Fünf Gründe, warum Trump der eigentliche Gewinner der “Fake News Awards“ ist

Er hat es tatsächlich getan. US-Präsident Donald Trump hat die „Fake News Awards“ vergeben. Unter den Preisträgern gehören renommierte Branchengrößen wie die „New York Times„, „CNN“ oder die „Washington Post“ – also alle Medien, die sich in der Vergangenheit das publizistische Grundrecht herausgenommen haben, den Präsidenten für seine Politik zu kritisieren. Ok then.

Wir fragen uns: Hätte nicht gerade Donald Trump die „Fake News Awards“ verdient gehabt? Denn: Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 hat er es mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen. Oder sagen wir: Er hat sich des öfteren an seinen sogenannten „Alternativen Fakten“ bedient. Hier kommen deshalb fünf Gründe, warum Donald Trump der heißeste Kandidat auf die „Fake News Awards“ sein sollte:

Das Märchen von der Amtseinführung

Donald Trump war gerade einmal wenige Tage im Oval Office und schon präsentierte er der Welt seine erste große Lüge im Amt. Über seinen damaligen Pressesprecher Sean Spicer ließ er verlautbaren, dass noch nie so viele Menschen bei einer Amtseinführung anwesend waren wie bei seiner. Really? Das wollten sich einige Pressevertreter genauer ansehen und verglichen die Inauguration Trumps mit der von Barack Obama aus dem Jahre 2009. Die Bilder sprechen eine eindeutige Sprache. Sorry Donald.

Last Night in Sweden

Der neue US-Präsident wollte sich von Anfang an knallhart geben und war bereit zu liefern. Also verabschiedete er etwa ein striktes Einreiseverbot gegen Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern. Er verteidigte seine harte Linie, indem er auf Sicherheitsprobleme in Europa verwies. Trump sagte bei einem Auftritt in Florida: „Schaut Euch an, was gestern in Schweden passiert ist!“ In Schweden? Etliche Twitter-Nutzer runzelten die Stirn und überlegten und überlegten, denn in Schweden war alles in Ordnung. Unter dem Hashtag #LastNightInSweden präsentierten dann Einwohner des skandinavischen Landes ihre ganz eigene Interpretation:

Schlimme Zustände in Deutschland

Bereits im Wahlkampf donnerte Donald Trump gegen die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Diese sei ein „schrecklicher Fehler“ gewesen. So weit so okay, denn natürlich ist es legitim, die Politik der Bundeskanzlerin zu kritisieren. Aber dann musste Trump noch einen drauflegen, vielleicht war es dem Wahlkampf-Modus geschuldet. Er behauptete: Viele, viele Menschen hätten Deutschland damals (Sommer 2016) wegen der schlimmen Zustände verlassen. Grund sei die explodierende Kriminalität durch Migranten. Wir können sagen: Deutschland hatte seit Mitte 2016 keinen signifikanten Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen gehabt. Sorry Donald, Teil zwei.

Barack Obama ist kein US-Staatsbürger

Mit seiner Behauptung, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, sei gar nicht in den USA geboren, erntete Donald Trump bereits 2012 jede Menge mediale Aufmerksamkeit. Er ließ damals keinen öffentlichen Auftritt aus, bei dem er nicht auf seine ganz eigene Theorie verwies. Für ihn war klar: Barack Obama sei in Kenia geboren und deshalb per Gesetz nicht berechtigt, das Amt des US-Präsidenten zu bekleiden. Nachdem auch andere Republikaner auf diesen Zug aufsprangen, reagierte Obama und stellte seine Geburtsurkunde ins Netz. Dort stand es dann schwarz auf weiß: Barack Obama ist Made in America. Konkret: Made in Hawaii.

Coverboy

Eitelkeit ist das zentrale Thema folgender Behauptung von Donald Trump: Keinem anderen US-Präsidenten habe das „Time“-Magazin mehr Titelstories geschenkt als ihm. Aber auch hier verbreitete Trump mal wieder die Unwahrheit. Tatsächlich war Richard Nixon derjenige, den die „Time“-Journalisten am häufigsten auf ihr Cover packten. Vielleicht nur eine Bagatelle. Aber sie zeigt: Ob im Großen oder Kleinen, der amtierende US-Präsident verbreitet sehr gerne selbst Fake News.

Und klar ist natürlich auch:

Nicht nur Donald Trump aus den USA bedient sich systematisch an Lügen, um seine eigene Politik schön zu färben oder um Kritiker zu diffamieren. Schauen wir nach Ungarn, wo ein autokratischer Viktor Orbán herrscht oder nach Österreich, mit Blick auf die rechtspopulistische FPÖ unter Heinz-Christian Strache, dann entdecken wir auch immer wieder Fake News, die Politiker aller Farben täglich in ihren Output einweben. Und klar ist auch: selbst ein Barack Obama sagte nicht immer die Wahrheit während seiner acht Jahre als erster Mann im Staate. Aber niemand hat den Fake News durch eigenes Zutun einen dermaßen prominenten Platz in der eigenen Politik eingeräumt als Donald Trump. Die unsägliche Vergabe der „Fake News Awards“ ist aktuell die Krönung.


René Krempin

René Krempin hat Kultur- und Medienwissenschaften studiert und über mehrere Stationen bei Print- und Online-Medien den Weg in die Agentur gefunden. Er ist freier Autor und arbeitet bei der Agentur OSK als Online- und Social-Media-Redakteur. Mit großem Interesse verfolgt er unter anderem die Entwicklungen in der eSports-Szene. In seiner Freizeit ist er aber auch gerne analog unterwegs: mit Freunden auf dem Bolzplatz.

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