Von wegen süßes Nichtstun: Über die Gefahr am Boreout im Berufsalltag zu erkranken

Zum Glück hielt das Bore-Out nicht lange an, denn am Montag drauf wurde ich von der Beraterbank geholt und auf ein Projekt „gestafft“. Als ich meine Projektkollegen traf, alle smart und gut aussehend, dachte ich: „Yeah, lass uns das Ding rocken“. Ich war scharf darauf, was zu reißen und viel zu leisten. In einer Projektfunktion, wie ich sie mir gewünscht hatte: „Change Consultant mit Veranwortung über internationale Strategie-Workshops“.

Ich fand mich die nächsten Wochen auf dem Boden der Tatsachen wieder. Oder vielmehr: Auf dem Boden beim Kunden – Brownpaper anmalend, Flipcharts vorbereitend, und Post-its aufklebend. Ich bereitete, erneut, einen Kunden-Workshop nach dem anderen vor und konnte nach kurzer Zeit Dokumentations-Präsentationen im Schlaf produzieren. Mein Gehirn stand vor der kognitiven Herausforderung, einen Dauer-Standby-Status aufrecht zu erhalten, ohne dabei Gehirnzellen einzubüßen. Ernsthafte Sorgen machte ich mir, nachdem ich drei Nächte nacheinander davon träumte, mein Zimmer mit Post-its zu tapezieren.

Von meinem Kollegen Stefan, der mit mir zusammen in der Firma angefangen hatte, wusste ich, dass er eine PMO (Project Management Officer) Rolle zugewiesen bekommen hatte. Das hieß konkret: Er saß in einem Meeting nach dem anderen, notierte Ampelfarben für die Deliverables des Projektes, schrieb Risks and Issues auf, dokumentierte die Outcomes, und verschickte Updates und Meeting-Einladungen in die Runde. Tag ein, Tag aus. Ich rief ich ihn an, um zu hören, wie er mit der Aufgabenunterforderung klar kam. „Ach, weißte Charlie, ob der Added Value nun gleich visibel ist oder einem erst später klar wird… ich habe in jedem Fall vom Learning her einiges mitgenommen. Der Fit ist zwar noch nicht 100 Prozent da, aber ich bin echt fein damit. Denn es stimmt die Relationship mit dem Stakeholder und das ist doch, was zählt. Wir müssen die Challenge halt annehmen, wie sie kommt. Und sorry, aber ich muss jetzt noch ein paar Slides scribblen, die Präsi muss heute noch eob raus. Weißte ja: Quick und easy. Was ist jetzt auf deiner Agenda. Lunch?“ „Ach, Stefan, weißte doch, Lunch is for Losers. Ich mache mich jetzt an meine Preparation für den Strategie-Workshop. Ein paar Insights und Best Practices müssen noch geleveraged werden. Natürlich angepasst an die Target Audience – da sind wir agreed.“

Nachdem ich auflegte, googelte ich das Blablameter und ermittelte den Bullshit-Index dieser Konversation. Es gab ja sonst nichts zu tun.

 


Charlie Kant

Charlie Kant ist Unternehmensberaterin. Wer wissen will, wie steil die Karriereleiter in der Beratung wirklich ist, wie viel Potential in den High-Potentials der Beratung tatsächlich steckt und wie lang die branchenübliche Extrameile eigentlich ist, dem sei ihre Kolumne auf Business Punk nahegelegt. Vielleicht könnt ihr ja das eine oder andere Learning in eurem Job leveragen.

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