„Es geht darum, Geld zu verdienen“: Matt Giovanisci realisiert im 30 Tage-Takt eine Geschäftsidee nach der anderen

Herr Giovanisci, jeden Monat eine neue Firma gründen – woher kommt dieser Tatendrang?

Angefangen hatte alles mit Swim University. Als Jugendlicher habe ich lange in einem Unternehmen für Poolpflege gearbeitet. Außerdem habe ich in einer Punkrock-Band gespielt. Als ich 16 war, tourten wir an der US-Ostküste entlang. Wir hatten damals zwei Alben produziert und versuchten vergeblich, einen Plattenvertrag zu bekommen. Wir kamen also auf die Idee, eine eigene Internetseite zu bauen, um so auf unsere Band aufmerksam zu machen. Es fehlte jedoch das nötige Kleingeld, und so habe ich das einfach in die Hand genommen. Ich kaufte mir ein paar Bücher über HTML und CSS und legte los. Nach der Tour habe ich dann eins und eins zusammengezählt und mir gesagt: Du weißt einerseits, wie man eine Internetseite baut, und andererseits kennst du dich im Geschäft mit Poolpflege aus, also warum keine eigene Firma gründen? So kam ich auf die Idee mit meiner Swim University.

War das eine richtige Firma?

Ja, ich kündigte meinen Job und meine Wohnung, verkaufte mein Auto und zog mit meinem Bruder zusammen, um Geld zu sparen. Ein Jahr lang bekam ich dann -Arbeitslosengeld, was ich als staatliche Investition in mein Geschäft sah. Swim University ging 2006 als Website mit Tipps zur Poolpflege live, finanzierte sich über Anzeigen und erwies sich bald als profitabel.

Wie ging es weiter?

Um zu beweisen, dass mein Erfolg kein Zufall war, gründete ich in den Folgejahren weitere Geschäfte, etwa Roasty. Auch eine Ratgeberplattform, diesmal für das Zubereiten von verschiedenen Kaffeesorten. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Bin ich in der Lage, jede Idee, die mir gefällt, in ein profitables Geschäft umzuwandeln? Um das herauszufinden, gründete ich Money Lab.

Was versteckt sich dahinter?

Money Lab ist eine Art Online-Inkubator für meine Ideen. Dort präsentiere ich alle meine Projekte, und wie in einem Tagebuch können die Leute mitverfolgen, wie weit mich die einzelnen Projekte tragen. Aktuell möchte ich unter Beweis stellen, dass man mit Musik auch online noch Geld verdienen kann. Um das zu zeigen, will ich innerhalb von 30 Tagen ein Rap-Album aufnehmen, produzieren und verkaufen. Das enge Zeitfenster habe ich dabei bewusst gewählt. Es zwingt mich, kreativ zu arbeiten. Wenn du kaum Zeit zur Verfügung hast, musst du schnelle Lösungen finden.

Ihr Album heißt „Entreprenuer“, warum der Schreibfehler?

Der falsche Titel ist Absicht. Ich habe es bis heute kein einziges Mal geschafft, „Entrepreneur“ richtig zu schreiben. Außerdem glaube ich, dass der fehlerhafte Titel eine Art Metapher ist, die darauf hinweist, dass man als Entrepreneur immer wieder Fehler macht, aus denen man aber immer dazulernt. Den thematischen Rahmen des Albums bildet mein Leben als Unternehmer.

Worüber rappen Sie denn?

Ein Song mit dem Titel „On My Own“ handelt zum Beispiel davon, wie ich bei Swim University ohne jegliche Erfahrung oder Unterstützung mein Ding durchgezogen habe. Dann gibt es einen Diss-Track, in dem ich mich über die ganzen Gurus in der En-trepreneur-Szene lustig mache, die dir alle erklären wollen, wie man richtig viel Geld verdient. Auf jeden Fall hat jeder Song einen unternehmerischen Bezug.

Der Entrepreneur als Rapper: Bei „The Boss“ erzählt Matt Giovanisci davon, was es bedeutet, ein One-Man-Business zu betreiben.

Wie sieht die Marketingstrategie für Ihr Album aus?

Auf meiner Internetseite wird man sich das Album gratis anhören und auch kaufen können. Die Beats werde ich umsonst weggeben, damit Leute sie für ihre eigenen Projekte wie Podcasts oder Games benutzen können. Ich weiß, dass es bereits einige gibt, die auf das Album warten, obwohl sie gar nicht auf Rap stehen. Sie wollen mich einfach unterstützen. Ein Musikvideo ist ebenfalls in Produktion. Ich plane auch, T-Shirts mit dem falsch geschriebenen „Entreprenuer“ herzustellen.

Was macht einen richtigen Entrepreneur aus?

Ein guter Entrepreneur ist jemand, der Chancen sieht, wo andere eben keine sehen. Außerdem besitzt er verschiedene Talente und kann aus jedem Business ein profitables Geschäft machen. Das ist nicht angeboren, das lernt man.

Ihre wichtigste Lektion?

Ich hätte von Anfang an auf meine eigenen Erfahrungen setzen sollen. Am Anfang habe ich viel gelesen und etliche Blogs verschlungen, aber das war alles Zeitverschwendung. Anstatt mich mit der Theorie auseinanderzusetzen, hätte ich schon viel früher einfach loslegen müssen. Ich habe auch gelernt, dass du erst dann ein wirklicher Entrepreneur bist, wenn du auch Geld verdienst. Viele nennen sich Unternehmer, weil sie zum Beispiel ein Blog betreiben. Aber es geht darum, Geld zu verdienen. Ich braue beispielsweise Bier in meiner Garage. Da ich es aber nicht verkaufe und somit kein Geld damit verdiene, ist es auch kein Geschäft, und ich bin kein Entrepreneur auf diesem Gebiet. Du musst verkaufen, und das möglichst schnell und gut. Du brauchst kein Profi zu sein, um Erfolg zu haben.

Sondern?

Wenn du etwa ein Produkt vermarkten willst, dann denk an irgendein anderes Produkt, das du dir vor Kurzem gekauft hast. Stell dir die Frage, wie du auf das Produkt aufmerksam geworden bist. Wie kam es dazu, dass du dich für dieses Produkt entschieden hast? Hast du es auf Amazon oder auf einem privaten Blog gefunden? Wenn du diesen ganzen Weg zurückgehst, lernst du ungemein viel über Marketingstrategien. Alle Theorien und Ratschläge sind wertlos, solange du es nicht selbst ausprobierst.

Haben Sie schon einen Plan für Projekte nach dem Album?

Auf jeden Fall. Irgendwann will ich auch eine Internetseite für selbst gemachtes Bier bauen. Ich habe so viele Ideen, und jede einzelne davon werde ich ausprobieren, um damit Geld zu verdienen. Manche davon werden funktionieren, manche nicht. Wir werden es sehen.

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René Krempin

René Krempin hat Kultur- und Medienwissenschaften studiert und über mehrere Stationen bei Print- und Online-Medien den Weg in die Agentur gefunden. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur. Mit großem Interesse verfolgt er unter anderem die Entwicklungen in der eSports-Szene. In seiner Freizeit ist er aber auch gerne analog unterwegs: mit Freunden auf dem Bolzplatz.

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