Mit Online-Retail und reusable Packaging gegen die Müllflut

Eine der größten Herausforderungen bei der Rettung des Planeten – und machen wir uns nichts vor, nichts anderes ist zur Stunde geboten – ist neben den Emissionen das Müll- und Plastikproblem. Letzteres kann von der Natur nicht abgebaut werden, wird verbrannt oder landet auf Müllkippen und von dort aus oft genug im Meer. Einen riesigen Teil davon macht Verpackungsmüll aus. Und ein kurzer Aufenthalt im nächstbesten Supermarkt muss doch jeden entmutigen, der nachhaltig konsumieren will, wenn selbst Biogurken in Plastikfolien einzelverpackt sind. Natürlich kann – so wie der globalisierte Welthandel mit seinen Produktionsbedingungen derzeit funktioniert – niemand erwarten, dass Unternehmen hochwertige, plastikfreie Behälter herstellen, wenn diese teureren Alternativen dann auch einfach weggeschmissen würden.

Pfandsystem… da war doch was

Doch halt! Unser bereits bestehendes Pfandsystem zeigt doch auch, dass sich Verpackungen wie Flaschen wieder in den Konsumkreislauf rücküberführen lassen! In diese Richtung denkt der Online-Store Loop, mit dem Unterschied, dass noch viel mehr Produktkategorien in sein Pfandsystem aufgenommen werden sollen, das auch noch niedrigschwelliger als das der Flaschen ist. Denn die muss man ja auch wieder selbst zurückbringen.

Die Idee greift etwas auf, das es eigentlich seit Jahrzehnten gar nicht mehr gibt: Ein Besitzverständnis der Hersteller, das davon ausgeht, nur das Produkt zu verkaufen, nicht aber die Verpackung. Gehörten die Verpackungen nach dem Verkauf weiterhin dem Unternehmen, gäbe es auch mehr Anreiz, diese nachhaltiger und wiederverwendbar zu machen. Willkommen also beim Prinzip Milchmann!

Doch anstatt ein Abo beim örtlichen Milchlieferanten abzuschließen, hilft in diesen digitalen Zeiten das Online-Shopping bei der Skalierung: Die Produkte werden im Loop Store bestellt und in einer großen Tasche geliefert, die gleichzeitig wie ein Mülleimer funktioniert, in dem die hochwertigen, leeren Behälter wieder „entsorgt“ werden. Die Tasche wird kostenlos abgeholt, die Behälter werden gereinigt, wieder befüllt und weiter geht es.

Wie ernst meinen sie’s?

Tom Szaky, der Mann hinter der Idee, möchte mit ein paar tausend Kunden im Mai mit einer Testphase in New York und Paris starten. Und mit Unternehmen wie Procter & Gamble, Unilever, Nestlé, PepsiCo oder Danone sind auch Partner mit an Bord, die zu den größten Herstellern von Gebrauchs- und Nahrungsgütern gehören. Geht alles gut, sollen bald London, Toronto, Tokyo und San Francisco folgen. Etwa 300 Produkte sollen zunächst bestellbar sein, vom Waschmittel über Müsli bis hin zur Eiscreme – allesamt in wiederverwendbaren Behältern. Klingt, durch den Mehraufwand für Anlieferung, Abholung und Aufbereitung, nach einer teuren Angelegenheit. Szaky jedoch meint, die Preise seien mit normalen Supermarktpreisen durchaus vergleichbar, lediglich ein Pfand auf die Behälter würde hinzukommen.

Die Idee wirkt ausgereift und könnte vielleicht irgendwann ein Gamechanger sein. Fraglich ist jedoch, wie nachhaltig das Interesse der großen Firmen an so einem Projekt ist und ob sie sich langfristig vorstellen können, ihre Produktionsprozesse dahingehend umzustellen. Denn nicht nur andere Vertriebswege müssten die Unternehmen finden, auch Verpackungen müssten neu designt und hergestellt werden. Das ist ein sauteurer Prozess, der nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen ist. Bis jetzt zumindest ist Loop für ein Unternehmen wie Unilever eine recht willkommene und billige Marketingkampagne.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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