Studie zeigt: Mental Health wird am Arbeitsplatz noch immer tabuisiert

Pünktlichkeit, Fleiß, Strebsamkeit – unsere Arbeitsmentalität verlangt von uns, immer perfekt zu funktionieren. Eine repräsentative Studie des unabhängigen Marktforschungsinstitus YouGov – beauftragt von LinkedIn – zeigt jedoch, dass das besonders bei sehr stressigen Arbeitssituationen nicht ohne Negativfolgen möglich ist.

1.056 Berufstätige mit fester Anstellung gaben in einer Online-Umfrage an, wie Stress am Arbeitsplatz sie beeinflusst. So leiden vier von fünf deutschen Arbeitnehmern – 82 Prozent der Befragten – unter Auswirkungen wie Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen. Das Problem: viele fühlen sich damit allein gelassen und wünschen sich bessere Präventionsmaßnahmen.

Die Aufgabe liegt beim Arbeitgeber

Desinteresse in der Führungsebene, keine angebotenen Stressbewältigungs-Maßnahmen und fehlende Ansprechpartner für Diskriminierung oder Mobbing. Scheinbar wird mentale Gesundheit in vielen deutschen Unternehmen nicht als wichtiges Gut für erfolgreiches Arbeiten angesehen. So suchen lediglich 34 Prozent aller Befragten mit ihren Kollegen ein offenes Gespräch über mentale Gesundheit. Mit der Führungsebene sinkt die Zahl sogar auf nur 25 Prozent.

Das Problem liegt jedoch nicht nur in geringen Handlungsmöglichkeiten, sondern ist auch im Arbeitnehmer selbst verwurzelt. Viele haben Angst, sich dadurch angreifbar zu machen oder gar benachteiligt zu werden. 17 Prozent bezeugen – laut Angaben – bereits negative Folgen wahrgenommen zu haben.

“Stress alleine macht nicht krank sondern kann sogar beflügelnd wirken. Entscheidend ist aber, dass sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln und mittelfristig im Gleichgewicht stehen“, erklärt Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Sobald man sich nicht mehr entspannen kann, ohne permanent an die Arbeit zu denken, droht man seine mentale Gesundheit zu schädigen. 

Frauen stärker betroffen als Männer

30 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen fühlen sich häufig oder dauerhaft gestresst. Besonders bei Diskriminierung und Mobbing fällt auf, dass sich die Geschlechter unterscheiden. Während 31 Prozent – also fast ein Drittel – der befragten Frauen durch herabwürdigendes Verhalten negative Folgen im Job wahrnehmen, sind es bei Männern nur 21 Prozent und damit jeder Fünfte.

„Wir empfehlen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen offeneren Umgang mit dem Thema mentale Gesundheit“, sagt Jochen Doppelhammer, Country Manager und Leiter des Produktmanagement bei LinkedIn für den deutschsprachigen Raum. „Mitarbeiter sollten nicht das Gefühl haben müssen, dass es sich um ein Tabuthema handelt. Stattdessen sollten wir uns gegenseitig ermutigen, Probleme – etwa eine ungesunde Stressbelastung – klar anzusprechen. Das ist aus ethischen, genauso wie aus wirtschaftlichen Gründen wünschenswert, denn letztendlich sind glückliche und gesunde Mitarbeiter auch immer die besten Mitarbeiter. Gezielte Präventionsmaßnahmen sind deshalb sehr wichtig, angefangen bei Ausgleichsmöglichkeiten, über Beratungs- und Coaching-Angebote bis hin zu Sucht- und Mobbingprävention. Dass Frauen häufiger unter Stress leiden und von Diskriminierung sowie Mobbing stärker betroffenen sind, ist beunruhigend und sollte besondere Beachtung finden.“


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