Dieser Chef lässt seine Mitarbeiter nur fünf Stunden arbeiten – mit Erfolg

Jeden Wochentag sitzen die meisten Arbeitnehmer in Deutschland, aber auch in Amerika und anderen Ländern, acht Stunden am Arbeitsplatz. Wie sinnvoll ist eigentlich der klassische Arbeitstag? Spätestens nach einer guten Mittagspause setzt das Mittagstief ein und zieht sich des Öfteren bis zum Ende des Tages durch. Was nicht heute erledigt wird, kann ja auf morgen verschoben werden.

Für Stephan Aarstol, amerikanischer Entrepreneur und Gründer der Firma „Tower Paddle Boards“ sieht effektives arbeiten anders aus. Deshalb setzte er dieser Arbeitsmentalität in seinem Unternehmen ein Ende und hat im Sommer 2015 von einem Tag auf den anderen den achtstündigen Arbeitstag auf fünf Stunden verkürzt. Seit dieser Umstellung arbeitete sein Team nur noch von 8 bis 13 Uhr. Denn das Unternehmen, welches Paddle Boards verkauft, wollte den „beach lifestyle“ nicht nur an den Mann bringen, sondern vor allem auch leben.

Der Clou an der Sache: Die Gehälter blieben gleich und es gab einen 5-Prozent-Bonus oben drauf. Damit wurden die Stundenlöhne von 20 auf 38,4 US-Dollar pro Stunde sogar verdoppelt. Im Gegenzug verlangte Stephan Aarstol doppelte Produktivität. Wie Stephan Aarstol es geschafft hat, seine Arbeitsphilosophie erfolgreich durchzusetzen und welche Herausforderungen ihm dabei im Weg standen, könnt ihr in unserem exklusiven Interview mit ihm erfahren.

Stephan Aarstol
Stephan Aarstol, Tower

Herr Aarstol, was war der Grund den typischen achtstündigen Arbeitstag um 30 Prozent zu kürzen?

Ich habe angefangen, sehr viel über „Branding“ zu lesen. Die Schlüsselkompetenz von erfolgreichen Unternehmen ist dabei immer, dass sie die Marke, die sie repräsentieren, auch wirklich leben. Das fand ich sehr treffend. Und da unsere Firma „Tower Paddle Boards“ nun mal hauptsächlich Stand Up Paddle Boards in allen Variationen vertreibt, wollten wir auch diesen Lifestyle, der mit den Produkten einhergeht, selbst vorleben. Wir wollen, dass unsere Kunden ihre Freizeit genießen und die Arbeit vergessen. Also überlegten wir, wie wir das selbst umsetzen könnten. Da kam uns die Idee, die Mittagspause auszulassen, stattdessen die Arbeitszeit zu verkürzen und dafür mehr Freizeit zu haben. Das haben wir dann schließlich in einem dreimonatigen Test ausprobiert. Nicht alle waren damit glücklich, einige sind gegangen.

Sie haben gerade erwähnt, dass Sie auch mit Arbeitnehmern nicht zufrieden waren und einige gegangen sind. Was war der Grund?

Wissen Sie, dieses System funktioniert nicht für jeden. Viele Leute sind an den normalen acht Stunden Arbeitsrythmus gewöhnt und empfinden die Kürzung als Leistungsdruck. Die Arbeitsmentalität, die sich immer nur um die Arbeitszeit dreht, wollten wir aber versuchen zu brechen. Denn es geht nicht darum, wie viele Stunden wir arbeiten, sondern letztendlich um die Produktivität. Ich als Chef möchte natürlich die besten Mitarbeiter haben, das heißt also jemand, der auch in fünf Stunden die gleiche Arbeit leisten kann, wie in acht Stunden. Denn das Beste daran ist ja: Meine Mitarbeiter haben früher Freizeit. Das ist für die Meisten ein guter Deal.

Gab es in der Anfangsphase Schwierigkeiten oder Probleme?

Natürlich war es anfangs eine große Umstellung. Wir haben deshalb versucht, das Ganze in den drei Monaten auszutesten. Denn wir hatten wirklich keinen Plan wie das letztendlich verlaufen könnte. Aber mit der Zeit wurden wir alle mit einem Fünf Stunden-Tag warm und haben angefangen produktiver zu arbeiten. Alles musste dabei natürlich gut durchdacht werden. Unsere Website und die Kunden-Hotline mussten beispielsweise auch auf die neue Arbeitszeit umgestellt werden. Aber im Großen und Ganzen gab es keine wirklichen Probleme.

Was waren am Anfang die größten Herausforderungen?

Der Fünf-Stunden-Arbeitsrhythmus bedeutet nicht nur, dass man intensiver und schneller arbeiten kann, sondern es heißt vor allem, dass die Arbeit nach fünf Stunden auch wirklich erledigt sein muss. Das ist eine sehr große Herausforderung und dadurch entsteht natürlich ein großer Druck. Wichtig ist dabei, dass man jegliche Störfaktoren, die einen bei der Arbeit ablenken könnten, im Vornherein aus dem Weg räumen muss. Denn wenn man arbeitet, dann soll man eben nicht auf Facebook rumsurfen – die Produktivität steht dabei ganz klar im Vordergrund. Nützliche Produktivitätswerkzeuge haben uns bei der Umstellung am Anfang sehr geholfen, denn natürlich ist es nicht leicht von heute auf morgen seine Gewohnheiten komplett umzustellen. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran, und sieht die Vorteile des Ganzen: Mehr Freizeit.

Warum sollte jedes Unternehmen den fünf Stunden Arbeitstag einführen?

Ich denke nicht, dass jedes Unternehmen das machen sollte. Unternehmen sollten erst einmal analysieren, wie viele Stunden die Mitarbeiter wirklich “aktiv“ arbeiten. Das ist der erste Schritt um herauszufinden, ob so eine Umstellung für das eigene Unternehmen überhaupt sinnvoll sein könnte. Und natürlich spielt dabei auch die Branche eine Rolle: Es ist verständlich, dass ein Arzt oder ein Anwalt nicht nur fünf Stunden arbeiten kann. Im Endeffekt sollte es sowieso für jedes Unternehmen wichtiger sein, den Output der Mitarbeiter zu zählen, als die Stunden die sie im Office verbringen.

Stephan Aarstol, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Marija Mauer

Marija studiert Europäische Medienwissenschaft und wenn sie nicht gerade als Schauspielerin durch unsere Fernseher hüpft, schreibt sie gerne Artikel für Business Punk Online. Auf ihrem Blog ohwalley.com könnt ihr alles über die Jugend, Reisen und Fotografie lesen.

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