Entscheider: Darf man mit dem Chef Drogen nehmen?

Pro:

Ja. Was heißt hier überhaupt „darf man“? Tut man doch schon immer, angefangen bei der gemeinsamen Kippe mit dem Vorgesetzten, die seit Entdeckung des Tabaks als verlässliches Einschleimritual gilt. „Wow, Indien, und das nach so kurzer Zeit! Die Königin wird Sie reich belohnen, Admiral“, höre ich noch Columbus’ ersten Maat etwas zu lässig an die Reling gelehnt in des Entdeckers Ohr heucheln. Die andere Volksdroge Alkohol können wir als etabliert direkt überspringen und kommen zu den Rauschmitteln, bei denen sich nie die Frage des Ob stellt, sondern nur, zu welchem Anlass man sollte. Die Wahl der richtigen Droge bedarf etwas Fingerspitzengefühls. Für Gehaltsverhandlungen bietet sich natürlich eine kleine Prise MDMA an. Denn wenn der Chef einem während der obligatorischen Kuschelsession erst einmal zärtlich ins Ohr gehaucht hat, dass er uns schon immer als Seelenpartner wahrgenommen hat, kann er, allein aus Schamgefühl, am nächsten Tag den 15-prozentigen Gehaltsaufschlag kaum noch verweigern. Erfahren sollte er von diesem Kniff natürlich nichts.

Bei Kokain hingegen muss es andersherum laufen. Denn Koks ist teuer, und ich klicke mir doch nicht den Zeigefinger krumm, um mein Blutgeld am Ende noch mit Dagoboss Duck zu teilen. Und eins könnt ihr mir glauben: So geil wie bei einer Koka-Session kommt ihr nicht wieder zusammen. Die anschließend fällige Neujustierung des Statusgefälles ist allerdings nicht jedermanns Sache. Was dagegen unbedingt jeder mal mit dem Chef ballern sollte, sind Psychedelika. Dabei gilt: Go hard or go home. Nicht erst Pilze fressen und dämlich kichernd Raufasertapeten anglotzen. Direkt, am besten mit dem ganzen Team, ab ins Ayahuasca-Retreat, kurz die Seele aus dem Leib kotzen und Verbindungen fürs Leben aufbauen. Rechnet sich auch rein betriebswirtschaftlich schnell, weil man auf lästige Mails verzichten und stattdessen direkt über telepathische Verbindung durchs dritte Chakra kommunizieren kann.

Ernst Jordan

Contra:

Nein. Stopp, ich lege hier ein Veto ein. Drogen nehmen mit dem Chef ist wie Fahrradfahren ohne Bremsen – eine saublöde Idee, denn: Man berauscht sich am Speed, aber irgendwann zerlegt es einen dann so richtig. Abturn bis Abfuck. Man stelle sich nur vor, wie man nach Feierabend mit dem Vorgesetzten seelenfroh durch die Gegend trippt, Realität und Büroalltag weit hinter sich lässt – bis es den allzeit ambitionierten Chef beim gemeinsamen Näschen erwischt und er mit weiten Pupillen und zuckenden Gesichtsmuskeln auf einmal die Vision seines Lebens hat. Die Geschäftsidee, die alles bisher Dagewesene wegdisrupten wird. Natürlich muss die sofort festgehalten werden. Ach was, heute Nacht noch umgesetzt werden. Maximal am Trippen, geht es sofort mit dem Taxi zurück ins Büro, und dann heißt es: ranklotzen, nachlegen, durchdrehen. Eine traumatische Eskalationsschleife, von der sich das Vorgesetzten-Angestellten-Verhältnis in diesem Berufsleben nicht mehr erholen wird.

Wenn schon einen Dübel rollen, Teile schmeißen oder auf LSD steil gehen, dann bitte im privaten Kreis, fernab des Jobkosmos. Die Gegenwart des Chefs im Rausch ist so, als würde einem eine tonnenschwere Kugel an den Füßen hängen, eskalieren in höchste Bewusstseinszustände unmöglich. Und wer es ernsthaft für klug hält, die New-Work-Schraube so weit zu drehen, dass man am Ende mit den versammelten Hierarchiestufen in einer abgelegenen Berghütte um einen Teller Psilocybinpilze kauert, der hat in Sachen Naivität alles richtig gemacht. Drogenerfahrungen sind immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Nur ein paar Gramm zu viel oder das falsche Umfeld, und das Ganze verwandelt sich in einen fiebrigen Höllentrip. Man stelle sich nur vor: Das psychedelisch aufgepeppte Betriebsklima gerät so außer Kontrolle, dass man irgendwann den vollgekotzten Boss in der Badewanne abduscht, während der lautstark die Dämonen um ihn herum beschwört. Dieser mit Erbrochenem gefüllte Kelch darf gerne an mir vorbeigehen.

René Krempin

 

 

Der Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe 04/18. Darin widmen wir uns ausführlich neuen Trends in der HR-Branche. Cover-Story: Ex-StudiVZ-Chef Michael Brehm. Der will Menschen von KI coachen lassen, damit Bots sie nicht abhängen. Außerdem: Eine Stadt im Weltraum, der Coworking-Gigant Wework im Optimierungswahn und ein Dossier zum Thema HR. Mehr Infos gibt es hier.


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