„Das Wichtigste für diese Männer ist ein scharfes Messer“: Ein Kochbuch für Männer, die fürs Kochen brennen

Kochen kann für den einen Fluch und für den anderen ein wahres Erlebnis sein. Aber schon mal was von gastrosexuellen Männern gehört? Bevor ihr eurer Fantasie freien Lauf lässt, lösen wir es lieber gleich auf: „Gastrosexuelle“ sind Männer, die nicht nur mit großer Leidenschaft kochen, sondern auch auf eine gut ausgestattete Küche und alles was dazu gehört großen Wert legen. Also Männer, die privat auf Gastroniveau spannende Gerichte zubereiten. Genau diese Männer porträtiert Svenja Jelen jetzt in ihrem etwas anderem Kochbuch „gastrosexuell – Männer, die fürs Kochen brennen.“ Dabei wird auf delikate Rezepte natürlich nicht verzichtet. Von Erbsenrisotto mit Parmesan und Radieschengrün bis Malheur au Chocolat mit Kumquat und Salz-Karamelsosse ist so einiges Genussvolles mit dabei. Wir haben mit der Autorin, die das Buch im Rahmen ihrer Abschlussarbeit schrieb, gesprochen und erfahren, wie es zu der Idee für das Buch kam und was ihr Lieblingsgericht aus dem Buch ist.

gastrosexuell
Svenja Jelen, Delius Klasing Verlag

Wie bist du auf den Begriff gastrosexuell gekommen?

Naja der Begriff „Gastrosexualität“ verbindet die Wörter „Gastronomie“ und „Sexualität“, impliziert also die Assoziationen einer Sexualpraktik – was es  aber nicht ist. Es geht vielmehr um Männer, die das klassische Rollenbild der kochenden Frau aufbrechen und das Kochen als neue Entfaltungsmöglichkeit sehen. Den Begriff habe ich aber nicht erfunden, sondern in einer TV-Dokumentation aufgeschnappt. Nichtsdestotrotz war ich überrascht, dass es für solch kochende Männer einen Begriff gibt.

Ah okay. Was sind denn die Charakterzüge eines gastrosexuellen Mannes?

Bei meinen Recherchen durfte ich viele Männer kennenlernen, die von einer starken Leidenschaft beim Kochen sprechen. Das Wichtigste für diese Männer ist ein scharfes Messer. Sie kochen am liebsten für ihre Freunde, Frau und Kinder, es macht sie glücklicher einen tollen Geschmack zu zaubern als experimentelle Verfahren anzuwenden und sie distanzieren sich von dem Gehabe um Fleischbeschau und sexuellen Größenvergleich. Es geht darum, Produkte und Lebensmittel bewusst auszuwählen und diese im Privathaushalt auf Gastroniveau zu verarbeiten. Dabei setzen sie sich damit auseinander welche Garmethode für die vorgesehenen Zutaten das bestmöglichste Ergebnis liefert. Das tun diese Männer mit viel Leidenschaft und Herzblut und nehmen sich als Person hinter ihrer Kreation zurück.

Klingt gut. Das Kochbuch unterscheidet sich nicht nur im Namen von anderen Kochbüchern. Was ist das einzigartige Konzept von „gastrosexuell“?

Alles – der Autor, die Gerichte, die Gestaltung – nehmen sich zurück um den Köchen den nötigen Raum zu lassen. Ich war als Gast eingeladen, nicht als Autor eines Buches und konnte den Köchen in einer entspannten Atmosphäre über die Schulter schauen, ohne sie in ihrem Tun zu beeinflussen. So sind auch die Fotos entstanden – ohne Anweisungen wie die Männer zu stehen oder zu gucken haben. Mir war es wichtig die Männer so zu zeigen wie sie sind. Zudem ist es ein personenebezogenes Kochbuch, das heißt der Leser erfährt einiges zum Koch, wie ist er zum Kochen gekommen, was hat Essen für einen Stellenwert im Leben, wo kauft er ein, was hat ihn geprägt.

Mit dem Fotografen Emil Levy Z. Schramm hast du Männer besucht, die ihr in ihrem natürlichen Lebensraum, der Küche, fotografiert habt. Woher wusstest du, dass die ausgewählten elf Männer in das Konzept von gastrosexuell passen?

Keiner der Köche war für mich wirklich fremd. Alle Männer waren über drei, vier oder fünf Ecken für ihre Kochkünste bekannt. Den Gastrosexuellen zeichnet nicht nur die gehobene Küche, sondern auch die Qualitäten als Gastgeber aus.

 

Warum habt ihr euch beim Vorwort für den Literaturkritiker Denis Scheck entschieden?

Wir haben uns nicht für ihn entschieden, sondern er für uns. Ihm wurde das Buchprojekt vorgelegt und er war so davon angetan, dass er das Vorwort verfasst hat. Das ehrt mich um so mehr, denn Denis Scheck ist für seine harten Worte bekannt.

Es gibt heutzutage ja zig Foodblogs, auf denen man Rezepte zum Nachkochen finden kann. Warum würdest du trotzdem immer dafür plädieren, ein Kochbuch zu kaufen?

Es gibt so viele tolle Rezepte und Blogs da draußen, was mich nur stört ist, dass viele Blogger sich viel zu wichtig nehmen und mehr sich selber in den Vordergrund rücken als die Gerichte zu präsentieren. Außerdem liebe ich Papier. Die Papier-Farbe, die Haptik, der Druck auf dem Papier haben eine eigene Sprache und vermitteln dem Betrachter ein Gefühl von Lebendigkeit und bescheren ein ganz anderes Leseerlebnis als das Lesen am Bildschirm. Zudem hat ein Buch viel länger Bestand als das Geschriebene Wort im Internet.

Apropos Foodblogs: Was muss für dich ein „guter“ Foodblog können? Und hast du einen Lieblingsfoodblog?

Es gibt Foodblogs, da gefallen mir die Bilder besonders gut, bei anderen möchte ich die Rezepte sofort nachkochen. Den perfekten Foodblog habe ich noch nicht gefunden.

Welches Gericht findest du denn aus dem Buch am spannendsten und warum?

In dem Moment in dem ich es gegessen habe, war das jeweilige Gericht immer das Beste – weil ich wusste, wie viel Zeit, Aufwand und Liebe der Koch in das Gericht investiert hat.

Das Buch ist auch gleichzeitig deine Abschlussarbeit für dein Designstudium gewesen. Was hatte dich bewegt ein Kochbuch zu machen?

Mein Freund kocht selber für sein Leben gerne. Auf das Kochbucht kam ich, weil wir in eine gemeinsame Wohnung gezogen sind und statt einer Einweihungsparty unsere Umzugshelfer zu einem Essen eingeladen haben. Dabei kam zur Sprache, dass es im Freundeskreis mehrere Männer gibt, die gerne kochen – und sich über ihre speziellen Kochverfahren austauschen. Da die Bachelorarbeit zu der Zeit kurz bevor Stand war das Thema also schnell gefunden und diesen Menschen wollte ich ein Buch widmen.

Du arbeitest in einer Kreativagentur. Kommen da nicht manchmal entspannte Kochenabend zu kurz?

Natürlich ist der ein oder andere Kochabend der Arbeit zum Opfer gefallen, aber dadurch das Berlin lange Ladensöffnungszeiten hat, kann man einkaufen, wenn man Zeit hat und das worauf man Lust hat. So ist schon das ein oder andere kulinarische Highlight entstanden.

Vielen Dank für das Interview, Svenja.


Marija Mauer

Marija studiert Europäische Medienwissenschaft und wenn sie nicht gerade als Schauspielerin durch unsere Fernseher hüpft, schreibt sie gerne Artikel für Business Punk Online. Auf ihrem Blog ohwalley.com könnt ihr alles über die Jugend, Reisen und Fotografie lesen.

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