Von wegen süßes Nichtstun: Über die Gefahr am Boreout im Berufsalltag zu erkranken

Zum Glück hielt das Bore-Out nicht lange an, denn am Montag drauf wurde ich von der Beraterbank geholt und auf ein Projekt „gestafft“. Als ich meine Projektkollegen traf, alle smart und gut aussehend, dachte ich: „Yeah, lass uns das Ding rocken“. Ich war scharf darauf, was zu reißen und viel zu leisten. In einer Projektfunktion, wie ich sie mir gewünscht hatte: „Change Consultant mit Veranwortung über internationale Strategie-Workshops“.

Ich fand mich die nächsten Wochen auf dem Boden der Tatsachen wieder. Oder vielmehr: Auf dem Boden beim Kunden – Brownpaper anmalend, Flipcharts vorbereitend, und Post-its aufklebend. Ich bereitete, erneut, einen Kunden-Workshop nach dem anderen vor und konnte nach kurzer Zeit Dokumentations-Präsentationen im Schlaf produzieren. Mein Gehirn stand vor der kognitiven Herausforderung, einen Dauer-Standby-Status aufrecht zu erhalten, ohne dabei Gehirnzellen einzubüßen. Ernsthafte Sorgen machte ich mir, nachdem ich drei Nächte nacheinander davon träumte, mein Zimmer mit Post-its zu tapezieren.

Von meinem Kollegen Stefan, der mit mir zusammen in der Firma angefangen hatte, wusste ich, dass er eine PMO (Project Management Officer) Rolle zugewiesen bekommen hatte. Das hieß konkret: Er saß in einem Meeting nach dem anderen, notierte Ampelfarben für die Deliverables des Projektes, schrieb Risks and Issues auf, dokumentierte die Outcomes, und verschickte Updates und Meeting-Einladungen in die Runde. Tag ein, Tag aus. Ich rief ich ihn an, um zu hören, wie er mit der Aufgabenunterforderung klar kam. „Ach, weißte