Sogar im Weltraum sind wir spitze: Digitalland Deutschland startet durch

Lauschen wir hiesigen Politikern, wenn sie über die Zukunft des Standorts Deutschland schwärmen, wird einem ganz warm ums Herz. Denn sie lassen uns wissen: Wir sind die Speerspitze der digitalen Epoche. Ja, Deutschland hatte die Führung vielleicht kurzzeitig den USA überlassen, aber Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier weiß es besser. Nun können wir uns endlich den „Platz als führendes Digitalland erkämpfen„, wie er auf der letzten Cebit verkündete.

Wir denken also voller Vorfreude an die blühenden Digitallandschaften, die da bald sprießen werden.

Gerade in diesem Jahr sind einige Grundsteine dafür gelegt worden. Ein kleiner, vorgezogener Jahresrückblick:

Weltraum-Söder schießt Bayern an die Spitze im Space-Race

Die Kritik, dass in Deutschland schon die Kleinsten in der Schule nicht genügend mit Computerhardware versorgt werden und Deutschland in allen Digitalisierungsbereichen höchstens im Mittelfeld liegt, ist doch kleingeistig. Wer will schon aufholen, wenn man sofort überholen kann, vor allem, wenn man laut Söder-Tweet offensichtlich eh schon Marktführer in Allem ist? Dann kann man die Probleme auf der Erde doch gleich aus dem All lösen. Die Macher aus Bayern lassen Worten Taten folgen und stecken kurzerhand 700 Mio. Euro in das bayerische Raumfahrtprogramm „Bavaria One“.

Der Visionär

Überhaupt ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ein digitaler Vordenker, nicht nur, weil er vor einiger Zeit das öffentliche WLAN in allen Behörden ausrief (oder ging es da doch um etwas anderes?)

Glücklich können sich jedenfalls diejenigen schätzen, die unter seiner Herrschaft leben und plötzlich dringend ins Internet müssen. Denn sie wissen: okay, wir haben zwar noch Probleme mit dem Mobilfunknetz. Und okay, auch mit dem Breitbandausbau. Aber: während sich andere Länder abmühen, um ruckelfreies Streamen auch auf dem Land zu ermöglichen, wissen wir, unsere digitalen First-Mover sind am Stizzle und wahrscheinlich in einem der 20 Busse im Landkreis Weilheim unterwegs, die jetzt über WLAN verfügen. Wer also Internet braucht, kann sich als Autobesitzer glücklich schätzen und ganz entspannt hinter einem der Busse herfahren.

Die Branchen-Digitalisierer

Der öffentliche Nahverkehr ist ja ohnehin unser ganzer Stolz. Klar also, dass bei der Bahn und den wenigen Konkurrenzunternehmen die Digitalisierung oberste Prio hat. Da überbietet man sich dann auch gerne mal mit innovativen Ideen:

Die Digitalisierung hilft auch Menschen, die ihren Zug verpasst haben: Wer zum Beispiel kurzfristig am Bahnsteig ein neues Ticket benötigt, kann dies locker in der Bahn-App erledigen. Vorausgesetzt, der nächste Zug rollt nicht schon in zehn Minuten ein.

Zukunft im Bundestag

Sogar der Bundestag ist mittlerweile vollständig auf Zukunft getrimmt und hat bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass es in den Arbeitsräumen der Parteien bis Januar 2018 WLAN geben soll. Wer kann da schon verübeln, dass das noch nicht immer ganz fehlerfrei funktioniert und es nur „in manchen Räumen WLAN-Zugang gibt„, wie es die Bundestagsabgeordnete Gyde Jensen einmal formulierte. Aber so ist das nun einmal in deutschen Ämtern und Behörden, gejammert wird seit jeher auf hohem Niveau. Den Mitarbeitern könnte man anraten, es stattdessen mit Humor zu versuchen, denn Gramesfalten zieren nur die wenigsten Gesichter. Wer sich also die Wartezeit versüßen will, kann sich ja eine Runde Innovations- und Digitalisierungsbremsen-Bingo für alle ausdrucken.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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