Folgerichtig: True Detective

Nachdem ich euch das letzte Mal Silicon Valley vorgestellt hatte, geht es dieses Mal deutlich finsterer und dramatischer zu. Am 21. Juni startet die zweite Staffel von „True Detective“. Und auch wenn Story und Schauspieler unabhängig von Season 1 sind – ihr habt noch ein paar Tage, um sie euch anzuschauen, solltet ihr sie nicht bereits lieben.

Im vergangenen Jahr hat die HBO-Sendung „True Detective“ ungemein schnell verdammt viel Gewicht in der Serienwelt-Schale geworfen. Das liegt zum einen am hervorragenden Cast (in Season One waren Matthew McConaughey und Woody Harrelson als Haupt-Cast unterwegs), zum anderen an der Story und Inszenierung. Düstere Gedanken, passend dazu nicht allzu euphorische aber wunderschön anzusehende Locations und Bilder. Ein Gesamtkunstwerk. Genau wie der Vorspann, den ich mal zur Einstimmung hier lasse (erstellt vom amerikanischen Studio „AntiBody„, Musik ist „Far From Any Road“ von The Handsome Family):

So richtig schön schlecht fühlen

Das Besondere an „True Detective“ ist seine Schwere. Das drückt sich im langsamen Spiel der Figuren, dem tief-texanischen Kauderwelsch und der depressiv-angehauchten Philosophie in der Denke von Hauptfigur Rust Cohle wieder. McConaughey hat sich mit dem Charakter, der so viel denkt wie er spricht wie er Männchen aus Bierdosen baut, bereits ein kleines Denkmal in der Serienwelt geschaffen. Hinzu kommt die Erzählperspektive: Es geht um einen Fall. Einen alten Fall. Im Jahr 1995 wird eine ehemalige Prostituierte, nackt bis auf ein aufgesetztes Geweih und rituelle Bemalungen, tot aufgefunden. Fast zwanzig Jahre später wird der Fall wieder aufgerollt und wir erhalten ein dynamisches Wechselspiel zwischen gealterten Ex-Kommissaren am Befragungstisch der Polizei und „jungen“ Varianten im Einsatz der Erinnerung.

Dieses zeitliche Wechselspiel bietet nicht nur den Zuschauern die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven einzusehen und das Geschehen geordnet aus dem Jetzt und dem Damals erzählt zu bekommen, aber eben auch den Figuren, ihre Entwicklung zu demonstrieren. Denn das ist eigentlich das Zentrale bei „True Detective“. Ja, es gibt einen Fall, aber der ist nur Mittel zum Zweck. True Detective ist kein „CSI“, „NCIS“ oder eine andere 08/15-Krimiserie mit vielen großen Buchstaben. Es geht um die Menschen, um deren Inneres und die Frage, wie sie selbst mit den Erfahrungen, die sie im Zuge des Falles machen, umgehen. Wie sehr trifft es sie, verändert es sie und macht es sie zu dem Menschen, der fast zwanzig Jahre später da am Tisch sitzt? Und welche Bedeutung hat in all dem Chaos das private Miteinander, zwischenmenschliche Probleme oder gar Freundschaft?

True Detective by HBO

Und ganz nebenbei bietet uns die Serie auch noch tolle technische Umsetzungen. Ein genialer Sechs-Minuten-Shot, der in einem Take mit dutzenden Komparsen und Darstellern durchgezogen wurde, stellt sicherlich das drehtechnische Highlight der ersten Staffel dar.

Ja, ich schweife ab. Man kann vermutlich mindestens so lange über die Serie philosophieren, wie sie läuft. Jedenfalls kann ich sie jedem empfehlen, der Geschichten und vor allem Figuren mit Charakter schätzt. „True Detective“ ist wahrlich keine leichte Kost, aber wenn man sich darauf einlässt, erhält man ein in der Serien- und Filmwelt recht einzigartiges Erlebnis geboten.

Hier der Trailer zur ersten Staffel:

https://youtu.be/12NLvNPsWNk

Staffel 2 ab 21. Juni

Nun geht es also endlich weiter. Mit einem neuen Fall und neuen Darstellern. Unter anderem sind Colin Farrell, Taylor Kitsch, Rachel McAdams sowie Vince Vaughn mit dabei. Es geht also namhaft weiter. Wer bereits auf aktuellem Stand ist, erhält hier weitere Details zur zweiten Staffel und hier noch einen Trailer.

Hoffentlich ist es nicht wie bei Bands und das zweite Album kann den Erwartungen des Debüts nicht standhalten…


Maik Zehrfeld

Maik ist Blogger und Gründer von LangweileDich.net - sein Serienfan-Dasein lebt er auf serieslyAWESOME.tv aus. Mag den BVB, Pizza, gute Musik und billige Wortspiele.

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