Praktika: Bringen sie überhaupt noch was?

Wenn du dich um ein Praktikum bewirbst, dann musst du dich um die Menschen dort bewerben, nicht auf die Firma selbst. Du verstehst nicht, was ich damit aussagen will? Dann lass es mich näher erläutern.

Tu mir den Gefallen und beantworte folgende Frage: Was möchtest du werden, wenn du „groß“ bist? Im Ernst – was ist dein ultimatives Ziel? Sobald du das herausgefunden hast, kannst du die Person finden, die das gerade durchlebt und für diesen Menschen arbeiten. Das ist der Weg,  an eine Suche für ein Praktikum heranzugehen!

Du solltest dich darauf konzentrieren für eine Person zu arbeiten, die du respektierst und die dich motiviert – nicht für ein Unternehmen, dessen Stellenwert dir gefällt. Wenn du der nächste P. Diddy werden willst, dann werde sein Praktikant. Es gibt keinen bessere Möglichkeit einen Karrierenweg einzuschreiten, als jemandes Verhalten in dieser Position aus direkter Nähe zu beobachten.

Es ist wesentlich besser ein Praktikum in einem verpeilten Wirtschaftsberatungsunternehmen zu ergattern, wo dein Chef ein Held der Arbeit ist, als für die großartigste Wirtschaftsberatungsfirma der Welt zu arbeiten, wo du nur ein Teil der Maschinerie bist.

Vielleicht wirst du jetzt sagen, dass der große Name des Unternehmens gut auf deinem Lebenslauf aussehen möge. Keine Frage. Wahrscheinlich wird er hervorstechen. Aber was wirst du tun, wenn du in deinem ersten richtigen Job landest und all die „Arbeit“, die du bisher vollbracht hast mit Kaffee machen gleichzusetzen ist?

Erfahrung über Namen. Immer.

Nichts wird passieren, weil du ein Buch gelesen oder ein Video darüber gesehen hast. Die Magie besteht darin dementsprechend zu handeln. Niemand hat je einen verblüffenden Bizeps bekommen, indem er sich lediglich ein Workout-Video auf Youtube angeschaut hat. Du muss schon Arbeit investieren, um an Erfahrungen zu gewinnen. Das ist der einzige Weg, um nachvollziehen zu können, was dafür nötig ist, den Job rechtmäßig auszuüben und zu verstehen ob diese bestimmte Branche, oder Karriere, etwas für dich ist, oder eben nicht.

Zum Beispiel, glaube ich nicht, dass die Leute wissen, wie viel Arbeit ich in meinen Tagesablauf investiere, bevor sie tatsächlich mit mir gearbeitet haben. Ich beobachte meine Praktikanten, wie sie dies aus erster Hand realisieren. Meiner Meinung nach ist das extrem nützlich und bedeutsam für sie. Vielleicht mag ich als erfolgreich erachtet werden und vielleicht habe ich auch eine Hand voll Auszeichnungen, aber ich fahre trotzdem damit fort, mir stets Ziele zu setzen. Zudem verstehe ich, dass der einzige Weg, um etwas zu erreichen, darin besteht es sich zu erarbeiten. Das realisieren meine Praktikanten inzwischen auch.

Doch seien wir mal ehrlich: Die Mehrzahl aller Praktikanten nehmen eine Arbeit auf, weil sie hoffen, dass hinterher die Chance besteht, einen richtigen Job an Land zu ziehen – korrekt?

In diesem Fall sehe ich meine Ratschläge noch immer als zutreffend; mit einer kleinen Abweichung versehen. Neben den erwählten Personen, die dir helfen sollen, dich zu dem Menschen weiterzuentwickeln, der du zukünftig sein möchtest; solltest du schnell wachsende Unternehmen ausfindig machen. Auf diese Weise gibt es eine hohe Chance, dass du nach deinem Praktikum übernommen wirst und so den Sprung ins „wahre Leben“ wagen kannst.

Ein Bespiel gefällig? In meiner Agentur Vayner Media stellen wir stets Praktikanten über den Sommer ein.  Wenn sie sich als wertvoll erweisen, indem sie ihre Aufgaben gewissenhaft erfüllen und so schließlich bedeutsam für unseren Betrieb werden, haben sie eine gute Chance auf eine Übernahme. Vier meiner Praktikanten kamen zu VM, verdienten ein Praktikanten-Gehalt, haben sich über diesen Level hinaus bewiesen und rocken nun das Arbeitsleben auf ihre eigene Art und haben dazu auch noch ihre eigenen Angestellten.

Ein Praktikum sollte die Gelegenheit geben, das zu erforschen, was du am liebsten machen würdest. Dazu brauchst du keine Erlaubnis und auch keine Empfehlung, nicht mal einen Abschluss. Das einzige, was du benötigst, ist die Gewissheit darüber, was du wirklich machen möchtest, sowie die Information über die Person, die das derzeitig ausübt und gerade eine helfende Hand sucht. Mit dieser Anmerkung, noch ein Gedanke für dich:

Es ist Zeit, dass die Gesellschaft Praktika für 28 bis 50-Jährige einführt.

Derzeit gibt es viel zu viele Menschen, die zwar 2000$ monatlich verdienen, aber dennoch todunglücklich sind. Ich bin zuversichtlich, dass eben jene gewillt sind, ein hartes Jahr auf sich zu nehmen, wenn es schlussendlich bedeutet, dass sie einen Job fänden, der sie langfristig gesehen, glücklicher macht. Ernsthaft. Ich kenne so viele Leute in dieser Altersspanne, die gewillt sein würden, den Sprung zu wagen, um ein Jahr lang ihr neues Handwerk erlernen zu können. Ihr Antrieb Hürden zu überwinden, sowie natürlich auch der Anstieg ihrer Zufriedenheit und ihre innere Genugtuung würden gewaltig wachsen.

Meine zwei wichtigsten neuen Erkenntnisse liegen hier: Arbeite dort, wo die Person angestellt ist, die du werden willst. Finde zudem eine potentiell-expandierende Firma, die zwar momentan noch klein ist, zukünftig aber an Wachstum gewinnen kann. Diese beiden Aspekte werden dir die besten Chancen offenlegen.

Meiner Ansicht nach sollten wir den Dialog um Praktika verändern. Es muss mehr wert sein, als eine Zeile im Lebenslauf. Es sollte um einen persönlichen Erfahrungsschatz, sowie die Möglichkeit gehen, sich in eine Position des Lernens zu begeben – in eine Position des Wachsens.


Gary Vaynerchuck

Gary ist ein Entrepeneur-Schwergewicht: Als Angel Investor und Adviser wirkte er an über 50 Tech-Startups mit – darunter Twitter, Tumblr, Medium, BirchBox, Uber und Venmo. Außerdem ist er mit Wine Library absoluter Pionier im E-Commerce. Ganz nebenbei noch Co-Founder von VaynerMedia, einer Social-First-Agentur mit Sitz in NYC.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen