Productivity & New Work Meinung: Fünf Gründe, warum mir der Podcast-Hype auf die Nerven geht

Meinung: Fünf Gründe, warum mir der Podcast-Hype auf die Nerven geht

Jeder Clown hat heute seinen eigenen Podcast, von dem er hofft, dass ihm im Gegensatz zum echten Leben endlich mal jemand zuhört. Und obwohl die meisten Podcasts weniger nützliche Informationen enthalten als die durchschnittliche „Bunte“, zieht die Idee immer mehr Menschen an, Macher wie Hörer. Ich stelle mich dieser Flut entgegen und liefere euch fünf nicht ganz unpolemische Gründe, warum ihr guten Gewissens auf Podcasts pfeifen könnt.

#Vom Trende verweht

Jetzt Hand mal runter von Audible und rauf aufs Herz: Podcasts sind weder das neue große Ding noch ein cooles Nischenprodukt. Sie sind einfach nur der neueste Trend im Bereich Selbstdarstellung und im Ringen um die Aufmerksamkeit von Konsumenten. Weil alle Freunde auch schon Influencer auf Instagram sind und selbst ein guter Musikgeschmack dank Vorschlägen von Spotify nichts mehr wert ist, braucht es eben etwas neues, um trendy zu sein: Podcasts eben. Hier kann man allen Freunden, die nicht jedem Trend sofort hinterherhecheln, noch superschlaue Tipps geben. So werden die eigenen, ebenfalls nur von anderen zusammengeklauten Lieblingspodcasts zu absolut hörenswerten Geheimtipps.

#Hörbücher für Yuppies

Wenn mal genau drüber nachdenkt, sind Podcasts ja auch nur das, was dabei rauskommt, wenn man das altbackene Konzept der Hörbücher mit Hyperindividualismus lange genug in einen dunklen Keller sperrt. Denn wo man sich bei Hörbüchern noch mit professionell gelesenen Inhalten gestandener Autoren abgeben musste, darf man heute irgendwelche Möchtegern-Schlaumeiern dabei zuhören, wie sie sich selbst in den kurzen stotterfreien Phasen ihrer Podcasts als weit klüger gerieren, als sie tatsächlich sind. Aber Hauptsache, man hört nicht das, was alle hören. Außer Fest und Flauschig natürlich.

#Meinungen von Hinz und Kunz

Und überhaupt: Warum sollte man dem durchschnittlichen Podcaster zuhören? Wenn ich die bereits tausendfach wiedergekäuten Meinungen von zwei spritzigen, jungen Medien-Aficionados mit frisch erworbenem Bachelor in Politikwissenschaft hören will, stell ich mich in ihrer Mittagspause bei McDonald’s einfach dazu. Ganz ohne Anmeldung, und Rückfragen kann ich auch noch stellen. Abgesehen von wenigen Profis wie Rocket Beans oder Deutschlandfunk sprechen Gründer mit Gründern übers Gründen – und wie erfolgreich können diese Gründer sein, wenn sie noch Zeit für dämliche Podcasts haben?  – oder Feministinnen mit Feministinnen über Feminismus. Filterblase für die Ohren. Von den ganzen selbsternannten Spaßmachern und ihren banalen Alltagserlebnissen oder abgehalfterten Comedians, die auf ihr Gnadenbrot hoffen, fange ich gar nicht erst an.

#Aufgeilen an anderen

Der Grund, warum die hochgestylten Umpa Lumpas aus dem Kardeshian-Klan oder generische Model-Trullas so beliebt in den sozialen Medien sind, ist die Gier der kleinen Leute nach ein wenig Glanz und Glamour. Wer selbst nichts zu bieten hat, muss sich eben bei anderen bedienen. Man will im schönen Schein der Promis baden, wenigstens ein bisschen träumen. Und auch wenn Podcasts allein schon aus Mangeln an Bildern deutlich weniger auf Glanz machen, ist das grundsätzlich Ziel doch das selbe: Man hört vermeintlich schlauen Leuten zu, um dann darüber schlau reden zu können, was für schlaue Dinge man so von diesen schlauen Leuten gehört hat.

#Nebenbei gehört ist halb vergessen

Auch das Format von Podcasts ist einfach Bullshit. Entweder, man ist mit voller Aufmerksamkeit dabei, dann sollte man besser ein Video schauen, um möglichst viele Sinne anzusprechen. Oder man kocht, putzt oder arbeitet nebenher und passt sowieso nur so marginal auf, dass man sich das hören komplett sparen kann, weil eh nichts hängen bleibt. Die Tatsache, dass Menschen Podcasts zum Einschlafen hören, sagt doch eigentlich schon genug.

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