurück ins Office. Doch leider hat auch nicht jeder Anspruch: Die Brückenteilzeit kann man nur fordern, wenn die Company mehr als 45 Mitarbeiter hat. Größere Firmen haben eine Zumutbarkeitsgrenze: Hier darf einer von 15 Mitarbeitern in die Brückenteilzeit. Ungerecht!

Zum Glück gibt’s Alternativen: Manche Arbeitgeber bieten Arbeitszeitkonten an. Beispielsweise sammelt man bei dem Flughafenbetreiber Fraport Überstunden, um sie dann für eine Weltreise, den Hausbau oder einen früheren Renteneinstieg zu nutzen. Eine andere Variante ist der Sabbatical — zwar hat man als Arbeitnehmer nicht automatisch ein Recht auf diese längere Auszeit, doch mit guten Argumenten und zu einem günstigen Zeitpunkt, bestehen gute Chancen.

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