Travel Biz: Zwei Coaches auf der Suche nach dem guten Arbeiten

Zwei Hamburger Coaches begeben sich auf Weltreise. Ziel: herausfinden, was gutes Arbeiten wirklich ausmacht.

Frau Stania, Herr Schnell, wie kommt man auf die Idee, als Coach auf die Walz zu gehen?

Anna Stania: Wir sind beide Experten für neues Arbeiten, Co-Founder und auch privat ein Paar. Bei Citytrips in Europa haben wir uns oft gefragt: Wie wird dort eigentlich gearbeitet. Also haben wir gedacht, wenn wir schon einmal da sind, können wir ja auch Startups besuchen, und haben etwa Skyscanner in Barcelona oder Prezi in Budapest angeschrieben, ob sie Bock auf einen Wissensaustausch haben.

Wie wurde aus diesen Kurztrips in fremde Start­up­-Szenen eine elfmonatige Reise um die halbe Welt?

Nils Schnell: Wir kamen jedes Mal beflügelt zurück und haben überlegt: Wie kann man das skalieren? Die Antwort: Man muss einfach länger unterwegs sein und den Fokus umdrehen. Wir reisen, um diese Treffen zu haben. Und zwischendrin machen wir einen Roadtrip oder lernen neue Städte kennen. So entstand die Idee der Modern Work Tour.

Reisen ist teuer. Wie haben Sie diesen Trip finanziert?

Schnell: Wir haben etwas angespart, und viele unserer Kunden in Deutschland können wir auch über Skype betreuen. Dann verdienen wir unterwegs durch Trainings- und Consulting-Sessions vor Ort Geld, was manchmal klappt, aber häufig nicht so gut wie erhofft.

Wie arbeitet die Welt? Anna Stania und Nils Schnell reisen, um es herauszufinden (Credits: Stania/Schnell).

Und wie geht man an die Planung so einer Reise heran?

Schnell: Unsere Idee war, sowohl Hotspots für Innovation zu bereisen als auch Länder, über deren Startup-Szene man eigentlich nie etwas hört.

Stania: Außerdem wollten wir nicht einfach nur ins Flugzeug ein- und irgendwo aussteigen, sondern uns peu à peu Ländern annähern. Also haben wir eine ungefähre Route ausgesucht. Den Anfang sollten die Balkanstaaten machen.

Schnell: Diese Länder sind so nah, aber wir haben keine Ahnung, was dort startupmäßig los ist. Wir wussten eigentlich nur, dass von dort gerade im Techbereich sehr qualifizierte Leute kommen.

Wie sah die Route konkret aus?

Schnell: Von Hamburg sind wir zunächst über München nach Ljubljana gefahren, dann weiter über Zagreb und Split nach Sarajevo. Anschließend ging es über Mazedonien nach Albanien. Dort haben wir uns recht lange aufgehalten, weil wir da auch Trainings und Teamworkshops geben konnten. Anschließend immer weiter Richtung Osten über die Stan-Länder, also Kasachstan und Kirgistan, die Mongolei bis nach China und schließlich Australien, wo wir gerade sind.

Wie weit haben Sie im Vorfeld insgesamt geplant?

Schnell: Also, grob geplant bis in die Mongolei. Es gibt drei Planungshorizonte. Das eine war, die Route auszusuchen. Dann diese Route grob einzuteilen in Sequenzen, wann wir denken, wo sein zu können. Das Dritte war, ganz konkret zu gucken, wen wir da im Netzwerk haben und anschreiben können. Für den Balkan ging das in großen Teilen von Deutschland aus. Doch je weiter wir kamen, desto mehr haben wir auf der Reise geplant.

Wie gut hat die Planung mit so vielen Variablen im Vorfeld insgesamt dann tatsächlich geklappt?

Stania: Spätestens in Albanien wussten wir, wir müssen die Taktung vergrößern. Der Plan war, vier, fünf Tage an einem Ort zu sein und dort ein Meeting nacheinander zu setzen. Aber da haben wir gemerkt, das geht nicht.

Schnell: Ja, das war eine Hammertaktung. Für Treffen und Consulting ging das super, aber für mehr blieb keine Zeit. In Albanien waren wir reif für einen ersten Miniurlaub und haben einen Roadtrip gemacht.

Stania: Ab dort haben wir gesagt: eine Woche, um entspannt die Meetings zu machen, dann gucken, ob man eine Woche durch das Land reisen mag, in der dritten Woche dann Trainings und Coachings. So sind wir auf eine drei- bis vierwöchige Spanne gekommen. Das ist der Idealfall. Aber wenn wir nach einer gemerkt haben, dass sich in einem Land nichts ergibt, sind wir direkt wieder abgehauen.

Wie kommt man als durchreisender Coach an Termine oder gar bezahlte Jobs?

Stania: Über unser Netzwerk, also ganz konkret, indem man Bekannte anruft und fragt, Mails schreibt oder einen Tweet loslässt.

Schnell: Ganz viel geht über LinkedIn, vor allem dort, wo wir wie in Kirgistan oder Kasachstan wirklich niemanden kannten und bei null starten mussten.

Klingt nach mühsamer Kaltakquise.

Schnell: Ja, die Response-Rate ist nicht immer sonderlich hoch. Aber durch das Internet ist es inzwischen deutlich einfacher. Du kannst „Agile Coach Kasachstan“ googeln oder bei Angellist nach Startups in Astana suchen und dann konkret Leute anschreiben.

Was war in den Momenten, wo gar nichts ging?

Stania: In China haben wir so viele Leute angesprochen, Unis, auf deren Website was von „internationaler Ausrichtung“ stand und „ja, wir wollen uns öffnen“. Manche habe ich mehrmals angeschrieben und null – null! – Rückmeldung bekommen. In China war ich wirklich fertig und konnte irgendwann nicht mehr.

Wie kommen Sie von A nach B?

Schnell: So zeit- und kosteneffizient wie möglich. Auf dem Balkan war es super mit Bussen machbar. In Kasachstan sind wir mit dem Bus bis an die Grenze, dann zu Fuß rüber nach Kirgistan und weiter mit dem Bus in die Hauptstadt. Später wurde es komplizierter, weil man von Kirgistan nicht ohne Transitvisum in die Mongolei kommt. Da mussten wir eben fliegen.

On the Road: Anderes Land, andere Arbeitssitten? (Credits: Stania/Schnell).

Wo steigen Sie ab?

Stania: Überwiegend in Airbnb-Wohnungen, um einen eigenen Raum zu haben, uns zurückziehen und arbeiten zu können – und kochen. Das schafft irgendwie ein Heimatgefühl.

Schnell: In einigen Städten haben wir ein Hotel genommen, weil es nicht anders ging oder wir einfach mal Lust drauf hatten.

Wie packt man für so eine Tour durch zig Klimazonen und mehrere Jahreszeiten?

Schnell: Wir haben sowohl Winterkleidung als auch Sommerkleidung dabei, unsere Rechner und eine Reisedrohne. Wir sind mit Rucksäcken unterwegs. Manchmal ist das sehr nervig, aber praktisch, weil es flexibler ist, wenn wir zwischendurch einen Trip machen.

Aber Sie brauchen ja auch mal was Adrettes für einen Business-Termin?

Schnell: Das ist die Herausforderung gewesen. Wir haben in gute Funktionskleidung investiert, um nicht so viel mitnehmen zu müssen, und zusätzlich ein Business-Outfit mit, das man clever kombinieren kann.

Stania: Basics und Funktionskleidung, so schlicht wie möglich, damit ich zu Rock oder Kleid eben das Funktionsshirt tragen kann.

Schnell: Zwischendurch haben wir eine Runde nachgekauft. Das brauchten wir. Sowohl für das Gefühl nach sechs Monaten in denselben Klamotten als auch für Meetings, um uns nicht underdressed zu fühlen. Auch wenn das in modernen Arbeitskontexten ja entspannter abläuft, haben wir schon gemerkt, es macht Sinn, einen gewissen Schick zu haben.


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