Welt von morgen: Neun Thesen zur Zukunft der Arbeit

Zwei Monate lebten Johanna Röhr, Ines Timm und Johanna Felde im WeLive in New York, dem Wohnungsangebot von WeWork. Im Rahmen ihres Masters forschten sie dort zur Zukunft der Arbeit. Hier präsentieren sie ihr Fazit in neun Thesen.

1. Selbstdisziplin ist DIE Disziplin der Zukunft

Vernetzter, digitaler, schneller – unsere Arbeitsweise verändert sich rapide. Unternehmen motivieren MitarbeiterInnen mit Gewinnbeteiligungen und machen sie damit selbst zu UnternehmerInnen. Neue Arbeitsmodelle rücken selbstständiges Arbeiten in den Fokus und statt einer Festanstellung gibt es vermehrt Zeit- und Projektverträge. Dadurch wird ArbeitnehmerInnen mehr Verantwortung übertragen, das Stresslevel und der Druck steigen. Da man von überall arbeiten kann, müssen wir lernen, uns selbst zu disziplinieren: Einerseits mit der Arbeit zu beginnen und sie durchzuziehen. Andererseits aber ebenso mit der Arbeit aufzuhören. Andernfalls entsteht ein Verhältnis zur Arbeit, das auf lange Sicht krankmachen kann.

2. Wer beruflich weiterkommen will, braucht MentorInnen

Wir wollen uns in Zukunft nicht als EinzelkämpferInnen durch die Arbeitswelt schlagen. In der zukünftigen Arbeitswelt wird es vielmehr darum gehen, von Vorbildern zu lernen und Vorbild zu sein. Auch wenn auf den ersten Blick vor allem Mentees von dem Programm profitieren, geht das Konzept von einem gegenseitigen Geben und Nehmen aus. MentorInnen bekommen frische Impulse, finden qualifizierten Nachwuchs und reflektieren das eigene Arbeiten. Die USA sind uns hier schon einen Schritt voraus: Es gibt viele Mentorenprogramme und Feedback ohne Gegenleistung. Vor allem unsere Generation wünscht sich genau das, findet aber selten Förderer.

Bilder aus dem WeLive in New York

3. Niemals fertig: Lebenslanges Lernen

Der Begriff „Silodenken“ klingt sperrig – und, Überraschung, er ist es auch: Wenn MitarbeiterInnen nur in ihrem eigenen Bereich nach Lösungen suchen und ihr Wissen vor anderen abschirmen, hemmt das Innovationen. Eine Denkweise, die sowohl ArbeitnehmerInnen als auch ArbeitgeberInnen auf lange Sicht schadet. Dabei brauchen wir bereichsübergreifendes Denken mehr denn je: Es gibt nicht mehr das eine Handbuch für einen Beruf, das über Jahre hinweg unverändert bleibt. Im Gegenteil: Wer dauerhaft erfolgreich sein will, darf nicht aufhören zu lernen und muss sich stetig weiterentwickeln. Das muss aber nicht allein geschehen. Wissen sollte stattdessen weitergegeben werden – von alt zu jung und von jung zu alt.

4. Die Zukunft der Arbeit beginnt in der Schule

Auf dieses lebenslange Lernen stellt sich unser Bildungssystem in Deutschland bisher noch nicht ein. Nach dem Abschluss fängt man entweder eine Ausbildung oder ein Studium an und legt sich damit auf einen Bereich fest. Diese geradlinigen Bildungswege halten wir nicht für zukunftsfähig. Wer möglichst gut auf Veränderungen reagieren will, muss flexibel sein: Was die Arbeitsweise und das Wissensrepertoir angeht. Ein Ansatz wäre es, Schülern, Studierenden und Auszubildenden zu ermöglichen, viele unterschiedliche Dinge zu lernen, ohne sich auf konkrete Fächer festlegen zu müssen.

5. Unternehmen müssen BewerberInnen mehr bieten

Fun Force, Kicker und Schwimmbad im Gebäude – alles schön und gut. Um als ArbeitgeberIn attraktiv zu sein, reicht das aber noch lange nicht aus. MitarbeiterInnen langfristig zu halten, ist schwer und erfordert Arbeit. Was dabei hilft: Werte im Unternehmen tatsächlich leben, statt sie nur auf der Website aufzulisten. Das ist nämlich viel schwieriger, als einen Obstkorb zu bestellen. In unseren Instagram-Umfragen (Wie präsentieren sich Arbeitgeber auf der Social Media-Plattform) und in Gesprächen haben wir herausgefunden, was viele wirklich von ArbeitgeberInnen erwarten: Vor allem Flexibilität. Einige wünschen sich aber auch einen offenen Umgang mit individuellen Angelegenheiten, wie zum Beispiel der Pflege von Angehörigen. Sie wollen sich einbringen, Zeit für Fortbildungen haben, einen Betriebsrat, sowie eine konstruktive Feedback- und Fehlerkultur. Und ganz wichtig: Wertschätzung.


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