KI im Office: “Es geht um die Ergänzung menschlicher Fähigkeiten“

Microsoft Deutschland hat die Crowd gefragt: Was versprechen sich Laien von künstlicher Intelligenz? Pina Meisel, die das Projekt betreut, berichtet.

Frau Meisel, KI verändert alles. Weiß jeder, aber kaum einer ahnt, wie. Also haben wir Angst, oder?

Künstliche Intelligenz ist mit vielen Fragezeichen behaftet, außerhalb von Experten- und Unternehmens-­Bubbles bleibt es abstrakt. Darum wollten wir eine Diskussion über die Frage anstoßen, wie KI das Leben konkret verändern könnte, und haben die „Make Your Wish“-Kampagne gestartet, um das Ganze ein bisschen breiter zu fassen.

Worum geht es dabei?

Darum, es allen Menschen zu ermöglichen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir möchten Leute, die sich nicht unbedingt mit KI auskennen, dazu zu bringen, einmal im positivsten Sinne herumzuspinnen: Was würde ich mir von der Technologie wünschen? Darum haben wir die Einstiegshürde bewusst niedrig gehalten. Die Leute konnten ihre Idee, von der sie denken, es wäre cool, diese mit KI umgesetzt zu sehen, einfach an uns schicken.

Welche Wünsche gab es?

Wir hatten über 100 Einreichungen, eine große Bandbreite. Das ging von Gesundheit und Inklusion über Ernährung bis zu Arbeit.

Haben Sie ein paar Beispiele?

Etwa ein Sprachassistent für ältere Menschen oder ein Dolmetscher für Gebärdensprache. Jemand wünschte sich eine KI, die Kinder dazu anregt, ein Instrument zu spielen.

Wovon träumen die Leute im Bezug auf Arbeit?

Zum Beispiel von einer KI für internes Talentmanagement, also die persönliche und fachliche Weiterentwicklung von Mitarbeitern. Oder eine KI, die Reisekostenabrechnungen übernimmt. Interessant fand ich auch die Idee einer KI, die Kompromisse unter Kollegen findet.

Haben Sie auch einen Wunsch?

Ja, einen sehr langweiligen: eine KI, die meinen Terminkalender im Blick hat und merkt, wenn ich Wegzeiten zu knapp kalkuliert habe, und abhängig von meiner Stimmung und Fitness Hinweise gibt, wenn ich Termine besser nicht zusagen sollte, weil ich schon zehn Meetings im Plan habe und dann überhaupt nicht zum ­Arbeiten oder Essen komme.

Oder die dann einen schönen Termin vorschlägt?

Ja, das wäre toll. Vielleicht lernt die KI, mit welchen Menschen man positive Termine verbindet, und sorgt dafür, dass man nach anstrengenden Meetings mindestens ein gutes hat.

Neben dem Sammeln von Wünschen geht es Ihnen ja auch um die Verwirklichung.

Genau. Im Idealfall wollen wir Wunsch­erfüller finden, also Leute, die sich mit KI auskennen und sagen: Hey, das Thema finde ich spannend. Darum haben wir Kunden, Partner und Startups aufgerufen, sich für die Umsetzung zu bewerben. Aktuell sind schon zehn Matches zustande gekommen.

Ihr Fazit: Mit welcher Erwartungshaltung gehen Laien an das Thema KI heran?

Man kann natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber viele wünschen sich etwas, das ihnen hilft, Dinge zu vereinfachen und lästige Aufgaben schneller zu erledigen. Oft geht es auch um eine Ergänzung menschlicher Fähigkeiten.

Inwiefern?

In dem Sinne, dass durch Technologie verstärkt werden kann, was man als Mensch mitbringt, um einen etwa besser, schneller oder genauer arbeiten zu lassen, oder Vorschläge aufzuzeigen, die man als Mensch so nicht im Blick hat. Das ist echt interessant. Wir hatten den Leuten ja gesagt: Hey, wenn du träumen könntest, was wünschst du dir? Da gibt es ja keine Grenze. Doch oft ging es den Leuten um sehr praxisnahe Dinge. Beim vermeintlich abstrakten Thema KI ist also viel Realismus dabei.

Microsoft KI-Festival: Am 9. April werden in den Berliner Bolle-Festsälen die besten Ideen für KI-Tools und -Services vorgestellt und prämiert. Dazu gibt es Expertentalks und Workshops.


 

Der Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. Titelstory: Wieso Nico Rosberg sich nach seinem radikalen Karriere-Schlussstrich 2016 gerade als Investor in Zukunftstechnologien neu erfindet. Außerdem haben wir ein Dossier zum Thema Travel Biz für euch. Darin berichten wir unter anderem über Away, das New Yorker Koffer-Startup, das mit clever konzipiertem Gepäck gerade zur Love-Brand der Millennials wird. Mehr Infos gibt es hier

 


Christian Cohrs

Christian ist der Redaktionsleiter bei BUSINESS PUNK und legt großen Wert darauf, dass Startups nicht in Schmieden hergestellt werden. Wenn er nicht an den Texten von Autoren herummäkelt (das ist nun einmal sein Job), schreibt er über Gründerthemen, Gewissensfragen und Schnaps.

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