Höchst dotierter Literaturpreis: Für einen Roman, der via Whatsapp geschrieben wurde

Behrouz Boochani hat den am höchsten dotierten Literaturpreis Australiens, den „Victorian Prize for Literature“, sowie den „Prize for Non-Fiction“ erhalten. Zusammen sind die Preise etwa 90 000 US-Dollar wert. Besonderheit Nummer eins: Sein Buch „No Friend but the Mountains – Writing from Manus Prison“ wurde komplett auf Whatsapp verfasst. Besonderheit Nummer zwei: Er konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen. Beides ist den besonderen Umständen geschuldet, in denen sich Boochani seit 2013 befindet. Denn Boochani lebte unfreiwillig auf der Insel Manus in Papua-Neuguinea. Für viele Beobachter und Kritiker ist die Anstalt, in der sich der Journalist befand, ein De-Facto-Gefängnis. Denn dorthin schickte Australien Geflüchtete, die versuchten per Boot das australische Festland zu erreichen. Die Regierung wehrt den Vorwurf ab, denn Asylbewerbern stünde es frei, wieder heimzukehren. Mittlerweile ist Boochani andernorts untergebracht.

Boochani schaffte es jedoch, aus dieser Isolation heraus, mit Hilfe der neuen Medien und eines Messenger-Dienstes, seine Stimme aufrechtzuerhalten und schrieb ein Buch, indem er täglich via Whatsapp Nachricht um Nachricht an den Publisher Picador Australia schickte. „Ich schrieb nicht auf Papier, denn die Wärter durchwühlten wöchentlich oder monatlich unsere Zimmer und Sachen. Ich hatte Angst, das Geschriebene zu verlieren, also war es besser, es einfach zu schreiben und zu senden“, erzählte Boochani der BBC.

Ausnahme für Boochani

Aus dem Iran sei er geflüchtet, da er wegen seines Berufs als Journalist Restriktionen fürchtete: „Ich wollte im Iran nicht ins Gefängnis, also ging ich, und als ich nach Australien kam, steckten sie mich über Jahre in dieses Gefängnis.“

Vielleicht ist die Entscheidung des Wheeler Centers, das den Preis vergibt, daher auch politisch zu verstehen. Denn eigentlich können ihn nach den Statuten nur Bürger Australiens oder permanent dort Lebende erhalten. Für Boochani jedoch garantierte man den Jury-Mitgliedern eine Ausnahme. In der Begründung hieß es, Boochani ermögliche durch die kritische Beschreibung dessen, was er als „Manus Prison Theory“ beschreibt, ein neues Verständnis über die australischen Bestrebungen und Australien selbst. Behrouz Boochani selbst formuliert das drastischer: Er wolle, dass die Leser den systematischen Versuch erkennen, Asylbewerbern ihre Identität, Menschlichkeit und Individualität zu nehmen.


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