Diese Gründer wollen, dass euch Finanzen richtig Spaß machen

Die Zwillingsbrüder Alexander und Benjamin Michel haben mit Finanzguru das größte Einzelinvestment der ­„DHDL“-Geschichte reingeholt. Mit ihrer App wollen sie den Kunden etwas Wertvolles schenken: mehr Zeit.

Will man von jemandem Geld haben, ist es ein smarter Schachzug, ihm zu helfen, gleich etwas Geld zu sparen. Ben­jamin Michel erzählt das gern in einer Anekdote: Ein potenzieller Investor habe sich in die App eingeloggt und gesehen: Hey, er zahlt seit Jahren für seinen Heidelberger Fitnessclub! Das Problem da­ran: Er wohnte bereits seit zehn Jahren gar nicht mehr in Heidelberg. Früher hatte er dort studiert, Sport gemacht – und dann ­vergessen zu kündigen. Kennt jeder, auch wenn es vielleicht nicht bei jedem zehn Jahre dauert: Irgendwann ein Abo oder eine doppelte Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, Kündigung verschwitzt, dann vergessen. Läuft so weiter.

Das Frankfurter Fintech-Startup Dwins verspricht mit der App Finanz­guru, dieses Problem automatisiert zu lösen: Wer sein Konto mit der App verbindet, muss sich nie wieder selbst durch den Wust vergangener und vergessener Kontoumsätze quälen. Er bekommt alle Verträge angezeigt und die Option, die überflüssigen direkt aus der App heraus zu kündigen. Außerdem erkennt Finanzguru Fixkosten wie Miete, Strom oder Gas und ermittelt das bis zum Monatsende frei verfügbare Einkommen. Kurz gesagt: Das Heidelberger Fitnessstudio hat dann keine Chance mehr.

„Finanzen machen nie richtig Spaß“

Klar, dass Carsten Maschmeyer in der „Höhle der Löwen“ schnell anbiss. Und wie: 1 Mio. Euro – das größte Einzelinvestment, das je in der Show zustande kam. Aber aus einem weiteren Grund ist Finanzguru noch interessant: weil es ein Produkt ist, dass die klassische Fintech-Karriere gemacht hat, und mancher sich fragte: Wa­rum zur Hölle in die „Höhle?“

„Das Thema Finanzen macht nie richtig Spaß“, sagt Alexander Michel. „Aber wir wollen zeigen, dass es ein bisschen Spaß machen kann.“ Die Bescheidenheit passt zu den Zwillingsbrüdern, die nicht eineiig sind, aber doch so ähnlich, dass selbst ihre Eltern sie am Telefon nicht auseinanderhalten können.

Nach dem Abi studierten sie getrennt voneinander BWL. Im Job kreuzten sich ihre Wege bei der Postbank, wo sie als Produktmanager für deren Banking-App arbeiteten. Ihre Aufgabe: Kontoumsätze automatisch kategorisieren. Die Brüder überlegten, was sich mit dieser Technologie noch anstellen lässt. So entstand die Idee für Finanzguru, und sie gründeten mit zwei weiteren Co-Foundern im Jahr 2015 ihre Firma Dwins.

Mehrere tausend Banken verknüpfbar

Die Idee schlug ein: Im Oktober 2016 traten die Gründer bei einem von der Deutschen Bank veranstalteten Hackathon – einem Softwareentwicklungswettbewerb auf Zeit – an. ­Finanzguru setzte sich gegen 150 Teams aus aller Welt durch. Das Preisgeld: 30.000 Euro. Rund ein Jahr später der nächste Meilenstein: Im Herbst 2017 verkündete die Deutsche Bank den Einstieg, erwarb für rund 1 Mio. Euro 24,99 Prozent. Neben dem frischen Kapital kam Dwins so an einen Pool von Testkunden. Denn die App war damals noch fehlerhaft. Vor allem bei der automatischen Erkennung der Verträge hakelte es.

Doch die App wurde besser. Was auch daran lag, dass mittlerweile nicht nur Kunden der Deutschen Bank Finanzguru nutzen können. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass man heute nur den Weg von Unabhängigkeit und Transparenz gehen kann“, sagt Alexander Michel. Darum können Nutzer inzwischen Konten von mehreren Tausend Banken mit der App verknüpfen.


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